Schlieren
Bald druckt die Konkurrentin Tamedia die «NZZ»

Die «Alte Tante» schliesst Druckerei an der Zürcherstrasse – 125 Stellen gestrichen.

Florian Niedermann
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Bald wird dieses Bild in Schlieren nicht mehr zu sehen sein: Die NZZ-Druckerei stellt den Betrieb Mitte 2015 ein.

Bald wird dieses Bild in Schlieren nicht mehr zu sehen sein: Die NZZ-Druckerei stellt den Betrieb Mitte 2015 ein.

Keystone

Die NZZ-Mediengruppe vollzieht einen harten Schnitt. Die «Alte Tante» schliesst ihre Druckerei an der Zürcherstrasse in Schlieren, 25 Jahre nachdem sie sich dort niedergelassen hat. 125 der 184 Angestellten am Standort droht auf Ende Juni nächsten Jahres die Kündigung, wie die Konzernleitung gestern mitteilte. Mit der Schliessung der Druckerei tritt ein, was vor zwei Jahrzehnten noch undenkbar war: Die Titel «NZZ» und «NZZ am Sonntag» werden künftig im Druckzentrum der Konkurrentin, der Tamedia AG, gedruckt. Ein entsprechender «langfristig bindender» Vertrag sei bereits ausgehandelt worden, hiess es im Communiqué.

Wie konnte sich das Traditionsunternehmen dazu verlocken lassen? Von Branchenkennern ist zu hören, dass die Tamedia sich eine Druckmaschine angeschafft habe, die über riesige Druckkapazitäten verfügt. Dies auch mit der Absicht, einen Sog im Druckereimarkt zu erzielen. Angesichts der günstigen Produktionskosten erhalte sie eine Vormachtstellung, welche ihr selbst traditionelle Konkurrenten wie die «NZZ» in die Arme treibe – spätestens dann, wenn diese in ihre eigenen Druckereibetriebe investieren müssten. Bereits druckt etwa auch die Freiburger Tageszeitung «La Liberté» ihre Ausgaben bei der Tamedia. Diese kann ihre neue Maschine ausserdem mit Kampfpreisen auslasten und so die Preise im Markt dominieren, was anderen Druckereibetrieben zusätzlich schadet, so die Einschätzung der Branchenkenner.

NZZ will nicht mehr investieren

Und tatsächlich begründet die NZZ-Mediengruppe die Schliessung des Schlieremer Standorts mitunter damit, dass im Druckzentrum Ersatzinvestitionen in zweistelliger Millionenhöhe anstehen würden, die sich «wirtschaftlich nicht rechtfertigen lassen». Als es 1989 erbaut wurde, legte die NZZ AG die Produktion auf Kapazitäten aus, wie sie auf dem Höhepunkt der Zeitungsbooms in den Neunzigerjahren erreicht wurden. Mit der fortschreitenden Ablösung gedruckter Zeitungen durch digitale Medien sei es aber zu Überkapazitäten und sinkenden Auflagen der Eigenprodukte gekommen, heisst es in der Medienmitteilung. Alleine seit 2008 ist die gedruckte Auflage der «NZZ» nach eigenen Angaben um 36 000 Exemplare gesunken. Dies habe dazu geführt, dass die Zeitungsdruckereien zunehmend auf Aufträge von Drittkunden angewiesen seien. «Die Preise für diese Aufträge sind allerdings stark unter Druck geraten», schreibt die Konzernleitung. Die NZZ-Mediengruppe plant nun, ihre Zeitungsdruckaktivitäten abseits der Titel «NZZ» und «NZZ am Sonntag» an den Standorten Winkeln (SG) und Adligenswil (LU) zu konzentrieren. Veit Dengler, CEO der NZZ AG, kommentierte den Entscheid mit der Aussage, dass das Wachstumspotenzial seines Konzerns «vor allem im Digitalmarkt» liegen würde und man vermehrt in Online- und Mobile-Produkte investieren wolle.

Die Schliessung des Druckzentrums in Schlieren steht unter dem Vorbehalt der Konsultation mit den Arbeitnehmervertretern. Die Zukunft der 125 Angestellten, denen die Kündigung droht, ist derweil ungewiss. «Wir sehen gute Chancen, einigen Mitarbeitenden Arbeitsplätze bei der NZZ-Mediengruppe anbieten zu können. Auch Tamedia hat eventuell Bedarf an ihren Standorten in Zürich und Bern», sagt Bettina Schibli, die Leiterin Unternehmenskommunikation bei der NZZ-Mediengruppe, auf Anfrage. Dazu würden einige Frühpensionierungen vollzogen. Die NZZ AG werde «soziale Härten zudem über einen Sozialplan mit allen seinen Gestaltungsmöglichkeiten» abmildern, so Schibli. Was mit dem Gebäude und den Druckmaschinen Zürcherstrasse in Schlieren geschehen wird, steht noch in den Sternen. Schibli sagt: «Wir würden beides verkaufen. Wir gehen aber davon aus, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen wird.»

Syndicom fordert Rücknahme

Die Gewerkschaften Syndicom und Syna kritisierten den Entscheid und das Vorgehen der NZZ AG gestern harsch. Es sei «ein Hohn», ein Konsultationsverfahren zur Rettung von Arbeitsplätzen einzuleiten, wenn bereits Verträge mit Tamedia geschlossen wurden, tadelte Syndicom. In der Druckerbranche – und auch bei der NZZ Print – werde trotz Krise noch immer gutes Geld verdient, schreibt die Gewerkschaft. Sie fordert daher gar die Rücknahme des «absurd anmutenden» Schliessungsentscheids.