Eine Verkettung unglücklicher Ereignisse und eine nicht eingehaltene Vorschrift führten auf den Gleisen nahe des Bahnhofs Dietikon zu einer Kollision, wie der kürzlich publizierte summarische Bericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) über den Unfallhergang zeigt. Ihre Schlussfolgerungen hat die Sust in einer Sicherheitsempfehlung festgehalten, weiteren Handlungsbedarf sieht sie nicht. In der Empfehlung schreibt sie, dass das Bundesamt für Verkehr für den Rangierdienst eine «eingehende Studie über das Spannungsfeld der geltenden Vorschriften gegenüber der betrieblichen Realität» durchführen sollte.

Ausgelöst wurde der Unfall, der sich in der Nacht vom 17. auf den 18. November 2015 ereignete, von einer Rangierbewegung. Eine Lokomotive mit neun Wagen wollte vom Gleis 2 im Bahnhof Dietikon in den nicht zentralisierten Bereich am Rande des Bahnhofs fahren. In diesem Bereich wird die Gleisanlage nicht von der Zentrale ferngesteuert, deshalb muss der Rangierleiter hier besonders aufpassen und allenfalls mit Hindernissen rechnen.

Um das angepeilte Gleis 67 zu erreichen, musste der Rangierzug die viel befahrenen Gleise 3 bis 6 überqueren. Dies wollte der Lokführer rasch erledigen, um den Zugbetrieb nicht zu stören.

Auf Gleis 67 stand aber bereits eine Rangierlok mit Brückeninspektionswagen und wartete die Rückfahrt Richtung Zürich ab. Weil der Gleisbereich nicht beleuchtet ist und die Beleuchtung des Dienstzugs ausgeschaltet war, sah der heranfahrende Lokführer das Hindernis zu spät. Seine 157 Meter lange Komposition war mit einer Geschwindigkeit von 33,4 Kilometern pro Stunde knapp 10 Prozent schneller unterwegs als erlaubt, als er die Schnellbremsung auslöste. Diese Überschreitung leistete laut Bericht aber keinen «direkten Beitrag zur Kollision». Ein rechtzeitiges Anhalten vor dem Hindernis wäre auch mit 30 Kilometern pro Stunde nicht möglich gewesen. Zudem gelte das entsprechende Manöver als Routinearbeit und in der Regel sei eine hindernisfreie Fahrt zu erwarten.

Grundsätzlich hätte der Lokführer zwar im nicht zentralisierten Bereich die Fahrgeschwindigkeit so reduzieren müssen, dass er auf Sicht fahren kann, heisst es weiter. Die fehlende Schuldzuweisung in der Schlussfolgerung zum Unfall und die darin angeregte Studie zeigen allerdings, dass eine Diskrepanz zwischen den geltenden Vorschriften und der Arbeitsrealität herrscht.

Erschienen am 12. Juni 2018.