Schlieren
Bald liegen Chilenen in den «Limmi»-Betten

90 Betten aus dem Spital Limmattal traten kürzlich eine Reise nach Chile an. Dort warten bereits neue Patienten auf sie.

Flurina Dünki
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Die Betten werden verladen.

Die Betten werden verladen.

Zur Verfügung gestellt

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Sattelschlepper mit einem Seefrachtcontainer vor dem Spital Limmattal vorfährt und der chilenische Botschafter aus Bern anreist, um beim Verladen von ausgedienten Spitalbetten mit anzupacken. 90 Betten, die nicht mehr den Schweizer Anforderungen entsprechen, wurden am vergangenen Freitagvormittag in den Container mit Endziel Chile gehievt. Nachdem das südamerikanische Land im letzten Jahr von mehreren Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunami und Überschwemmungen heimgesucht worden war, fehlten im Lande rund 7000 Spitalbetten. Dies erklärt Guido Stöckli, Geschäftsführer der Malteserorden-Stiftung «Hilfe und Beistand».

Das Hilfswerk ist spezialisiert auf die Weitervermittlung von Gütern in die verschiedensten Regionen der Welt und koordiniert die Lieferung der Limmattaler Betten für die chilenischen Spitäler.

Schon zum dritten Mal spendet das Schlieremer Spital Betten für Chile. Das Team von «Hilfe und Beistand», das zu 100 Prozent aus ehrenamtlichen Helfern besteht, koordiniert die Sammlung und den Versand der Güter. Für die Transportkosten kommt der jeweilige Empfänger auf. «Erfahrungsgemäss hat die Ware, die nichts kostet für den Beschenkten auch einen geringeren Wert», sagt Stöckli. Indem der Betrag für den Seetransport übernommen werden müsse, schätzten die Abnehmer die Güter auch mehr und würden ihnen länger Sorge tragen.

Betten von höchster Qualität

Rechnet sich die Spende des «Limmi» für die chilenischen Spitäler überhaupt, wenn der Transport um die halbe Erdkugel aus der eigenen Tasche bezahlt werden muss? Stöckli bejaht dies: «Die Betten sind von höchster Schweizer Qualität», erklärt er. Der Wert eines solchen Bettes belaufe sich auf etwa 4500 Franken, was bei einem Frachtcontainer à 40 Betten eine Summe von 160 000 Franken ergäbe, die den Kosten eines Containers von 7000 Franken gegenüberstünden. Der Rotary Club Chile beteiligt sich zudem an den Transportkosten. «Manchmal ist es seltsam, wenn wir den Chilenen erklären, dass elektronisch funktionierende Spitalbetten, die bei ihnen noch gar keinen Einzug gehalten haben, in der Schweiz schon wieder zum alten Eisen gehören», sagt Stöckli.

Die Betten seien in der Tat noch sehr robust, wie Martina Elisabeth Wagner vom Spital Limmattal sagt, aber die Ansprüche an medizinisches Mobiliar würden stetig steigen.

Die nach Chile versandten Betten wurden im «Limmi» jährlich gewartet und wurden laut Spitaldirektor Thomas Brack für ihren neuen Einsatz nochmals überholt. Auch das chilenische Personal kann dank der Weitergabe des technischen Know-hows die Betten in Zukunft warten. Somit dürften sie auch in ihrem zweiten Leben auf der Südhalbkugel noch manche Jahre in Gebrauch stehen.