Von harschen Tönen hält Betriebsleiter Hans Kaeser nichts. Wenn er und sein sechsköpfiges Bademeisterteam die Gäste einmal zurechtweisen müssen, dann tun sie dies zwar bestimmt, aber trotzdem immer zuvorkommend und mit einem Lächeln im Gesicht. «Die Freizeit in der Badi soll Freude bereiten, wir wollen nicht die Polizisten spielen und alles überwachen», sagt er.

Darum hält sich Kaeser, der seit fünf Jahren in der Weihermatt das Sagen hat, so gut er kann im Hintergrund. Den erforderlichen Überblick über die Becken und die Rutsche habe man auf den Hochtürmen. Dort nehmen jeweils zwei Badmeister Platz, während ein dritter ständig um das Gelände zirkuliert. Das Hauptaugenmerk liege dabei auf dem Wasser. Diese Kontrolle sei ausreichend. Ausserdem hätten auch die Gäste ihre Ruhe. «Sie fühlen sich unbeobachtet und können sich entspannen», so Kaeser. Denn genau deshalb würden sie in die Weihermatt kommen.

So spielt sich der Badialltag für Kaeser und seine Mitarbeitenden stets geordnet ab. Sogar als sich am ersten Ferienwochenende im Juli über 4000 Gäste in der Weihermatt abkühlten, blieb das ganze Team gelassen, wie Kaeser sagt: «Natürlich ist man aufmerksamer und greift schneller ein, aber im Grossen und Ganzen läuft alles genau gleich ab wie an normalen Betriebstagen, wenn es zwischen 1000 und 1500 Besucher hat.»

Dazu gehöre es auch, ab und an einzugreifen, denn bei einer Altersspanne von vier Monaten bis 90 Jahre seien die Bedürfnisse der Gäste individuell. «Obwohl wir tolerant sind, muss vor allem bei Jugendlichen manchmal ein Machtwort gesprochen werden», sagt er. Dies geschehe aber immer auf freundliche Art und Weise. «Schliesslich waren auch wir einmal jung und haben uns nicht immer an alle Regeln gehalten», meint Kaeser.

Ein paar davon sind Kaeser aber wichtig. So will er nicht, dass das Radio in voller Lautstärke ertönt oder unter der Badehose Unterhosen getragen werden. Auch das Reinspringen ins Schwimmerbecken sei eigentlich verboten. Weise er die Springwütigen zurecht, würden sie es hinter seinem Rücken aber trotzdem wieder tun. «Typisch Jungs», sagt er und lacht. Damit müsse man eben leben.

Werde in der Muttersprache kommuniziert, würden ausserdem viele Gäste eher zuhören. So will Kaeser bei den Gästen mit Fremdsprachen punkten. «Unsere Mitarbeitenden sprechen italienisch, französisch, englisch, argentinisch, arabisch, albanisch und so weiter», sagt er. Kaeser sieht den Vorteil in der kulturellen Vielfalt des Personals darin, dass Missverständnisse vermieden werden können und sich fremdsprachige Gäste eher zu Hause fühlen. «Aufforderungen, den Abfall nicht auf der Wiese zu entsorgen, werden in der Muttersprache erstaunlicherweise ernster genommen», sagt er.

Trotzdem bleiben am Ende eines Tages leere Chipssäcke oder PET-Flaschen im Grünen liegen. «Wir wollen niemandem den ganzen Tag hinterherlaufen und denjenigen bevormunden, den Dreck wegzumachen», sagt er. Die Leute seien alt genug, um ihren Abfall selber zu entsorgen. Sein Team und er würden sich dann am Abend darum kümmern, dass die Badi am nächsten Tag wieder glänzt.

Dass Die Weihermatt sauber sei, höre er oft. «Solche Komplimente freuen mich besonders. Denn dies bestätigt, dass wir alles richtig machen», sagt er. So wird während 24 Stunden Quellwasser in die Becken gepumpt, um eine Zirkulation mit frischem Wasser zu erzeugen. 0,2 Gramm Chlor auf 1000 Liter Wasser würden reichen, um den Bakterienbestand auf null zu halten. Der pH-Wert liege stets bei 7,1. «Wir sind für die Gesundheit der Gäste verantwortlich, darum kontrollieren wir mindestens dreimal pro Tag alle Werte», sagt Kaeser.

So reize es ihn oft, sich nach einem Arbeitstag eine erfrischende Abkühlung im sauberen Blau zu gönnen. Einen Fuss ins kühle Nass habe er aber bis jetzt noch nie zum Vergnügen gesetzt: «Ich tue dies nur auswärts, sonst würde ich nur wieder Arbeit um mich herum schwimmen sehen.»