Bezirksgericht Dietikon
Bankdirektor fälschte Unterlagen, um ein zweites Kind adoptieren zu können

Für die Adoption des zweiten Kindes wurden medizinische Tests gefälscht. Obwohl der Richter den Mann für schuldig befand, sah er von einer Bestrafung ab.

Attila Szenogrady
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Die Unterlagen für die zweite Adoption waren gefälscht (Symbolbild)

Die Unterlagen für die zweite Adoption waren gefälscht (Symbolbild)

Thinkstock

Es war vor rund einem Jahr, als ein im Bezirk Dietikon wohnhafter Bankdirektor ein Mädchen aus Russland adoptieren wollte. Es wäre bereits das zweite Adoptivkind gewesen. Dazu mussten der Schweizer und seine Ehefrau regelmässig medizinische Tests absolvieren und diese gegenüber den russischen Behörden mit Dokumenten belegen. Unter anderem sollte er ein Aktenstück einreichen, welches belegt, dass die Untersuchungen an beiden Eheleuten vorgenommen worden seien. Doch diesmal kam es laut Anklage zu Problemen. So stellte der Beschuldigte fest, dass er diese Dokumente vom kantonsärztlichen Dienst nicht wie bisher bekommen konnte.

Laut Anklage beschloss der Beschuldigte kurzerhand, die fehlenden ärztlichen Dokumente selber herzustellen. Dazu scannte er an seinem Computer von einem bereits vorhandenen Schreiben die Stempel der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich sowie des kantonsärztlichen Dienstes ein. Zudem ahmte er die Unterschrift einer Verantwortlichen von Letzterem nach.

Hohe Geldstrafe gefordert

Kurz vor den letzten Ostern musste sich der Bankdirektor wegen Urkundenfälschung am Bezirksgericht Dietikon verantworten. Im drohte neben einer hohen, bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 350 Franken, also insgesamt 21 000 Franken eine zusätzliche happige Busse von 5300 Franken. Zudem sollte er für sämtliche Verfahrenskosten aufkommen. Allerdings liess der Beschuldigte seine Rechtsanwältin vor den Schranken auf einen vollen Freispruch plädieren.

Vor Gericht stellte die Verteidigung jeglichen Vorsatz ihres Klienten in Abrede und machte einen unglücklichen Irrtum geltend. So habe der Beschuldigte die Unterlagen versehentlich eingereicht, plädierte sie. Beim Schuldpunkt hatte sie damit allerdings keinen Erfolg. So sah der zuständige Einzelrichter die eingeklagte Urkundenfälschung und das strafrechtlich relevante Verhalten des Limmattaler Adoptivvaters als erwiesen an.

Schuldspruch ja, Strafe nein

Trotz dem Schuldspruch konnte der Mann mit dem Verdikt zum Schluss nicht unzufrieden sein. So verzichtete der zuständige Einzelrichter auf eine Sanktion. Er sprach dabei von einem fehlenden Strafbedürfnis der Gesellschaft in diesem Zusammenhang. Einerseits sei das Verschulden sehr gering, andererseits seien auch die Tatfolgen minim, befand das Gericht und verwies auf die Tatsache, dass es bei einem Adoptionsverfahren in der Schweiz die strengen russischen Hürden gar nicht geben würde.

Mit diesem Urteil kommt der Beschuldigte auch um einen Eintrag ins Strafregister herum. Ein Wermutstropfen bleibt aber übrig. So muss er für die Verfahrens- und Gerichtskosten von insgesamt 3200 Franken aufkommen. Allerdings kann er den Entscheid auch anfechten und an das Obergericht weiterziehen.