Dietikon

Basler Wäsche, Geldsegen und Bauerei: in der Fragestunde löchern die Gemeinderäte den Stadtrat

Der Bau der Limmattalbahn dominiert derzeit das Dietiker Strassenbild -er beherrschte auch die Fragestunde im Dietiker Parlament. (Archivbild)

In der Fragestunde löchern die Dietiker Gemeinderäte den Stadtrat mit 32 Fragen – 10 drehen sich um die Limmattalbahn. Eine Auswahl.

Waschen in Basel

Das Alters- und Gesundheitszentrum Ruggacker verfügt über eine Nachhaltigkeitsstrategie. Dennoch lässt es Bettlaken, Arbeitskittel und Bewohnerkleider in Basel waschen, was in der Woche zwei bis drei LKW-Fahrten verursacht. Wie passe das zusammen, fragte Andreas Wolf (Grüne).

Den Weg finde die Stadt auch nicht optimal, entgegnete Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP). Der Auftrag, die Wäsche extern zu vergeben, habe aber öffentlich ausgeschrieben werden müssen. Derart viele Anbieter, welche die anfallende Wäschemenge stemmen könnten, gebe es nicht. Schaeren erwähnte je ein Unternehmen in der Ostschweiz, in Zürich und in Basel. Das Angebot aus Basel sei klar das beste gewesen. Bei der nächsten Ausschreibung könnte die Stadt allenfalls das Kriterium des Wegs etwas stärker gewichten. Doch auch Preis und Qualität müssten berücksichtigt werden. «Das Alters- und Gesundheitszentrum probiert aber alles, um die Nachhaltigkeitsstrategie umzusetzen», sagte Schaeren. So flicke der Hausdienst vieles und schaffe nicht gleich neue Produkte an. Die Küche lege grossen Wert drauf, die Mengen gut zu planen, um wenig Abfälle zu haben. Und energetisch sei dank des Neubaus ein Quantensprung erfolgt.

Gefährliches Trottoir

Da immer mehr Trendfahrzeuge, Kleinfahrzeuge und Velos auf den Trottoirs unterwegs sind, sind die Fussgänger verunsichert, stellte Martin Christen (CVP) fest. Was denn der Stadtrat für deren Sicherheit tue?

Die Stadt zeige bereits den Kleinsten, wie sie sich im Strassenverkehr und auf den Trottoirs richtig verhalten müssten, sagte Heinz Illi (EVP). Der Sicherheitsvorstand sprach von einem «grossen Einsatz bei der Verkehrsinstruktion». Die Stadtpolizei verfüge zudem über einen internen Leitfaden, wie mit den verschiedenen Trendfahrzeugen umzugehen sei. Dieser umfasse inzwischen bereits 40 Seiten, was die rasante Entwicklung aufzeige. Aber alles könne die Stadt auch nicht tun; Illi appellierte deshalb an die Eigenverantwortung. «Jeder Einzelne, der ein solches Gefährt benutzt, sollte sich so verhalten, wie es das Gesetz vorsieht.» Bis jeder erzogen sei, würden die alten Menschen weiter verschreckt, merkte Christen an. «Die Problematik ist uns allen bekannt», erwiderte Illi. Widerhandlungen würden geahndet, wenn sie die Polizei sehe.

Die Limmattalbahn-Bauerei

Die Limmattalbahn beziehungsweise deren Bau und insbesondere die Auswirkungen davon beschäftigen den Rat: Wie viele Fussgängerstreifen seien verschwunden, wie viel länger müsse man vor den verbliebenen warten, wollte Catalina Wolf-Miranda (Grüne) wissen. Olivier Barthe (FDP) erkundigte sich, ob für Auswärtige nicht die Zufahrten zu Tiefgaragen der verschiedenen Detaillisten besser signalisiert werden könnten. Wer eigentlich für die Beschilderung zuständig sei, fragte Eveline Heiniger (SVP). Und Ernst Joss (AL) wollte in Erfahrung bringen, an wen man sich wenden könne, falls man «Verbesserungsvorschläge für die Verkehrsführung insbesondere des Langsamverkehrs» habe.

Wegen den Arbeiten für die Stadtbahn sind gemäss Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) sieben Zebrastreifen aufgehoben worden. Sechs weitere wurden verschoben oder angepasst. Ein zusätzlicher ist markiert worden. Nach dem Abschluss der Arbeiten sehen die Strassen teilweise völlig anders aus; aus diesem Grund werden auch insgesamt sechs der früheren Zebrastreifen dann verschwunden sein. Es wird aber vier neue geben. Zudem verbessert sich die Situation für Fussgänger generell: Sechs Strassenquerungen, die heute noch über keine Ampel verfügen, werden dann mit einem Lichtsignal geregelt sein.

Trotz den derzeitigen Einschränkungen durch die Bauarbeiten: Die Fussgänger müssen heute nicht länger warten als früher, wie Bachmann ausführte. Die provisorische Anlage an der Asylstrasse werde aber dennoch neu justiert, damit die Wartezeit kürzer ausfallen werde.
Die Zufahrten zu den Tiefgaragen im Stadtzentrum seien zugänglich und auf den Einfallachsen auch für Auswärtige signalisiert, führte der Stapi weiter aus. Allerdings kündigte er an, dass zumindest die Signalisation an der Badenerstrasse noch einmal angeschaut und gegebenenfalls angepasst werde. Die Verantwortung für die Beschilderung liegt laut Bachmann grundsätzlich bei der Limmattalbahn AG, sie erfolgt in Koordination mit den Strasseneigentümern, also dem Kanton und der Stadt. Vorschläge, wie der Verkehr anders geführt werden könnte, seien auch direkt der Limmattalbahn AG per Mail oder Telefon durchzugeben. Vertreter der Stadt und der Bahn stünden zudem in ständigem Kontakt.

Scherben im Brunnen

Vor dem Stadthaus, in dem auch der Gemeinderat jeweils tagt, steht ein moderner Brunnen mit einem Wasserfall. Wie oft müsse dieser repariert und gereinigt werden und wie hoch sind die Betriebskosten, wollte Manuela Ehmann (EVP) im Rahmen der Fragestunde in Erfahrung bringen.

Defekt sei dieser praktisch nie, meinte Stadtpräsident Bachmann. Der Brunnen müsse aber täglich gereinigt werden – weil Glasscherben von zerbrochenen Flaschen entfernt werden müssten. Die Betriebskosten lassen sich aber nicht beziffern. So ist etwa der Wasserverbrauch mangels eigener Wasseruhr unbekannt. Eine Zahl ist hingegen erhältlich; rund 1500 Franken jährlich fallen für Wasserzusätze wie Chlor und PH-Senker an.

Wohin mit dem Geld?

Die ZKB zahlt den Zürcher Gemeinden im kommenden Jahr anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens zusätzlich zur üblichen Gewinnbeteiligung eine Sonderdividende aus. Ob es denkbar sei, dass das Geld unter anderem auch den Quartiervereinen zukomme, erkundigte sich Peter Metzinger (FDP).

Klar ist, dass Dietikon rund 830000 Franken erhalten wird. Der Stadtrat habe aber noch nicht darüber diskutiert, wie er diesen Geburtstagsbonus verwenden wolle, sagte Finanzvorstand Rolf Schaeren. «Es herrscht aber Einigkeit darüber, dass Projekte unterstützt werden, welche der Bevölkerung zu Gute kommen.»

Da aus dem Parlament bereits zwei Vorstösse eingegangen sind, kann sich der Stadtrat auch vorstellen, dass dieses darüber entscheidet, was mit der Hälfte des Geldsegens passieren soll: «Es gibt unterschiedliche Modelle», sagte Schaeren. Möglich sei beispielsweise, dass das Parlament gemeinsam entscheide, welche Ideen mit 415000 Franken unterstützt werden. Das Geld könnte auch unter allen 36 Gemeinderäten – jeder erhielte 11500 Franken – oder auf die im Parlament vertretenen Parteien verteilt werden, die dann über die weitere Verwendung entscheiden. «Wir brauchen aber ein Signal des Gemeinderates, was er will.»

Lädelisterben und Bahn

Die Stadt hatte angekündigt, Massnahmen zu ergreifen, damit das Gewerbe im Zentrum trotz den negativen Auswirkungen durch die Limmattalbahn-Arbeiten attraktiv bleibt: Doch weshalb sei noch nichts geschehen, fragte Peter Metzinger (FDP). Und Beat Hess (Grüne) hakte nach, ob die Stadt bereit sei, die «Vielfalt des Gewerbes entlang der Baustelle zusätzlich zu unterstützen?»

Dass die rund zweieinhalbjährigen Bauarbeiten zu einem Prüfstein für das lokale Gewerbe werde, hatte die Stadt bereits zu einem früheren Zeitpunkt erkannt. Sie und der Wirtschaftsrat unterstützen deshalb den Detailhandel unter dem Motto «Mitenand für Dietike». Dass der damit verbundene Ideenwettbewerb entgegen der früheren Ankündigung noch nicht abgeschlossen wurde, begründete Roger Bachmann damit, dass er verlängert werden musste. Denn im Oktober sei in Aussicht gestellt worden, dass noch neue Ideen eingehen würden. Am kommenden Dienstag werde nun die Jury zusammentreten, am Tag darauf werde die Öffentlichkeit über den Wettbewerb informiert. «Die Stadt nimmt die Situation der Gewerbler sehr ernst», sagte Bachmann. Allerdings sei nicht an allem die Limmattalbahn schuld, sagte er weiter und verwies unter anderem auf den boomenden Online-Handel. «Auch die Bevölkerung ist gefragt, ihr Konsum- und Einkaufsverhalten zu überdenken.» Andernfalls sei das Lädelisterben nicht aufzuhalten.

Die Grösse des Müsli-Landes

Im Gebiet Müsli, an der Stadtgrenze zu Spreitenbach, wird auf grüner Wiese das Depot für die Limmattalbahn erstellt. Das veranlasste Beat Hess zur Frage, wie viel Land Dietikon an die Bahn abgetreten habe und was sie dafür erhalten habe.

Laut Stadtpräsident Bachmann handelte es sich um insgesamt 24561 Quadratmeter, die an die Limmattalbahn AG gegangen seien. «Wir erhalten dafür insgesamt 288310 Franken.»

Die Bedeutung des Rates

Die 36 Mitglieder des Dietiker Gemeinderates treffen sich in der Regel einmal monatlich zu einer Sitzung. «Was machen die Mitglieder des Stadtrates mit den Voten und Inputs, die zu Beantwortungen oder zu Vorstössen eingebracht werden?», erkundigte sich Patrick Gäumann (SP).
Der Stadtrat, sagte Stapi Bachmann, nehme die Voten, die im Rat fallen, sehr ernst. Insbesondere dann, wenn sie Ausdruck einer breit abgestützten Meinung seien. Und der Stadtrat ist nicht der einzige: «Auch die Verwaltung verfolgt die Sitzungen sehr intensiv.»

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