Grosse Autorinnen und Autoren wie Elif Shafak oder Dame Hilary Mantel lassen uns träumen. Man stellt sich vor, wie es wäre, selbst Teil dieses intellektuellen und erfolgreichen Kreises zu sein. Und so fruchtet dann der Traum vom eigenen Buch. Für viele eine wohlbekannte Wunschvorstellung, die trotz allem doch oft in weiter Ferne steht. Denn ein eigenes Buch zu schreiben, ist alles andere als einfach: Die Idee, wie man beginnen soll, ist nicht ausgereift, die Zeit, regelmässig zu schreiben, fehlt oder das Geld für die Publikation ist nicht vorhanden, um nur einige Hindernisse zu nennen. Und dann auch noch einen geeigneten Verlag zu finden, bedeutet für so manchen Hobbyautor die definitive Beerdigung des Traums vom eigenen Buch.

Doch all dem wird nun Abhilfe geschaffen. Die Stadt Dietikon hat ein Projekt lanciert und plant, einen Roman zu veröffentlichen, bei welchem jeder Dietiker und jede Dietikerin mitschreiben kann. «Wir suchen Personen, die schon lange ein Buch verfassen wollten und ein Flair für das Schreiben haben», sagt Thomas Pfann, der das Projekt leitet. Für das Buch hoffe man auf etwa zehn Personen, die Interesse haben, mitzuschreiben. Es handle sich dabei aber nicht um einzelne Kurzgeschichten, wie er sagt. «Es ist ein Roman mit einer Geschichte darin.»

Gemeinsam zum fertigen Buch

Dabei sollen die Autoren, die jeweils ein Kapitel mit einem Umfang zwischen 18 000 und 25 000 Zeichen schreiben, an die Geschichte des Vorgängers anknüpfen. «Das erste Kapitel steht bereits, damit wir eine Grundlage für die weiteren Geschichten haben», sagt Pfann. «Nun geht es darum, dieses fortzusetzen und aufzubauen.» Dafür wird nach jedem fertiggestellten Kapitel das Manuskript an alle Beteiligten geschickt. Es solle sich so ein roter Faden durch das Buch ziehen, sagt er. Individualität und Kreativität seien aber auf jeden Fall gefragt. Mitautoren können ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einbringen, Schauplätze wechseln und Figuren erfinden. Genau diese Windungen und Änderungen seien das Interessante, so Pfann. «Am Ende muss es einfach einen Sinn ergeben.» Wie die Geschichte ausgehe, das wisse auch er noch nicht.

Der Zeitplan für das Buchprojekt ist eng. Vorgestellt wird das Projekt an einer Lesung des ersten Kapitels diesen Sonntag. Interessenten haben dann einen Monat Zeit, um sich zu melden und eine Kurzgeschichte als Bewerbung einzureichen. Und dann geht es auch schon bald los. «Ab Januar starten wir mit dem Schreiben», sagt Pfann. Jeder Mitautor hat ungefähr drei Wochen Zeit, um sein Kapitel zu schreiben und abzuschliessen, bevor dieses von Pfann eingesehen, wo nötig geringfügig angepasst und an den nächsten Teilnehmer weitergeleitet wird. «Wenn alles klappt», so Pfann, «sind wir im Herbst 2019 fertig.» Vorgestellt wird das Buch, das aktuell noch keinen Namen hat, dann an einer Lesung in Dietikon, wo es auch verkauft wird. Später soll es zudem in Bibliotheken aufliegen.

Pfann zeigt sich zuversichtlich, dass das Projekt erfolgreich sein wird. Mit ein paar kreativen Köpfen könne man einiges erreichen. «Ich bin mir bewusst, dass wir damit kaum einen Bestseller landen», sagt er. Trotzdem sei nur schon das Projekt für sich ein Erfolg. «Wildfremde Menschen, die zusammen einen Roman schreiben, das ist doch mal etwas anderes.»

Eine Gruppe von Rentnerinnen vor der Stadtbibliothek Dietikon.

Eine Gruppe von Rentnerinnen vor der Stadtbibliothek Dietikon.