Unterengstringen

Bald wird das alte Pfarrhaus abgerissen — geplant sind 30 altersgerechte Wohnungen

Das alte Pfarrhaus an der Bergstrasse in Unterengstringen wird durch zwei Neubauten mit 30 Wohnungen ersetzt.

Das alte Pfarrhaus an der Bergstrasse in Unterengstringen wird durch zwei Neubauten mit 30 Wohnungen ersetzt.

Altes Pfarrhaus in Unterengstringen soll altersgerechten Wohnungen weichen. Reformierte Kirchgemeinde sagt Ja zum Baurechtsvertrag.

Ein abgelehnter Verkauf, grobe Meinungsverschiedenheiten zwischen Rechnungsprüfungskommission (RPK) und Kirchenpflege und eine hitzige Gemeindeversammlung mit annullierter Abstimmung: Die zukünftige Nutzung des gut 100-jährigen ehemaligen Pfarrhauses in Unterengstringen bewegt die Reformierte Kirchgemeinde Weiningen schon ewig. Nach jahrelangem Ringen um die beste Lösung blieben am Ende nur noch zwei Stimmen gegen das Projekt der Kirchenpflege übrig.

An der Kreisgemeindeversammlung vom Mittwochabend in Geroldswil nahmen die 58 Stimmberechtigten aus Geroldswil, Oetwil, Unterengstringen und Weiningen die Vorlage, das Land im Baurecht an die Belano Group AG aus Horgen abzugeben, mit grosser Mehrheit an. Zuvor empfahl RPK-Präsident Kurt Glanzmann das Projekt vorbehaltlos zur Annahme. Der auf 99 Jahre ausgelegte Vertrag sieht vor, dass die Gemeinde einen jährlichen Baurechtzins von 140'000 Franken erhält. Alle zehn Jahre kann der Zins der Teuerung angepasst werden. Die Belano Group will das alte Pfarrhaus durch ein zwei- und ein dreistöckiges Gebäude mit insgesamt 30 altersgerechten Wohnungen ersetzen. Zudem sind diverse Gemeinschaftsräume, eine Cafeteria, Ateliers und ein Fitnessraum geplant. Die Kirchgemeinde könne beim Projekt nicht mitreden, aber die Pläne seien im Sinne der Kirchenpflege, sagte Liegenschaftenvorstand André Kuchen, der das Projekt vorstellte. Im Vertrag ist festgehalten, dass die Kirchgemeinde alle gemeinschaftlichen Räume für kirchliche Anlässe gratis nutzen darf.

«Selbstverständliche haben wir das mit dem Rechtsdienst der Landeskirche abgeklärt», entgegnete Kirchgemeindeschreiber Heinrich Brändli auf die leicht besorgte Frage einer Bürgerin, ob die Kompetenz der Gemeindeversammlung auch sicher ausreiche für den Entscheid. Zu wach waren die Erinnerungen an den August 2018. Damals genehmigten die Stimmberechtigten knapp einen Projektierungskredit für die Planung verschiedener Varianten. Doch die Bezirkskirchenpflege annullierte im März den Beschluss wegen eines Stimmrechtsrekurses und entschied, dass der Kredit an der Urne genehmigt werden müsste. Weil die Kirchenpflege sich laut Präsident Simon Plüer in der Zwischenzeit gegen einen Bau mit Eigenmitteln entschieden und die Belano Group überzeugt hatte, die Projektstudie auf ihre Rechnung zu nehmen, ist die Urnenabstimmung nichtig geworden.

Mit der Annahme des Baurechtvertrags soll es jetzt schnell gehen. Bereits im Januar soll die konkrete Bauplanung starten und wenn alles gut laufe, könne Ende 2020 oder Anfang 2021 mit dem Bau begonnen werden, sagte Kuchen.

190000 Franken für energetische Sanierung und Umbau

Zuvor hatten die Stimmberechtigten bereits ohne Gegenstimme dem Verkauf einer 144 Quadratmeter grossen Fläche im Geroldswiler Zentrum an die Gemeinde für 216000 Franken zugestimmt. Diese wurde bereits in der Vergangenheit von der Gemeinde genutzt und soll im Rahmen des Projekts Baufeld Hotel zu einem Durchgang umgebaut werden.

Ebenfalls ohne Gegenstimme wurden 190000 Franken genehmigt, um das Kirchenzentrum Geroldswil energetisch zu sanieren und die derzeitigen Bibliotheksräume für neue Mieter umzubauen. Die Gemeinde Geroldswil hat den Vertrag für die Nutzung der Räume als Bibliothek auf Ende 2021 gekündigt. Seit dem Bau des Kirchenzentrums in den 1970er-Jahren ist dieses praktisch unverändert geblieben. Mit dem Kredit will die Reformierte Kirchgemeinde erarbeiten lassen, wie die Räume genau umgebaut und saniert werden. Zudem soll ein Kostenvoranschlag für alle Massnahmen erstellt und der Stimmbevölkerung im September 2020 an der Urne vorgelegt werden.

Das Budget 2020 wurde ohne Diskussionen und Gegenstimme genehmigt. Die Reformierte Kirchgemeinde rechnet für kommendes Jahr mit einem Ertragsüberschuss von 1,87 Millionen Franken. Der Ertrag von 4,60 Millionen Franken steht einem Aufwand von 2,73 Millionen gegenüber. Bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 11 Prozent rechnet die Kirchenpflege 2020 mit Steuereinnahmen von 1,79 Millionen Franken.

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