Spezielles Hobby
Bastian Rast ist überzeugt: Spinnen sind ideale Haustiere

Bastian Rast hält in seinem Keller über 130 Vogelspinnen und Skorpione – kaum verwunderlich für den Gründer eines Vogelspinnenstammtisches. Als Nächstes möchte sich der Spinnenliebhaber jedoch eine Schlange anschaffen.

Julia Wartmann
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Die Platzansprüche der Achtbeiner sind bescheiden.
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Dieser Skorpion leuchtet im UV-Licht.
Bastian Rast hält über 500 Vogelspinnnen und Skorpione.
Bastian Rast Spinnen sind ideale Haustiere
Bastian Rast weiss, wie man eine Vogelspinne halten muss.
Seine älteste Vogelspinne ist bereits 22 Jahre alt.
Der Polizist ist Gründer des Vogelspinnenstammtisches.
Vogelspinnen seien sehr anspruchslose Haustiere, wie der Spinnen-Fan erklärt.
Spinnen essen grundsätzlich alles, was «kreucht und fleucht».
Wichtig sind die richtigen klimatischen Bedingungen.
Der Mensch ist für die Spinne keine Beute, sondern in erster Linie eine Bedrohung. Aus diesem Grund sollte man darauf achten, die Tiere nicht unnötig häufig anzufassen.

Die Platzansprüche der Achtbeiner sind bescheiden.

Julia Wartmann

Ein feuchter, erdiger Geruch schlägt dem Besucher beim Betreten von Bastian Rasts Kellers entgegen. In seinem Haus in Tägerig AG hat sich der Polizist aus Dietikon und Gründer des Vogelspinnenstammtisches sein eigenes Reich eingerichtet. In über 130 Glasterrarien leben Vogelspinnen in allen Grössen und Farben. Auch Skorpione hält sich der Spinnen-Fan; einige davon nicht ungefährlich, wie er sagt.

Bei seiner nächsten Anschaffung soll es sich um eine Schlange handeln, seine Frau hat ihm eine erlaubt. Geplant ist ein Terrarium auf Augenhöhe, naturgetreu eingerichtet. Darunter sollen Skorpione in von einer Steinmauer eingerahmten Terrarien hausen. Dem Besucher wird schnell klar: Hier ist ein Profi am Werk. Mit grosser Sorgfalt kümmert sich Rast um seine unzähligen Haustiere.

Seine älteste Vogelspinne heisst Madame Mim und hat bereits 22 Jahre auf dem haarigen Buckel. «Sie ist das ‹Grosmüeti›, zu ihr habe ich eine besondere Beziehung», sagt er. Nicht einmal für 1000 Franken würde er sie abgeben. Das will etwas heissen, denn eine durchschnittliche Vogelspinne kostet nur zwischen 100 und 150 Franken.

Nicht zum Kuscheln geeignet

Vogelspinnen sind sehr anspruchslose Haustiere, erklärt Rast. Sie gäben sich schon zufrieden mit Futter, Wasser und den richtigen klimatischen Bedingungen. Der Aufwand ist klein: Füttern müsse man die Tiere nur zirka alle zwei Wochen und zu putzen gäbe es auch nicht viel. «Alles, was kreucht und fleucht» essen Spinnen gern.

Da sie sehr schlecht sehen, ist es wichtig, dass die Futtertiere noch leben, sagt Rast. Denn erst die Bewegung löse den Fressreiz der Spinnen aus.

Wer sich ein Tier zum Kuscheln wünscht, sollte sich keine Spinne anschaffen. Er selbst ist stolz, dass er in all den Jahren noch nie von einem seiner Tiere gebissen oder gestochen wurde. Das hänge vor allem damit zusammen, dass er sie nicht unnötig anfasse.

Rast entspricht so gar nicht jenem Bild des Abenteurers, der sich die Spinne zum Schreck der Zuschauer über den Arm krabbeln lässt. Wie bei vielen Tieren gilt auch bei Giftspinnen die Regel: «Der Mensch stellt für die Spinne nicht Beute, sondern eine Bedrohung dar.»

Ein weiterer Vorteil dieser Tiere ist, dass sie nur sehr wenig Platz benötigen. Oftmals werde er gefragt, ob gewisse Behälter nicht zu klein seien, um darin Spinnen aufzuziehen. Seine Antwort: «Spinnen sind, salopp gesagt, dumm.» Damit ist gemeint, dass sie kein Hirn wie beispielsweise Säugetiere haben.

«Spinnen überlegen sich nicht, soll ich heute spazieren gehen», sagt er. Wichtig ist ihnen nur, sich verstecken zu können. Deshalb sollte jedes Terrarium mit einem geeigneten Rückzugsort ausgestattet sein. Zudem sind Spinnen Lauerjäger und haben so oder so einen relativ kleinen Aktionsradius.

Auf solche und andere Fragen gibt Rast am Sonntag bereitwillig Auskunft. Unter dem Jahr bietet er bei sich zu Hause Kurse für die artgerechte Haltung von wirbellosen Tieren an. Wem der Weg dahin zu weit ist, kann sich auch auf der Internetseite des Vogelspinnenstammtischs schlaumachen.

Spinnen erfahrbar machen

Es ist gut, dass sein Keller einen separaten Eingang hat, denn immer wieder erhält er dort Besuch von Personen, die seine Leidenschaft teilen. Doch auch anfänglich skeptische Besucher liessen sich von den Tieren hinreissen, sagt er. Am häufigsten hört er die Frage: Wie giftig ist diese Spinne? Die Antwort überrascht: So ziemlich jede Spinne ist giftig.

An der Messe in Birmensdorf sollen Besucher mit ihnen vertraut gemacht werden. Das Ziel sei nicht, möglichst viele Tiere zu verkaufen, sondern durch Zucht und Austausch die Importe zu reduzieren. An der letzten Börse konnte der Vogelspinnenstammtisch einen Gewinn von 3300 Franken erwirtschaften. Für dieses Jahr erwartet Rast ähnliche Zahlen.

Das Geld soll in ein Naturschutzprojekt im Reppischtal investiert werden. Geplant sei die Erweiterung bereits bestehender Naturschutzgebiete, inklusive einer Begegnungszone für Spinne und Mensch.