Im Limmattal wohnt sichs dicht auf dicht, und das ist auch gut so — zu diesem Schluss kommt die Credit Suisse (CS) in einer gestern veröffentlichten Studie, in der sie die regionale Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung unter die Lupe nimmt. Denn während verdichtetes Bauen im ganzen Land gepredigt wird, um der fortschreitenden Zersiedelung Einhalt zu gebieten, ist es hier bereits heute Realität.

Die Region weist nach der Stadt Zürich die zweithöchste Bevölkerungsdichte im Kanton auf. Und ein Ende ist nicht in Sicht, auch wenn sich die Zuwanderung mittlerweile leicht abgeschwächt hat. Seit 2007 ziehen im Schnitt jährlich rund 850 Personen aus dem Ausland ins Limmattal, dazu kommen weitere 400 aus anderen Landesteilen. Das entspricht einer Wachstumsrate von 1,9 Prozent, die deutlich sowohl über dem kantonalen (1,4) als auch dem nationalen (1,2) Durchschnitt liegt.

Solche Volksbewegungen stellen eine Region vor neue Herausforderungen. Erst einmal brauchen all diese Leute Platz. Anders als rein ländliche Regionen geht das Limmattal mit gesteigerten Raumbedürfnissen jedoch vorbildlich um, so die Studie. Der Bauboom geht zwar nur leicht gebremst weiter. Doch es ist ein Bauen, das Landreserven schont. Einerseits, indem in die Höhe gebaut wird: Heute werden weit mehr Mehrfamilien- als Einfamilienhäuser gebaut, viele Wohnungen entstehen in Grossprojekten wie dem Dietiker Limmatfeld oder dem Rietpark in Schlieren.

Andererseits wird vergleichsweise aber auch wenig neuer Boden bebaut, dafür viel ehemalige Industrie- und Gewerbefläche umgenutzt. Diese Brachen stehen heute zur Verfügung, weil sich das Limmattal im Laufe der Zeit immer mehr vom Produktions- zum Dienstleistungsstandort entwickelt hat. Die heutige Branchenzusammensetzung in der Region verleitet die Studienverfasser denn auch zur zuversichtlichen Prognose: «Das Limmattal verfügt über ein sehr chancenreiches Profil.» Die wirtschaftlichen Zugpferde seien dabei die ansässigen Informatik-, Logistik- und Handelsfirmen sowie Facility Management. Zudem stellt der Grosshandel, in dem 12,6 Prozent aller Beschäftigten arbeiten, ein wichtiges Standbein dar.

Dem Wirtschaftsstandort Limmattal geht es also gut, obwohl es über unterdurchschnittlich wenige Fachkräfte und Hochqualifizierte verfügt. Das zeigt sich auch im nationalen Vergleich: Dort weist die Region die schweizweit neunthöchste Standortqualität aus, hinter Zürich, dem Glattal und Baden zwar, doch vor dem Furttal und dem Knonaueramt. Als Trumpf bezeichnet die Studie dabei die gute Erreichbarkeit, die gerade für die zahlreichen Logistik- und Handelsfirmen von zentraler Bedeutung ist.

Dennoch warnen die Verfasser vor uneingeschränktem Optimismus: Wie in der ganzen Schweiz steige auch im Limmattal die Unsicherheit bei Firmen, sich hier anzusiedeln — zu unklar seien die genauen Auswirkungen von politischen Entscheiden wie der kommenden Unternehmenssteuerreform III oder der «Masseneinwanderungsinitiative». Bis zur endgültigen Umsetzung dürfte Letztere im Limmattal hingegen wenig bewirken. Zwar geht die Studie bis dahin von einer gesamthaften Reduktion der Nettozuwanderung von heute rund 70 000 auf rund 50 000 Personen jährlich aus. Doch: «In den Zentren und unmittelbaren Agglomerationen, wo auch in Zukunft die meisten Arbeitsplätze entstehen werden, dürfte die Dynamik nur gering zurückgehen.»