Daniel Issler
Bald Baustart für Limmattalbahn: «Wir können wegen der Initiative nicht die Planung stoppen»

Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn, ist optimistisch, dass mit dem Bau der ersten Etappe im Herbst gestartet werden kann.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn: Daniel Issler. In den blauen Ordnern sind all eEinsprachen gegen das Bahnprojekt abgelegt.

Der Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn: Daniel Issler. In den blauen Ordnern sind all eEinsprachen gegen das Bahnprojekt abgelegt.

Herr Issler, die Plangenehmigungsverfügung für die Limmattalbahn liegt vor. Sie haben lange darauf gewartet. Sind Sie froh?

Daniel Issler: Ja, wir sind sogar sehr froh. Sie ist ein ganz wichtiger Meilenstein. Neben der Kreditgenehmigung war sie unser zweites Hauptziel.

Sie haben ursprünglich per Ende 2015 mit der Bewilligung gerechnet, dann per Herbst 2016. Wieso liegt sie erst jetzt vor?

Im Herbst 2013 haben wir das Gesuch beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht. Danach gab es in Altstetten, an der Schlieremer Spitalstrasse und beim Dietiker Bahnhof drei grosse Projektänderungen, die zu Neuauflagen geführt haben. Damit war klar, dass der Zeitplan angepasst werden muss. Dass es dann nochmals länger gedauert hat, liegt daran, dass wir uns mehr Zeit genommen haben für die ausseramtlichen Einigungen. Wir haben bewusst diesen Weg gewählt und viel Zeit investiert, um möglichst viele Einigungen zu erzielen. Und dann brauchte das BAV auch noch Zeit, um abzuschliessen.

Nun sind alle Einsprachen, abgesehen von vier sistierten, verhandelt. Bei 60 musste das BAV entscheiden. Was ist hier der Stand der Dinge?

Das BAV hat in der Verfügung entschieden, ich konnte aber noch nicht jeden Fall im Detail analysieren. Ich erwarte jedoch keine grossen Überraschungen.

Das heisst, das BAV hat sich beispielsweise auch in der Tunnel-Frage im Spitalquartier entschieden?

Das BAV hat das Projekt nun festgelegt. Auf einzelne Fälle kann ich hier nicht eingehen. Klar ist aber, dass das BAV den Anwohnern in gewissen Fragen auch entgegengekommen ist. Im Grossen und Ganzen bleibt das Projekt, wie es ist, mit kleinen Anpassungen.

Einsprecher, die mit dem Beschluss des BAV nicht einverstanden sind, können gegen die Verfügung Beschwerde einreichen, was eine aufschiebende Wirkung hätte.

Genau. Sie haben nun 30 Tage Zeit – abzüglich Ostern ist das fast bis Ende Mai – um beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einzureichen.

Rechnen Sie damit?

Das ist schwierig zu sagen. Wir sind auf jeden Fall optimistisch, dass wir im Herbst mit dem Bau beginnen können. Falls es Beschwerden gibt, so hoffen wir, dass wir diesen die aufschiebende Wirkung entziehen können. Wir gehen davon aus, dass wir, sollten Beschwerden zur zweiten Etappe eintreffen, trotzdem mit dem Bau der ersten beginnen können. Ob das Gericht das gleich beurteilt, ist aber offen.

Sind Sie trotz Verzögerungen terminlich noch auf Kurs?

Ja, wir sind immer noch im Zeitplan.

Im Schlieremer Parlament ist noch ein Postulat hängig, das Mischverkehr auf der Spitalstrasse fordert. Ist das Anliegen mit der Plangenehmigungsverfügung vom Tisch?

Das Projekt wurde verfügt, und zwar so, wie wir es mit der Stadt Schlieren im Vergleich abgemacht haben.

Seit Februar sammeln die Bahngegner Unterschriften für ihre Initiative, welche die zweite Etappe doch noch verhindern soll. Hat die laufende Unterschriftensammlung einen Einfluss auf Ihre Planungen?

Wir können aufgrund der Unterschriftensammlung nun nicht unsere Planung stoppen. Im Herbst soll der Bau der Limmattalbahn starten, für den wir einen Auftrag haben. Das Projekt wird von den beiden Kantonen gewünscht, wird von den Parlamenten befürwortet, die Zürcher Bevölkerung hat Ja gesagt und der Bund finanziert mit. Der Kredit ist beschlossen, das Depot ist beschlossen und die Baubewilligung ist da. Alle Signale sind auf grün. Wichtig ist auch: Die Limmattalbahn ist ein Gesamtprojekt, das nur als Ganzes Sinn ergibt. Man kann es nicht einfach auseinandernehmen. Das Projekt entfaltet nur in seiner Gesamtheit seine raumplanerische Wirkung.

Wenn im September Baustart ist: Was wird zuerst gemacht?

Zuerst werden die Werkleitungen verlegt, dann wird jeweils die Strasse auf einer Seite gebaut, während der Verkehr auf der anderen Seite weiterläuft und dann umgekehrt. Ab etwa Mitte 2018 wird der Gleisoberbau erstellt. Dann gibt es noch die beiden Intensivbaustellen: Im Sommer 2018 wird der Stadtplatz Schlieren umgebaut, der Farbhof im Sommer 2019.