Dietikon
Bauarbeiter zu Gefängnis verurteilt – er griff seinen Kollegen mit einer Bierflasche an

Ein Bauarbeiter hat einen Kollegen mit einer abgebrochenen Bierflasche angegriffen und erheblich verletzt. Vor Gericht beteuerte er vergebens seine Unschuld und wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Zehn Monate davon soll er absitzen.

Attila Szenogrady
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Der Strafprozess gegen den Limmattaler dauert am Bezirksgericht Zürich nur 4 Stunden.

Der Strafprozess gegen den Limmattaler dauert am Bezirksgericht Zürich nur 4 Stunden.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Vor über fünf Jahren hätte der umstrittene Vorfall noch das Zürcher Geschworenengericht beschäftigt. Erstens handelte es sich bei der Anklage um ein schweres Verbrechen gegen Leib und Leben. Zweitens stritt der Bauarbeiter aus Dietikon alle Vorwürfe ab. Am Ende 2010 abgeschafften Geschworenengericht hätte die Angelegenheit mehrere Wochen mit diversen Zeugenbefragungen beansprucht. Ende letzte Woche ging der Strafprozess gegen den Limmattaler am Bezirksgericht Zürich in nur vier Stunden über die Bühne: mit dem klaren Verdikt eines Schuldspruchs.

Das Gericht war zum Schluss den Darstellungen der Anklage gefolgt. Demnach war der beschuldigte Spanier am 27. Oktober 2015 von Dietikon nach Zürich gefahren, um am Abend einen aus Nigeria stammenden Kollegen zu treffen. Gemäss den Darstellungen der zuständigen Staatsanwältin kamen die beiden Männer im Langstrasse-Quartier im Kreis 4 zusammen und besuchten zunächst gemeinsam ein Lokal. Dann begaben sie sich auf die Brauerstrasse, wo der Iberer plötzlich auf Spanisch zu fluchen begann und mit einer abgebrochenen Bierflasche auf seinen Begleiter losging. Dabei stach der Beschuldigte mit der Tatwaffe in den linken Oberschenkel des Westafrikaners. Einen zweiten Stoss konnte das Opfer gerade noch abwehren. Im Gegensatz zu einem dritten Stich, der ihn an der linken Kopfseite traf und seine Ohrmuschel durchtrennte. Während sich der stark blutende Geschädigte kurz darauf in Spitalpflege begeben musste, um das halb abgeschnittene Ohr wieder anzunähen, suchte der Limmattaler das Weite.

Den Beweisen angepasste Aussagen

Der Spanier wurde von der Polizei am 8. November 2015 festgenommen und befand sich danach bis zum Februar 2016 in Untersuchungshaft. Auffallend war dabei, dass der junge Mann seine Aussagen jeweils dem neusten Ermittlungsstand anpasste. Zuerst stritt er ab, zur Tatzeit überhaupt in Zürich gewesen zu sein. Eine Auswertung seiner Handy-Daten strafte ihn jedoch Lügen. Danach behauptete er, dass er das Opfer gar nicht kenne. Dies wurde durch mehrere unabhängige Zeugenaussagen, inklusive des Geschädigten, widerlegt. Vor Gericht erzählte er endlich, dass er zusammen mit dem Privatkläger über die Brauerstrasse spaziert sei. Wobei sie beide von mehreren Personen mit Bierflaschen beworfen worden seien. Er sei deshalb aus Angst davon gerannt.

Die zuständige Verteidigerin verlangte trotz des widersprüchlichen Aussageverhaltens ihres Klienten einen umfassenden Freispruch. Dabei versuchte sie vor allem die Glaubwürdigkeit des Privatklägers zu zerstören. So sei dieser schon selbst wegen Gewaltdelikten zu einer Freiheitsstrafe von über vier Jahren verurteilt worden, plädierte sie. Zudem habe er noch anfänglich ausgesagt, dass er von einem Unbekannten mit einer Bierflasche geschlagen worden sei. Als Motiv für die falsche Anschuldigung ortete die Rechtsanwältin finanzielle Interessen. Tatschlich forderte der Afrikaner ein Schmerzensgeld von 5000 Franken.

Gericht folgt Anklage

Zum Schluss folge das Gericht umfassend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. «Die Aussagen des Geschädigten waren weder übertrieben, noch belasteten sie den Beschuldigten übermässig», hielt die Gerichtsvorsitzende Maya Knüsel anlässlich der Urteilseröffnung fest. Die Unschuldsversion mit dem Flaschenhagel seitens Dritter stufte das Gericht hingegen als lebensfremd und konstruiert ein. Die Richter verurteilten den Dietiker anklagegemäss wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Zehn Monate davon soll der Spanier absitzen.

Das Gericht lastete ihm ein rücksichtsloses Verhalten an. Unbefriedigend war allerdings, dass auch der Prozess zum eigentlichen Tatmotiv keine Erklärung brachte. Dies lag auch am Geschädigten, der zwar seinen Kollegen belastet, sich aber zum eigentlichen Grund für die Attacke ebenfalls ausgeschwiegen hatte.

Ausschaffung droht

Bei den Nebenfolgen verpflichteten die Richter den Beschuldigten, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 1000 Franken zu entrichten. Zudem muss er für die Gerichtsgebühr von 4000 Franken aufkommen. Von dem unbedingten Strafteil von 10 Monate liessen sie die bereits 93 abgesessenen Tage abziehen. Womit der Dietiker nur noch sieben Monate verbüssen soll. Allerdings droht ihm nach der Haftentlassung die Ausschaffung aus der Schweiz. Er kann das Urteil aber noch an da Obergericht weiterziehen.