Bass
Bass and Drum für Bauch und Beine von «Next Generation» aus Birmensdorf

Mit ihrem neuen Album trifft «Next Generation» aus Birmensdorf den Nerv der Zeit. Die Band um den Sänger und Gitarristen Tom Studer setzt dabei auf pulsierende Beats und wummernde Bässe.

Meret Michel
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Songschreiber und Gitarrist Tom Studer im Studio

Songschreiber und Gitarrist Tom Studer im Studio

MEM

«Again Again Against the Establishment» – schon wieder eine CD gegen die herrschende Ordnung? Ja, lautet die selbstsichere Antwort von Tom Studer, dem Kopf der Birmensdorfer Band «Next Generation». Auf ihrem neusten Album thematisieren sie all die gesellschaftlichen Probleme, über die wir täglich in der Zeitung lesen. Auch mit den Songtiteln – «Digital Burnout», «Rebellion», «Fu(c)k u shima» – macht die Band Nägel mit Köpfen.

Beats mit Riegeln und Hebeln

Bei «Next Generation» handelt es sich jedoch nicht um eine schrummende Punkband, wie man vermuten könnte. «Bei uns läuft alles ein bisschen anders als bei konventionellen Bands», erklärt Studer. Er schreibt sämtliche Songs, singt, und spielt abgesehen vom Gitarrenpart alle Tonspuren selber mit dem Synthesizer ein. Der Gitarrist Reto Weibel war lange der einzige Instrumentalist der Truppe – Drummer Daniel Portner ist erst vor ein paar Wochen dazu gestossen. Weiter besteht die Band aus dem Techniker Andy Rippstein sowie Gerry Ledesma, der Studer beim Texten und Layouten unterstützt.

Zwischen Industrial und Metal

Studer sitzt vor seinem Synthesizer, drückt Knöpfe, klickt auf der Maus und regelt an Schaltern. Sofort weicht das Standby-Brummen im Hintergrund einem pulsierenden Beat, bald gefolgt von einer satten Bassline. Studer nickt mit dem Kopf im Rhythmus: «Diese Musik geht einfach direkt in den Bauch und die Beine», sagt er mit leuchtenden Augen. Electronic Body Music (EBM) heisst der Stil, der irgendwo zwischen Industrial und Minimal schwingt. Aufgekommen ist er in den 1980er-Jahren und hatte bedeutenden Einfluss auf die spätere Goa- und Trancebewegung. Heute erlebe die Musik ein Revival: «Viele der Bands von damals sind in den letzten Jahren wieder vermehrt aktiv geworden», sagt Studer.
Auch «Next Generation» feierte 2010 ein Comeback. In den wilden 80ern gegründet, verlor die Band Priorität, als Familie und Kinder bei den Mitgliedern aktuell wurden. «Vor neun Jahren habe ich wieder angefangen, Musik zu machen. Irgendwann dachte ich, los, jetzt holst du die Jungs wieder ins Boot.»

Quantensprung der Technik

Inzwischen habe sich aber einiges verändert. Schon nur technisch sei man heute um Meilen weiter: «Früher musste ich die Songs im Studio einspielen. Heute kann ich alles zu Hause mit dem Computer machen – und die Qualität ist erst noch besser.» Man sei aber auch älter geworden, meint Studer. «Vor 30 Jahren habe ich noch mit dem Gedanken gespielt, mit Musik mein Geld zu verdienen. Bei der Geburt meiner Tochter habe ich dann aber kalte Füsse gekriegt.»

Ein Musikerleben jenseits des Mainstreams bot finanziell schlicht nicht die nötige Sicherheit, um eine Familie durchzubringen. «Heute machen wir es nur noch aus Freude.» Und Durchstarten wolle man sowieso: «Im Herbst haben wir bereits ein paar Gigs in Deutschland geplant. Wenn es gut läuft, können wir daraus eine kleine Tournee machen.»
«Again Again Against the Establishment» von «Next Generation». Informationen unter www.thenextgeneration.ch