Sie sind auf den Strassen nicht zu übersehen: die rot-blauen Planzer-Lastwagen. Etwa 1300 davon sind rund um die Uhr im In- und Ausland unterwegs. Bald soll sich diese Fahrzeugflotte noch vergrössern: Das Transportunternehmen mit Sitz in Dietikon will ab Januar 2018 in den Paketmarkt einsteigen. Dafür wurde eigens eine Tochterfirma, die Planzer KEP AG, gegründet. Mehr als hundert Lieferwagen wurden für die Paketzulieferung bereits angeschafft. Zudem sollen bis Anfang nächsten Jahres 300 neue Mitarbeiter eingestellt werden, die Hälfte davon Chauffeure, wie die «Handelszeitung» berichtete.

Heute verfügt Planzer über 56 Standorte alleine in der Schweiz und über weitere in Italien, Luxemburg, Deutschland und Frankreich. Sogar in Hong Kong existiert eine Niederlassung. Seit der Gründung durch Max Planzer im Jahr 1936 hat sich also viel getan. Damals besorgte das Unternehmen den Warentransport zwischen dem Bahnhof Dietikon und den ortsansässigen Gewerbebetrieben. Bis heute befindet sich die Firma vollständig in Familienbesitz.

Mit ihrem bereits vorhandenen, weitverzweigten Verteilungsnetz ist Planzer für die Paketzulieferung bestens aufgestellt. Geplant ist die Nutzung von 13 verschiedenen Bahnzentren der Firma. Dort werden bereits Flächen freigeräumt und zusätzliche Förderbänder installiert. Von da aus ist dann die Zustellung via Lieferwagen geplant. Es ist nicht das erste Mal, dass Planzer mit dem Paketgeschäft liebäugelt. So wurden ähnliche Dienste bereits vor 20 Jahren angeboten, damals zusammen mit zwei anderen Partnern. Der Dienst wurde dann an die Deutsche Post (DHL) weiterverkauft, die so erstmals in der Schweiz Fuss fassen konnte.

Online-Handel wächst immer noch

Der Wiedereinstieg in das Paketgeschäft hat vor allem zwei Gründe, wie Nils Planzer, Geschäftsführer der Firma, sagt. Zum einen seien immer noch Wachstumszahlen im Online-Handel zu verzeichnen. Diese schlagen sich in einem erhöhten Transportbedarf nieder. Zum anderen sei das Durchschnittsgewicht des gelieferten Stückguts von Jahr zu Jahr gesunken, da war es naheliegend, auch Paketzustellungen anzubieten.

Planzer stellt klar, dass der Fokus zunächst auf bestehenden Kunden liege, die schon heute auf die Transportfirma setzen. Entgegen anderslautender Berichte fasst man nicht einen direkten Angriff auf die schweizerische Post ins Auge. «Der Markt wird bereits gut bedient von der Post», sagt Planzer. «Wir wollen uns anders positionieren und im oberen Preisbereich unter anderem eine höhere Flexibilität in der Zustellung bieten.»

Statt kleine Subunternehmer zu verpflichten, wolle man auf die eigenen, gut bezahlten Chauffeure zurückgreifen. Zusätzlich sollen diese nur für die Zustellung verantwortlich sein und nicht nebenbei auch noch die Aus- und Einladung der Ware besorgen. «Unsere Chauffeure sollen den Kunden erholt und mit schönen Kleidern begegnen können», sagt Planzer. Der persönliche Kundenkontakt habe für Planzer oberste Priorität, so der Geschäftsführer.

Langfristig will man sich also neben der Post positionieren und schweizweit – so immerhin die Ambition – in puncto Volumen die Nummer zwei werden. «Ziel ist es, der beste, flexibelste und freundlichste Paketzulieferer zu werden», fasst der Geschäftsführer zusammen. Auch im benachbarten Ausland will Planzer Paketzustellungen anbieten, dort aber mit anderen Partnern zusammenarbeiten.