Bezirksgericht Dietikon

Barbesitzer beschäftigte Asylbewerber schwarz – aber mit integrativer Absicht

Ein Barbesitzer hat Asylbewerber ohne Bezahlung und Bewilligung in den Barjob eingearbeitet. Damit hat er gegen das Ausländergesetz verstossen.

Ein Barbesitzer hat Asylbewerber ohne Bezahlung und Bewilligung in den Barjob eingearbeitet. Damit hat er gegen das Ausländergesetz verstossen.

Ein kurdischer Barbesitzer sass wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz vor dem Bezirksgericht. Der Richter lässt vermutlich Milde walten.

Als Zehnjähriger war er aus Kurdistan in die Schweiz gekommen, wuchs hier bei den Grosseltern auf. Er machte eine Lehre im technischen Bereich und arbeitete dann auf dem Beruf. «2013 konnte ich mich mit einer Bar selbstständig machen», so der heute 36-Jährige. Dabei ist zu spüren, wie glücklich ihn diese Tatsache gemacht hatte. Heute allerdings ist er desillusioniert, sucht einen Nachfolger für die Bar und arbeitet wieder auf dem erlernten Beruf.

Vor Einzelrichter Bruno Amacker sitzt ein freundlicher Mann mit vollem Haar, gepflegtem Bart, in kariertem Hemd und schwarzen Jeans. Beschuldigt der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz, geht es für den Kurden um die Wurst, fordert der Staatsanwalt doch eine Freiheitsstrafe von 90 Tagen sowie 4500 Franken Geldstrafe – beides allerdings bedingt, aber mit einer langen Probezeit von vier Jahren.

Ruhig und ausführlich schildert der Beschuldigte seinen Werdegang und seine Erfahrungen als Barbesitzer. «Zunächst konnte ich das mit Hilfe der Familie selber bewältigen, doch nachdem der Betrieb immer besser lief, musste ich mich ab 2015 nach Mitarbeitern umsehen.» Das «Umsehen» war das Eine, der Erfolg das Andere. «Ich habe ebenso all die Stelleninserate, die ich aufgegeben habe, wie auch die Bewerbungen und Absagen dokumentiert. Es sind sehr, sehr viele.» Immer mal wieder hatte es geklappt, aber nie für lange. «Die Arbeit bis in die Nacht hinein und auch an Wochenenden passt nicht vielen. Auch Leute, die mir vom RAV geschickt wurden, haben abgewinkt.»

7800 Franken Bussgeld bezahlt

Im Februar dieses Jahres war der Mann mittels Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 7800 Franken wegen Beschäftigung von Ausländern ohne Bewilligung verurteilt worden. «Mein Mandant fühlte sich schon damals unschuldig. Doch als er sich das finanzielle Risiko einer Einsprache vor Auge führte, hatte er den Strafbefehl akzeptiert», erklärte der Verteidiger in seinem Plädoyer.

Als der Barbesitzer, erneut desselben Vergehens beschuldigt, im April zwei Tage in Haft genommen worden war und ihm nun eine Freiheitsstrafe drohte, hat der Mann die Welt nicht mehr verstanden. «Ich bin bestens integriert, habe mich stets an alle Vorschriften und Gesetze gehalten, bin glücklich und zufrieden hier, auch wenn ich nie das Bedürfnis hatte, den Schweizer Pass zu erwerben.»

Den Vorwurf, zwischen Februar und April dieses Jahres drei Asylbewerber während 32, 20 respektive 2 Stunden bewusst schwarz und ohne Lohnzahlung beschäftigt zu haben, weist der 36-Jährige vehement zurück.

«Es war administrative Nachlässigkeit. Die Arbeit war mir über den Kopf gewachsen.» Er habe zwar in Kontakt mit den zuständigen Ämtern gestanden und sei dabei gewesen, die nötigen Bewilligungen zu beantragen. «Da habe ich die drei schon mal in die Arbeit eingeführt und probeweise beschäftigt.» Darüber hinaus habe er den Asylbewerbern Deutschkenntnisse beigebracht und an ihrer Integration gearbeitet. «Aus meinem Lebenslauf weiss ich, wie wichtig und zugleich auch schwierig dieser Prozess ist. Umso mehr hat die Tatsache, dass ich wie ein Schwerverbrecher behandelt wurde, mein Vertrauen in das Schweizer Rechtssystem erschüttert.»

Der Verteidiger plädierte für eine milde Strafe. Seinem Argument, dass die Situation, in der sich sein Mandant befunden hatte, nicht typisch sei für die von jemandem, der gezielt und bewusst Schwarzarbeiter beschäftigt, folgte auch Richter Amacker. «Der Fall ist tatsächlich nicht vergleichbar mit jenem eines Gipsermeisters, der 30 Schwarzarbeiter aus dem Ausland holt.»

Das Urteil, so Amacker, müsse aber gründlich überdacht werden, weshalb er dieses schriftlich mitteilen werde. Es müsse dem Beschuldigten klar sein, dass er nicht ganz ungeschoren davonkommen werde.

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