«Mami, lueg, es Hündli!», ruft ein Mädchen aufgeregt seiner Mutter zu. Die Begeisterung der Kleinen bezieht sich jedoch nicht auf einen der stattlichen Bernhardiner, die auf dem Geroldswiler Dorfplatz aufmarschiert sind, sondern auf einen der Plüschwelpen, die es bei der Tombola zu gewinnen gibt.

Der kürzlich gegründete Verein «Barry Family & Friends» mit Sitz in Geroldswil sorgte gestern Nachmittag für leuchtende Kinderaugen, indem er die gutmütigen Vierbeiner den kleinen Besuchern zum Streicheln und Umarmen überliess. Die Bernhardiner liessen sich alle Streicheleinheiten bereitwillig gefallen. Einige von ihnen wurden gar ungeduldig, wenn gerade mal keine Kinderhand in ihrem Fell wühlte, und zogen kräftig an der Leine, um in die Nähe der jungen Hundeliebhaber zu kommen.

Wenn Mensch und Hund und Hund und Hund sich begegnen ...

Wenn Mensch und Hund und Hund und Hund sich begegnen ...

Der Sympathiehund

Praktisch alle Menschen würden Bernhardiner mögen, erklärt Vorstandsmitglied Ruedi Thomann. «Wegen zu enger Platzverhältnisse können viele aber keinen solch grossen Hund halten». So habe es sich der Verein «Barry Family & Friends» zum Ziel gesetzt, die Hunde zu den Leuten zu bringen. Der Bernhardiner sei weltweit ein Sympathieträger, weil er sehr menschenbezogen sei und wegen seiner Geschichte als Retter in Bergregionen, sagt Thomann.

Kinder würden instinktiv auf ihn zurennen und ihn umarmen. Heute würden in den Bergen praktisch keine Bernhardiner mehr als Retter eingesetzt: «Ein Schäferhund mit seinen 35 Kilogramm ist für den Helikopter einfach viel leichter als ein doppelt so schwerer Bernhardiner.» Man könne Bernhardinern auch Aggression antrainieren. Experimente mit den Hunden als Schafhüter wurden aber abgebrochen, weil viele Wanderer die Tiere hätten streicheln wollen. Ein trainierter Hütehund würde solche Leute aber als Bedrohung sehen und zubeissen. Dafür dürfen die Hunde des neuen Geroldswiler Vereins problemlos gestreichelt werden. Die sportlichen Hundefreunde können an den Wanderungen teilnehmen, die von den Barrys begleitet werden. Im Mai werden sich Bernhardiner und Wanderlustige die Rigi vornehmen. Auch Heim- und Schulbesuche stehen auf dem Programm des Barry-Vereins.

Die 8-jährige Gihan kann sich einfach nicht von einer Bernhardiner-Dame trennen, die samt Fässli auf den Geroldswiler Dorfplatz gekommen ist. Die Hündin ihrerseits scheint das Mädchen auch ins Herz geschlossen zu haben. Sie legt sich vor Gihan auf den Rücken, rollt auf dem Boden herum und lässt sich am Bauch kraulen. Am Ende muss die grosse Schwester Chadije die Hundenärrin sanft an der Jacke zupfen, um sie noch rechtzeitig nach Hause zu bringen.
Ein besonders kräftiger Vierbeiner wurde gar vor einen Holzkarren gespannt, um Gruppen von Kindern rund um den Dorfplatz zu ziehen. Die meisten wühlten jedoch viel lieber im braun-weissen Fell der Hunde, bis ihre Jacken über und über mit Bernhardinerhaaren bedeckt waren. Ein passendes Souvenir für jene, die bei der Tombola leer ausgingen.