Kletterzentrum

Bald gehen in Schlieren Senioren die Wände hoch

Es hat sich gezeigt, dass der Klettersport auch im hohen Alter noch problemlos ausgeübt werden kann.

Es hat sich gezeigt, dass der Klettersport auch im hohen Alter noch problemlos ausgeübt werden kann.

Ein Pilotkurs ist auf reges Interesse gestossen. Ab Oktober bietet das Kletterzentrum im Schlieremer Gaswerk-Areal nun Kletterkurse für über 60-Jährige an.

Auf die Idee, einen Kletterkurs für über 60-Jährige anzubieten, habe ihn ein befreundeter Arzt gebracht, der selbst schon im fortgeschrittenen Alter ist, sagt Adrian Fill, der Leiter Kurswesen im Schlieremer Kletterzentrum Gaswerk. «Er fragte mich, ob das nicht eine Idee für unser Kletterzentrum sei.»

Jener Freund, Urs Wiget, begleitet auch den Kurs für über 60-Jährige, der ab Ende Oktober im Kletterzentrum angeboten wird. «Der Kurs ist eigentlich ein Kombi-Training», sagt Fill. Die Kletter-Ausbildung würden seine eigenen Angestellten übernehmen. Wigets Aufgabe bestehe darin, die Senioren mit medizinischen Informationen zu versorgen, ihnen aufzuzeigen, wie sie ihre Beweglichkeit erhalten können und ein altersangepasstes Notfallmanagement – etwa zur ersten Hilfe im Gelände – zu vermitteln.

Gute Resonanz auf ersten Kurs

Im vergangenen Mai führte das Kletterzentrum einen Pilotkurs mit Senioren durch, um erste Erfahrungen zu sammeln. «Vonseiten der Teilnehmenden hatten wir eine unglaublich gute Resonanz. Die meisten sind richtig angefressen», erklärt Fill. Es habe sich ausserdem gezeigt, dass Klettern die perfekte Sportart für ältere Menschen sei, um die Beweglichkeit zu erhalten. «Das Schöne ist, dass man keine besonderen konditionellen Voraussetzungen mitbringen muss. Unser Credo ist: ‹Wer eine Leiter hochkommt, kann auch klettern.›»

Ganz so einfach ist es dann doch nicht: Man müsse einige Dinge beachten, wenn man mit über 60-Jährigen klettere, sagt Fill: «Man muss die Anatomie mehr berücksichtigen. Nicht alle Dehnübungen sind beispielsweise für einen gealterten Bewegungsapparat geeignet.» Aus diesem Grund handle es sich bei den Leitern der Seniorenkurse um entsprechend ausgebildete Bewegungstherapeuten oder Sportlehrer, so Fill.

Im Verlauf des Kurses wird altersgerecht verfahren. So dauern die zwei Einführungsmodule «Top-Rope» und «Vorsteigen» bei den Senioren je fünf Mal drei Stunden, während sie in einem herkömmlichen Kurs nur drei Mal drei Stunden in Anspruch nehmen. «Das ist wichtig, damit die über 60-Jährigen auch längere Pausen einlegen können», erklärt Fill.

Sichern bedingt Konzentration

Unter welchen Bedingungen sollte von einem Kletterkurs abgeraten werden? «Gewisse kognitive Fähigkeiten und eine gewisse Beweglichkeit müssen sicher gegeben sein. Und vor allem für das Sichern sollte man die nötige Konzentrationsfähigkeit mitbringen», sagt Fill. Er habe aber auch schon Kurse mit Parkinson-Kranken, Gehörlosen- und Blindenvereinen durchgeführt. «Es gibt wirklich kaum Hindernisse. Wenn sich jemand zutraut, zu klettern, so kann er das bei uns tun – auf eigene Verantwortung.»

Ein kleiner Unterschied zwischen einem Senioren- und einem herkömmlichen Kurs finde sich auch in den Umgangsformen, die dem Alter der Teilnehmenden angepasst würden, sagt Fill: «Jüngere Kletterer duzen sich eigentlich alle. Das würde bei vielen älteren Leuten beim ersten Kontakt nicht so gut ankommen. Sobald man aber in der Halle steht, gibt es auch bei ihnen nur noch das Du.»

Bereits im Pilotkurs fanden sich die fünf Senioren, die für eine Kursklasse nötig sind. Für den ersten regulären Kurs, der am 23.Oktober beginnt, sind bereits wieder zwei Anmeldungen eingegangen.

Weitere Informationen unter: www.kletterzentrum.com

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