Dietikon

Bademeister: «Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich nicht gerne im Wasser»

Wenn er ihnen eine Anweisung gibt, sagen die Kunder immer erst «warum». gep

Wenn er ihnen eine Anweisung gibt, sagen die Kunder immer erst «warum». gep

Der Bademeister Oskar Schildknecht ist seit 33 Jahren in Dietikon tätig. Mit dem Umbau der Badi Fondli kommen auf den erfahrenen Betriebsleiter einige neue Herausforderungen zu. Im Interview gibt er auch Privates preis.

Herr Schildknecht, sind Bademeister Polizisten?

Oskar Schildknecht: Ja, gewissermassen schon. Wir haben eine Kontrollfunktion und sorgen uns um die Sicherheit der Badegäste. Es ist unsere Aufgabe, Leute zurechtzuweisen und zu schauen, dass das Badereglement eingehalten wird. Ich sage das nicht gerne, aber ich habe dadurch eine Polizeifunktion.

Müssen Sie die Jugendlichen heute mehr zurechtweisen als früher?

Die Jugend von heute ist nicht schlimmer, wie oft gesagt wird. Sie ist nur anders. Die jungen Menschen sind kritischer, sie hinterfragen mehr. Wenn der Bademeister früher etwas sagte, dann hat das gegolten. Jetzt fragen mich die Jugendlichen immer direkt «wieso». Der Respekt ist nicht mehr gleich gross wie zu der Zeit, als ich noch ein Junge war.

Für die jungen Besucher wurde mit der Sanierung der Badi Fondli einiges getan. Die neue Rutschbahn, der Strömungskanal und die Kletterwand sollen zur Attraktivitätssteigerung beitragen. Über 1 Million Franken wurde dafür insgesamt ausgegeben. Können sich die Jugendlichen nicht mehr selbst unterhalten?

Alles ist kurzlebiger geworden. Was heute Spass macht, ist morgen schon uninteressant. Früher war Tischtennis noch ein Highlight, dann war Fussball der Renner, und vor ein paar Jahren kam Beachvolleyball dazu. Die Freibäder begannen irgendwann damit, Springbrunnen im Wasserbereich einzubauen. So nahm das seinen Lauf, bis auch die kleineren Badis begonnen haben, mit verschiedenen Elementen nachzurüsten. Heute ist eine Rutschbahn, ein Strömungskanal oder eine Kletterwand zum Standard geworden. Es gehört fast dazu, wenn man eine Sanierung macht, solche Dinge zu berücksichtigen. Sie tragen auch deutlich zur Steigerung der Besucherzahlen bei.

Inwiefern wurden Sie in die Planung der neuen Badi mit einbezogen?

Dass ich tatsächlich ein Mitspracherecht hatte, ist eher die Ausnahme. Ich durfte sowohl bei der Planung als auch bei der Ausführung des Freibads mitbestimmen und mich aktiv einbringen. Das war sehr spannend. Die Behörden und die beteiligten Personen sind auch auf meine Vorschläge eingegangen. Das ist nicht unbedingt üblich.

Was verändert sich für Sie als Bademeister durch die Sanierung?

Mit dem neuen Technikraum hat sich nochmals einiges modernisiert. Schon im Vergleich zur Technik, die wir vor sechs Jahren im Hallenbad erneuert haben, ist das ein riesiger Schritt und eine grosse Herausforderung für das ganze Betriebspersonal. Was uns ebenfalls fordern wird, sind die neuen Angebote. Es werden mit den neuen Einrichtungen völlig neue Situationen entstehen. Sicherlich wird es eine Zeit brauchen, bis wir damit vertraut sind. Zusätzlich rechnen wir jetzt auch mit mehr Gästen. Das heisst für uns, noch mehr Menschen im Blickfeld zu haben.

Dabei denken viele, Bademeister hätten nicht mehr zu tun, als unter dem Sonnenschirm am Beckenrand zu stehen und den Gästen beim Planschen zuzusehen.

Das ist das, was der Badegast sieht. Wenn die Besucher da sind, ist das unser primärer Job. Die Hintergrundarbeit wird erledigt, wenn das Bad bereits zu ist. Im Hallenbad beträgt die Reinigungszeit pro Woche 80 bis 120 Stunden. Das sehen die Gäste nicht. Es ist dann zwar sauber, doch dass dahinter viel Arbeit steckt, überlegt sich niemand.

Sie sind also nebst der Aufsicht auch eine Putzfee.

Nicht nur das. Ein Bademeister ist heute nebst Aufseher und Reinigungskraft auch Gärtner, Sanitäter und immer mehr auch Elektroniker. Wir machen den ganzen Unterhalt selbst. Der neu installierte Technikraum ist sehr anspruchsvoll zu bedienen. Alles wird heute per Computer gesteuert.

Welche Arbeiten bereiten Ihnen am meisten Freude?

Abwechslungsreiche Aufgaben wie Handwerkliches oder die Arbeit im Garten. So paradox es klingen mag: Auch putzen tue ich nicht ungerne. Die Aufsicht ist der langweiligste, zugleich wichtigste Job. Es ist nicht einfach, über längere Zeit hinweg gleich konzentriert zu sein. Man muss alles im Auge behalten. Im Hallenbad muss zusätzlich der viele Lärm ertragen werden.

Was nervt Sie an Ihrem Job?

Ich verstehe nicht, dass ich als Bademeister Stunden damit verbringen muss, die Anlage aufzuräumen. Wir haben Dutzende Abfalleimer. Ich habe Mühe damit, wenn nicht sorgfältig mit den Gerätschaften umgegangen wird.

Könnte die Hemmschwelle jetzt nicht höher sein, wo doch alles neu ist und auch so aussieht?

Nein, das glaube ich nicht. Die Sauerei wird dieselbe bleiben. Im Garderobenbereich treffe ich teilweise katastrophale Verhältnisse an. Die Schliessfächer werden beschädigt, die Duschen und Föhns dreckig hinterlassen. Da muss ich oft leer schlucken.

Arbeiten Sie dennoch lieber draussen als drinnen?

Ich bin nicht mehr so viel draussen tätig, weil ich auch die Administration erledige. Aber es zieht mich schon immer an die frische Luft.

Freuen Sie sich auf die Arbeit in der neuen Badi?

Ja, das Ergebnis sieht toll aus. Eine sehr stressige Zeit liegt hinter mir und meinem Team. Wir standen oft unter Druck und wurden knapp auf die letzte Minute fertig. Dadurch kam die Vorfreude leider ein wenig zu kurz. Im Zusammenhang mit der Technik beispielsweise konnten wir erst ein Minimum lernen, da die Zeit einfach nicht vorhanden war.

Zeit für Sommerferien werden Sie wahrscheinlich keine haben.

Vorletzte Woche habe ich tatsächlich freigenommen. Als Bademeister mit Familie schaue ich, dass ich auch einmal im Sommer verreisen kann. Diese Auszeit habe ich gebraucht, ich war ziemlich am Anschlag.

Wie verbringen Sie Ihre Ferien? Badeferien werden Sie wohl kaum machen.

Ich bin tatsächlich eher ein Bergmensch und gehe lieber wandern.

Schwimmen Sie nicht gerne?

Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich nicht gerne im Wasser. Ich gehe lieber spazieren, Velo fahren oder wandern. Aber ich kann schon schwimmen (lacht). Ich halte mich einfach anders fit.

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