Schlieren

Bäume im Rietpark: Schützen oder fällen? – Nun entscheidet das Gericht

Dürfen die alten Bäume im neuen Rietpark bleiben oder nicht? Das Gericht wird den Entscheid demnächst fällen.

Die Geistlich AG rekurriert gegen den Erhalt von zwei schutzwürdigen Bäumen. Diese Einsprache ist derzeit hängig vor Baurekursgericht.

Beim Bahnhof Schlieren ist an zentraler Stelle der neue Stadtteil am Rietpark am Entstehen. Gemäss Grundstückeigentümerin Geistlich Immobilien AG transformiert sich das ehemalige Industrieareal bis 2024 in ein «attraktives und zeitgemässes Stadtquartier», mit einem grosszügigen grünen Park für die Öffentlichkeit. Vier bestimmte Bäume stehen aber am falschen Ort, und somit den Bauplänen für die nächste Etappe im Weg.

Zwei der über 100-jährigen Mammutbäume hat der Stadtrat auf Gesuch von Geistlich hin allerdings bereits aus dem kommunalen Landschaftsschutzinventar entlassen. An den beiden anderen, einem weiteren Mammutbaum und einem Walnussbaum, hält er aber fest. Geistlich hat dagegen rekurriert. Diese Einsprache ist derzeit hängig vor Baurekursgericht.

Abseits der Aufmerksamkeit

Den alten Bäumen im Rietpark fehlt ein Fürsprecher. Nicht wie der Schlieremer Rotbuche, die der Limmattalbahn hätte weichen müssen. Für sie machte sich eine eigens gegründete IG stark — mit Erfolg: Der Baum im Zentrum von Schlieren wurde erst vor kurzem in einer aufwendigen Aktion um 170 Meter versetzt.

Rotbuche in Schlieren um 170 Meter versetzt

Rotbuche in Schlieren um 170 Meter versetzt

So einen Baumtransport hat die Schweiz noch nie gesehen: Eine 70- bis 80-jährige Rotbuche ist im Stadtzentrum von Schlieren ZH auf einem Tieflader um rund 170 Meter versetzt worden - wegen der Limmattalbahn.

«Möglicherweise formiert sich wie im Falle der gefährdeten Rotbuche eine engagierte Gruppe für die beiden Bäume im Rietpark», sagt alt Stadtrat Jean-Claude Perrin aus Schlieren, der das Dossier gut kennt. Er war Bauvorstand, als der private Gestaltungsplan 2010 mit Geistlich AG ausgearbeitet und vom Parlament verabschiedet wurde. Darin sei der Erhalt der vier Bäume klar deklariert worden. Im Schutzregister sind sie als wertvoll bis sehr wertvoll eingestuft. «Dass mittlerweile zwei der vier Bäume zugunsten der Arealentwicklung aus dem Inventar entlassen wurden, halte ich für einen sinnvollen Kompromiss», sagt er. Er zähle aber darauf, dass die verbleibenden zwei im Schutzregister stehen bleiben.

Aufwendige Massnahmen

Die Geistlich AG argumentiert in ihrem Gesuch, dass die vier Bäume sich im Bereich «der Baulinien oder der notwendigen Altlastenentsorgung» befänden. Jene zwei mitten im Baufeld hat die Stadt inzwischen aus dem Schutzregister entlassen. Tatsächlich stehen aber alle vier Bäume auf dem mit Quecksilber belasteten Boden. Laut dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) und der Fachstelle Bodenschutz muss der hochkontaminierte Boden eliminiert werden. Das wäre nur mit aufwendigen Massnahmen möglich. Beispielsweise müsste der Boden rund um die Bäume bis in 50 Zentimeter Tiefe mit neuer Erde aufgeschüttet und ein Geotextil eingebracht werden. Auch ist ein bis zu 1.2 Meter hoher Zaun nötig.

«Die Auflagen der Stadt sind einschneidend«, sagt Martin Geistlich, Vorsitzender der Geschäftsleitung, auf Anfrage. Und gemäss Expertise namhafter Baumexperten hätten die Bäume mit den altlastenrechtlichen Auflagen und der unmittelbaren Nähe zu hohen Neubauten kaum Überlebenschanchen. Die Aufnahme der Bäume ins Schutzregister sei damals kurz vor Abschluss des privaten Gestaltungsplans erfolgt. «Trotz Bedenken der Geistlich AG», so der Geschäftsleiter weiter, befänden sich die vier Bäume doch innerhalb des Perimeters.

Zudem hätten sich Geistlich und die Stadt darauf geeinigt, «die rechtlich verbindliche Entscheidung nicht sofort, sondern erst zum Zeitpunkt der Baueingaben anzustreben» sagt Geistlich. Als die Firma dann das Entlassungsgesuch einreichte, habe sie der Stadt gleichzeitig auch das Konzept der Ersatzbepflanzung vorgelegt. Diese sei im 30 000 Quadratmeter grossen, der Öffentlichkeit zugänglichen Rietpark verbindlich vorgesehen.

«Das Tor zum Rietpark»

Die Stadt begrüsst die neu gepflanzten Bäume: «Sie sind das Tor zum Rietpark», wie es in den Unterlagen des Stadtrats heisst. Aber die geschützten alten Bäume «wirken gestalterisch positiv», schreibt er weiter, und sie «prägen den Übergang vom bestehenden zum neu gestalteten Areal».

Ob die zwei Zeitzeugen nun aber dem urbanen Lebensraum von Wohnen, Freizeit und Einkaufen im Quartier im Wege stehen, wird das Gericht entscheiden müssen.

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