Dietikon
Autoren gesucht: Bei diesem Buch ist mitschreiben erwünscht

Autoren aus der Bevölkerung werden gesucht, um gemeinsam ein Buch zu schreiben.

Kevin Capellini
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Thomas Pfann, der Initiant und Leiter des Projekts «1. Dietiker Roman». Das erste Kapitel des Buches ist bereits geschrieben.KEC

Thomas Pfann, der Initiant und Leiter des Projekts «1. Dietiker Roman». Das erste Kapitel des Buches ist bereits geschrieben.KEC

Kevin Capellini

Grosse Autorinnen und Autoren wie Elif Shafak oder Dame Hilary Mantel lassen uns träumen. Man stellt sich vor, wie es wäre, selbst Teil dieses intellektuellen und erfolgreichen Kreises zu sein. Und so fruchtet dann der Traum vom eigenen Buch. Für viele eine wohlbekannte Wunschvorstellung, die trotz allem doch oft in weiter Ferne steht. Denn ein eigenes Buch zu schreiben, ist alles andere als einfach: Die Idee, wie man beginnen soll, ist nicht ausgereift, die Zeit, regelmässig zu schreiben, fehlt oder das Geld für die Publikation ist nicht vorhanden, um nur einige Hindernisse zu nennen. Und dann auch noch einen geeigneten Verlag zu finden, bedeutet für so manchen Hobbyautor die definitive Beerdigung des Traums vom eigenen Buch.

Doch all dem wird nun Abhilfe geschaffen. Die Stadt Dietikon hat ein Projekt lanciert und plant, einen Roman zu veröffentlichen, bei welchem jeder Dietiker und jede Dietikerin mitschreiben kann. «Wir suchen Personen, die schon lange ein Buch verfassen wollten und ein Flair für das Schreiben haben», sagt Thomas Pfann, der das Projekt leitet. Für das Buch hoffe man auf etwa zehn Personen, die Interesse haben, mitzuschreiben. Es handle sich dabei aber nicht um einzelne Kurzgeschichten, wie er sagt. «Es ist ein Roman mit einer Geschichte darin.»

Gemeinsam zum fertigen Buch

Dabei sollen die Autoren, die jeweils ein Kapitel mit einem Umfang zwischen 18 000 und 25 000 Zeichen schreiben, an die Geschichte des Vorgängers anknüpfen. «Das erste Kapitel steht bereits, damit wir eine Grundlage für die weiteren Geschichten haben», sagt Pfann. «Nun geht es darum, dieses fortzusetzen und aufzubauen.» Dafür wird nach jedem fertiggestellten Kapitel das Manuskript an alle Beteiligten geschickt. Es solle sich so ein roter Faden durch das Buch ziehen, sagt er. Individualität und Kreativität seien aber auf jeden Fall gefragt. Mitautoren können ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einbringen, Schauplätze wechseln und Figuren erfinden. Genau diese Windungen und Änderungen seien das Interessante, so Pfann. «Am Ende muss es einfach einen Sinn ergeben.» Wie die Geschichte ausgehe, das wisse auch er noch nicht.

Der Zeitplan für das Buchprojekt ist eng. Vorgestellt wird das Projekt an einer Lesung des ersten Kapitels diesen Sonntag. Interessenten haben dann einen Monat Zeit, um sich zu melden und eine Kurzgeschichte als Bewerbung einzureichen. Und dann geht es auch schon bald los. «Ab Januar starten wir mit dem Schreiben», sagt Pfann. Jeder Mitautor hat ungefähr drei Wochen Zeit, um sein Kapitel zu schreiben und abzuschliessen, bevor dieses von Pfann eingesehen, wo nötig geringfügig angepasst und an den nächsten Teilnehmer weitergeleitet wird. «Wenn alles klappt», so Pfann, «sind wir im Herbst 2019 fertig.» Vorgestellt wird das Buch, das aktuell noch keinen Namen hat, dann an einer Lesung in Dietikon, wo es auch verkauft wird. Später soll es zudem in Bibliotheken aufliegen.

Pfann zeigt sich zuversichtlich, dass das Projekt erfolgreich sein wird. Mit ein paar kreativen Köpfen könne man einiges erreichen. «Ich bin mir bewusst, dass wir damit kaum einen Bestseller landen», sagt er. Trotzdem sei nur schon das Projekt für sich ein Erfolg. «Wildfremde Menschen, die zusammen einen Roman schreiben, das ist doch mal etwas anderes.»

 Eine Gruppe von Rentnerinnen vor der Stadtbibliothek Dietikon. 

Eine Gruppe von Rentnerinnen vor der Stadtbibliothek Dietikon. 

Kevin Capellini

Umfrage: Die Ideen für ein eigenes Buch sind vorhanden

Es soll ein gemeinsam geschriebener Roman entstehen. Doch worüber würden Dietikerinnen und Dietiker schreiben, wenn sie selber ein Buch verfassen könnten? Wir haben uns umgehört.

Sich auf ein Thema zu fixieren und darüber ein Buch zu schreiben, ist nicht ganz so einfach. Zu überwältigend ist doch die Auswahl an interessanten und spannenden Geschichten, die man als Autor erzählen könnte. Doch auch wenn viele der Ansätze, die vorhanden sind, noch nicht wirklich ausgereift und greifbar sind, tummeln sich in den Köpfen der Dietikerinnen und Dietiker bereits einige Ideen für ein mögliches Buch. Das zeigt eine Umfrage auf der Strasse.

Krimi über die Limmattalbahn

Über «machtgeile und narzisstische Politiker» etwa möchte Marthe Theiler schreiben, die mit ihrem Werk die aktuelle Lage in der Politik kritisieren würde. «Im Moment läuft auf der Welt vieles so, wie es eigentlich nicht sein sollte», sagt sie. So könne es nicht weitergehen. Auch wenn sie momentan nicht daran denke, das Buch auch wirklich zu schreiben, beschäftige sie dies sehr.

Auch ein zweiter Passant würde in seinem Buch den Politikern an den Kragen gehen – wenn auch eher auf lokaler Ebene. «Ein Krimi über die Limmattalbahn» wolle er schreiben. Das Bauvorhaben bewege die regionale Bevölkerung, wie er sagt, und werde teilweise sehr kontrovers diskutiert. In seinem Buch wolle er dies behandeln. Es gehe daher hauptsächlich um «Bestechung, Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft und Korruption rund um die Limmattalbahn. Ein richtiger Polit-Krimi eben, der die Leute zum Nachdenken und Hinterfragen anregen soll.»

Andere könnten sich sogar vorstellen, in der Gruppe einen Roman zu schreiben. Die Betreuerin Esther Frei geniesst zusammen mit einer Gruppe von Rentnerinnen des Alters- und Gesundheitszentrum Ruggacker vor der Stadtbibliothek die herbstliche Sonne. «Geschichten aus dem Ruggacker» sagt sie, wären bestimmt erfolgreich.

Die Seniorinnen könnten auf ein langes und bewegtes Leben zurückblicken und viele Anekdoten aus der Vergangenheit erzählen. Nur schon die Veränderung der Stadt Dietikon wäre interessant zu beleuchten, wie eine der Damen anmerkt. Auch aus dem Altersheim gäbe es einiges zu erzählen. «Viele haben davon eine völlig falsche, langweilige Vorstellung», sagt sie. Die Gruppe Damen ist denn auch bereits literarisch tätig, wie Frei verrät. Viele der Seniorinnen seien im Garten des Ruggacker tätig und verfassten zusammen «Gartengeschichten.» Potenzial für mehr sei definitiv vorhanden.