Geroldswil
Barry-Erbin ist nicht nur im Limmattal ein Hingucker

Gianna ist die einzige Hündin in der Region, die aus der berühmten Bernhardiner-Zucht in Martigny stammt. Auch andere Eigenschaften machen sie zum Star.

Senada Haralcic
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Bernhardiner Hündin Gianna in Geroldswil
9 Bilder
Die Bernhardiner Hündin Gianna als sie noch klein war mit ihrer Besitzerin Gaby Albicker.
Wollknäuel Gianna.
Als kleiner Baby-Bernhardiner macht sie bereits ausgewachsenen Hunden Konkurrenz.
Portrait und Interview im Hundesalon Laika in Geroldswil mit v.l. Gaby Albicker, Gianna, (und ihr Mann) Markus Kretz.
Die Hündin wird gerne von den Leuten fotografiert.
Fondation Barry am Grossen Sankt Bernhard.

Bernhardiner Hündin Gianna in Geroldswil

Jiri Reiner

Den flauschigen Kopf auf die Pfoten gelegt, schnarcht die Hündin in einer gut hörbaren Lautstärke vor sich hin. Ihr tiefenentspannter Atem wirkt friedlich und offenbar ansteckend: Denn auch bei den anderen Vierbeinern im Hundesalon Laika in Geroldswil macht sich das Verlangen nach einem Mittagsschläfchen breit. Die schnarchende Hundedame ist mit Abstand die grösste unter ihren anwesenden Artgenossen. Und so ruhig wie jetzt ist die Bernhardiner-Hündin nicht immer: «Wenn wir draussen sind, ist Action angesagt», sagt ihre Besitzerin Gaby Albicker. Als Gianna noch ein Welpe war, ist deswegen auch manch eine Leine gerissen. «Sie liebt es, herumzutollen und zu rennen. Bernhardiner sind sehr sportlich.»

Die Walliser Zuchtstätte und ihre Heldensage

In Martigny befindet sich weltweit die älteste Zucht von Bernhardiner-Hunden. Mit dem berühmten Lawinenhund «Barry» begann in dieser Gegend vor über 200 Jahren die Geschichte des Schweizer Nationalhundes. Damals setzten ihn die Chorherren des Hospizes auf dem Grossen St. Bernhard bei Lawinenunglücken ein. Barry rettete rund 40 Menschen und verstarb 1814 eines natürlichen Todes. Präpariert steht er heute im Bernhardiner-Museum in Martigny. Zu Ehren dieses Hundes wurde im Jahr 2005 die Fondation Barry gegründet, welche die Zuchtstätte von den Chorherren übernommen hat. Ihr Ziel ist die Weiterführung der über drei Jahrhunderte alten Zucht am Ursprungsort im Wallis. Am kommenden Wochenende kommt die Fondation Barry nach Geroldswil: Am 18. Oktober 2014 findet ein «Barry-Kinderanlass» von 13 bis 16 Uhr auf dem Dorfplatz in Geroldswil statt. Ab 17.30 Uhr lädt die Fondation zu einem «Benefizabend» im Hotel Geroldswil ein.
Weitere Informationen unter: www.fondation-barry.ch 

Die Einzige im Limmattal

Die Besitzerin weiss viel über ihre Gianna. Schliesslich ist die Bernhardiner-Hündin die einzige im Limmattal, die das Licht der Welt in der traditionsreichen Walliser Zuchtstätte in Martigny erblickte. Diese Gegend ist für ihre Bernhardiner berühmt: Giannas Vorfahre «Barry» hat vor rund 200 Jahren um die 40 Lawinenopfer auf dem Grossen St. Bernhard gerettet und ist bekannt als Schweizer Nationalhund. «Mir war es sehr wichtig, dass mein Bernhardiner aus dieser Zuchtstätte kommt», sagt Albicker und ergänzt: «Wegen der Tradition und weil Bernhardiner treue Freunde und gute Beschützer sind.» Kaum zu glauben, dass die grosse Beschützerin, die im Stehen bis zur Hüfte reicht, einst ein kleiner Flausch war. Als sie vor genau zwei Jahren zusammen mit neun Geschwistern auf die Welt gekommen ist, war Gianna nicht viel grösser als ein Meerschweinchen.

Die ersten acht Wochen verbrachte die Hündin im Kreise ihrer Familie in der Zuchtstätte. Danach war der ganze Wurf tagsüber im Bernhardiner-Museum in Martigny zu bestaunen. Dort hat auch die Hundesalon-Besitzerin Gaby Albicker sie entdeckt. «Ich hatte schon einmal einen Bernhardiner und wusste, dass ich wieder einen will.» Für Gianna hat sie sich dann entschieden, weil ihr deren Eigenschaften passten. «Der Charakter des Hundes sollte in meine Wohn– und Arbeitsgegend passen: Im Salon möglichst ruhig und beim Spazieren genau das Gegenteil. Und das trifft zu hundert Prozent auf Gianna zu», sagt die Besitzerin und blickt stolz auf ihre schlafende Hündin. Sie liebt ihre Gianna genau so, wie sie ist. Und Albicker investiert viel Zeit in sie: Dreimal täglich gehen die beiden mehrere Stunden spazieren.

Namensvetterin Gianna Nannini

Hinzu kommen wöchentliches Bürsten und gelegentliches Duschen. Aber all die Mühe sei es wert. «Sie gibt sehr viel Liebe. Das durften auch schon viele andere Menschen erfahren.» So habe beispielsweise einst ein Mann im Rollstuhl sehr ergriffen reagiert, als er auf Gianna traf. «Er konnte kaum aufhören, das Tier zu streicheln.» Bernhardiner-Hunde sind bekannt für ihre therapeutischen Fähigkeiten. «Sie haben eine sanftmütige Aura, trotz ihrer imposanten Grösse. Sie sind sensibel und liebevoll, auch mit Fremden», betont Albicker. Die Leute würden oft auf die Bernhardinerin reagieren, sowohl im Limmattal als auch ausserhalb. Überall zieht Gianna viel Aufmerksamkeit auf sich. «Vor allem wenn eine Gruppe aus Japan oder China uns entdeckt, wird sofort die Kamera gezückt», sagt die Geroldswilerin.

Man kann es also fast nicht anders sagen: Gianna ist ein kleiner Star. Aber abgesehen von ihrer besonderen Rasse, ist es der schönen Hündin vielleicht auch auf andere Weise vorbestimmt, viel Ruhm zu geniessen: Schliesslich wurde sie nach einer berühmten Sängerin benannt. «Unsere Hündin war im sogenannten G-Wurf, weshalb wir ihr einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben ‹G› geben mussten. Mein Mann ist ein grosser Fan von Gianna Nannini, und so kam es zu diesem Namen.» Ihr «Star-Dasein» brachte der Bernhardinerin auch eine Rolle in einem Auto-Werbespot oder auch mehrere Auftritte auf Messen und Ausstellungen. «Aber das machen wir nicht oft. Ich will nicht, dass Gianna zu viel im Rampenlicht steht.» Eine Regel, so Albicker, sei nämlich ganz wichtig, wenn man einen Bernhardiner–Hund besitzt: «Man muss mit dem Hund – und nicht vom Hund leben.» Denn der Markenwert des Bernhardiners sei hoch. «Es ist nicht fair, wenn jemand das ausnutzt», sagt Albicker, bevor sie wieder liebevoll das weiche Fell ihrer grossen schlafenden Hündin streichelt.