Bei der Ausarbeitung des privaten Gestaltungsplans für den neuen Rietpark war noch vom Erhalt aller vier schützenswerten Bäumen im Rietpark die Rede. Acht Jahre später sollen sie nun gefällt werden und dem Bauprojekt für das neue Stadtquartier nahe des Bahnhofs weichen. Der Stadtrat Schlieren hatte sich zwar für den Erhalt von wenigstens zwei Bäumen – einem Mammut- und einem Walnussbaum – eingesetzt, doch die Bauherrschaft Geistlich Immobilia AG hat dagegen erfolgreich rekurriert und eine Ersatzbepflanzung versprochen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Nun sind die 30 Tage Rekursfrist ungenutzt verstrichen. Damit steht der endgültigen Entlassung der Bäume aus dem Schutzinventar und somit deren Fällung nichts mehr im Weg.

Schutz versus Sanierung

«Wir haben den Entscheid des Baurekursgerichts analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass es bei vorliegender Herleitung und Ausgangslage keinen Sinn macht, den Entscheid weiterzuziehen», heisst es auf Anfrage bei der Stadt. Man habe versucht, beiden Anliegen – der Schutzwürdigkeit der Bäume sowie dem Umstand, dass der Boden, auf dem die Bäume stehen, mit Quecksilber belastet ist – im Sinne des öffentlichen Interesses gerecht zu werden. «Uns war bereits bei Verfahrensbeginn klar, dass der Ausgang eines Gerichtsverfahrens bezüglich Abwägung Altlastensanierung versus Unterschutzstellung auf beiden Seiten offen war.»

Tatsächlich müsste der Boden, auf dem die Bäume stehen, eliminiert und mit aufwendigen Massnahmen saniert werden. Beispielsweise müsste dieser rund um die Bäume in 50 Meter Tiefe mit neuer Erde aufgeschüttet und ein Geotextil eingebracht werden. Wie auch das Baurekursgericht in seinem Entscheid festhält, wäre es dann nicht einmal sicher, ob die Bäume dieses Prozedere überleben würden. «Gut möglich, dass die Bäume von ihren Reserven zehren und noch ein paar Jahre überleben können», heisst es, doch die Lebensdauer von 75 Jahren – eine Zahl der Vorinstanz – dürfte «klarerweise nicht der Fall sein».

Gleichzeitig ist in den Leserbriefspalten der Limmattaler Zeitung eine Diskussion um die Bäume geführt worden. «Es ist noch nicht zu spät», schrieb beispielsweise die Schlieremerin Figen Özkizilirmak, die sich bereits erfolgreich für eine Rotbuche eingesetzt hatte, die der Limmattalbahn hätte weichen müssen. Sie verstehe nicht, warum der Stadtrat nicht bereit sei, einen Rekurs gegen die «17-seitige, juristisch sorgfältig gestaltete Urteilsbegründung» einzureichen. Und weiter: «Ich frage mich, ob der Stadtrat mit gutem Gewissen alle für seinen Entschluss massgebenden Gründe erforscht hat.» Ihren Appell an alle Verantwortlichen, etwas dagegen zu tun, dass «Geld gegen Mensch, Tier und Umwelt» siegt, beantwortete schliesslich der Schlieremer Werner Fisler – ebenfalls in einem Leserbrief .

«Ohne Kohle kein Recht», meinte der ehemalige Schlieremer Gemeinderat (SP) «ketzerisch», wie er seine Antwort selbst bezeichnet. Es wäre nämlich ein neues Gutachten notwendig, um neue Erkenntnisse und Fakten vorzuweisen, hält er fest. Sonst hätte ein neues Verfahren kaum eine Chance. «Der von uns beauftragte Gutachter würde bestimmt eine Gegendarstellung in unserem Sinne verfassen», ist er sich sicher. Doch man müsste sich auch einen Anwalt nehmen, und so würde ein neues Verfahren «ungefähr 10'000 Franken» kosten. «Woher die Kraft?», fragt er. Gegen die Firma Geistlich hätte man als Privatperson einfach keine Chance, sagt er auf Nachfrage am Telefon. Das sei eben ein Fakt.

Die Baumexperten (Signer AG), die für das allererste Gutachten zuständig waren, hatten beide Bäume noch für das Quartier und den Park als «stark prägend» eingestuft, sie setzten «dominierende Akzente» und neue Bäume bräuchten viele Jahre, um «nur annähernd diesen Charakter in einem Landschaftsbild zu prägen.»
Demgegenüber schreibt das Gericht in seinem nun abschliessenden Entscheid: «Ein nicht kontaminierter, öffentlicher Park liegt ebenfalls im öffentlichen Interesse.»