Kloster Fahr
Barocke Musik lässt das Jahr 2012 ausklingen

Die Schwesterngemeinschaft im Kloster Fahr feiert den Jahreswechsel mit dem Schweizer Oktett und Texten von Silja Walter. «Es ist für uns Schwestern eine grosse Freude, dass wir mit so vielen Gästen den Jahreswechsel feiern dürfen», so die Priorin.

Christian Murer
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Kloster Fahr Konzert Schweizer Oktett
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Der Jahreswechsel endete mit einem Umtrunk
Schwester Ruth Tresch las Texte von Silja Walter
Die Priorin begrüsste die Gäste am Eingang
Windlichter wiesen den Weg zur Klosterpforte

Kloster Fahr Konzert Schweizer Oktett

Christian Murer

«Wir waren sehr angetan den Silvester in dieser Form zu feiern», sagten Bruno und Claire Moro. Die beiden Unterengstringer waren zum ersten Mal beim traditionellen Jahreswechsel im Kloster Fahr dabei. Schon der Eintritt über die Klosterpforte habe sie bewegt.

Viele Windlichter und zwei Finnenkerzen wiesen den Weg zur Klosterpforte. Am Eingang begrüssten Priorin Irene und Schwester Martina die Gäste. In der Sakristei sorgte Schwester Raimunda dafür, dass alles bestens klappte. Im praktisch bis auf den letzten Platz besetzten barocken Gotteshaus herrschte kurz vor 23 Uhr eine ergriffene Stille. Dann nahmen die Musiker des Schweizer Oktetts zwischen Krippe und Orgel Platz. Mit einem Sextett von Ludwig van Beethoven begann der musikalisch besinnliche Jahreswechsel. Es folgte eine heitere Spielmusik des englischen Barockkomponisten Henry Purcel und französische Klänge von Louis François Duprat.

Zwischen den drei Werken las Schwester Ruth Tresch sechs Gedichtsmeditationen der Fahrer Schwester Silja Walter, die vor zwei Jahren im Alter von 92 Jahren verstarb. Die Titel «Die Pilgerin», «Der Begnadete», «Die Erwartende», «Der Blinde», «Der Gläubige» oder «Die Träumende» passten zu den Tönen der sechs Musiker Gallus Burkhard, Jonas Iten, Jens Lohmann, Lorenz Raths, Paul Scharf und Michel Willi. Die Gedichte brachten die Sehnsucht, den Schmerz, die Blindheit, das Suchen und Ringen einfühlsam zur Sprache.

In ihrem Neujahrsgruss ging Priorin Irene kurz auf diese Texte ein. «Hat Sie vielleicht ein Wort, eine Aussage der einen oder anderen Figur berührt und in Ihnen Erinnerungen und Erfahrungen zum Klingen gebracht?», fragte sie und fuhr fort: «Auch wenn die Figuren verschieden sind, haben sie doch eines gemeinsam: Sie alle sind Lauschende. Sie hören auf die leise Stimme und erfahren im Lauschen, dass sie getragen sind.» Denn hören auf die leise Stimme in uns, sei in der lärmigen und hektischen Welt eine grosse Herausforderung, ja eine Kunst. «So wünsche ich uns allen, dass wir im kommenden Jahr das Lauschen neu lernen und die leise Stimme in uns hören, die uns Vertrauen schenkt. Ja, dass wir ab und zu Träumende sind. Träumende nämlich, die mit beiden Füssen auf dem Boden stehen und Ausschau halten nach dem Morgenstern.»

Zum Abschluss offerierten die Schwestern einen Umtrunk. «Es ist für uns Schwestern eine grosse Freude, dass wir mit so vielen Gästen den Jahreswechsel feiern dürfen. Ja, dass wir den Menschen Raum für diesen besonderen Moment schenken können. Das stärkt auch uns», sagte die Priorin. Die jahrelange Treue so vieler Besucher erstaune sie stets aufs Neue. «Dass ich auch solchen begegne, die zum ersten Mal den Jahreswechsel mit uns feiern, freut mich besonders. Diese Tradition führen wir gerne weiter.»