«Es hat geklappt, ich habe eine Bleibe!» Die Freude und Erleichterung konnte man der Stimme von Michael S. bei diesem Anruf am Donnerstagnachmittag deutlich anhören. In der Donnerstagsausgabe berichtete die Limmattaler Zeitung über den Fall des 38-jährigen Alleinerziehenden eines 15-jährigen Sohnes aus Geroldswil. Die Lage des Vaters hatte sich in den letzten Tagen dramatisch zugespitzt. Denn am kommenden Montag muss er seine bisherige Mietwohnung in der Fahrweid geräumt haben, um einer Räumung durch die Polizei zuvorzukommen. Nur war es ihm – trotz immer verzweifelterer Versuche – nicht gelungen, eine neue Bleibe zu finden. Jeder Weg hatte sich als Sackgasse erwiesen. Auch die Gemeinde konnte ihm keine Notwohnung zur Verfügung stellen, da alle fünf Notwohnungen derzeit belegt sind. Michael S. hat Schulden und ist momentan arbeitslos, weil sein Chef, bei dem er als Schaltanlagenmonteur arbeitet, ihn erst wieder beschäftigen will, wenn sich seine Wohnsituation geklärt hat.


Am Donnerstagnachmittag erhielt die Redaktion dann den Anruf eines 83-jährigen Dietikers: «Meine Frau und ich haben eine Wohnung, die überraschend auf Ende Oktober frei wird.» Die Wohnung habe vier Zimmer und koste 1800 Franken – genauso viel, wie Michael S. aufbringen kann. Zur Wohnung gehört sogar ein Garten. «Den müsste der Mieter aber pflegen», so der Wohnungsbesitzer. «Das ist doch überhaupt kein Problem», meinte Michael S., als die Redaktion ihm die frohe Botschaft überbrachte. Zwei Stunden später sein glückseliger Anruf: «Wir haben den Mietvertrag unterzeichnet.» Da der Einzugstermin am 1. November ist, muss Michael S. jetzt nur noch eine gute Woche überbrücken, in der er voraussichtlich bei Freunden Unterschlupf findet.