Weiningen
Autobahnüberdeckung: «Wir haben das Optimum herausgeholt»

Gemeindepräsident von Weiningen Hanspeter Haug erklärt, was die Einigung mit Bund und Kanton zur Portalüberdeckung Gubrist bedeutet. Am Samstag wurde beschlossen, dass das Gubrist-Westportal um 100 Meter Richtung Limmattaler Kreuz verschoben wird.

Bettina Hamilton-Irvine
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Das Gubrist-Portal soll um 100 Meter in Richtung Limmattaler Kreuz verschoben werden. Reportair.ch

Das Gubrist-Portal soll um 100 Meter in Richtung Limmattaler Kreuz verschoben werden. Reportair.ch

Herr Haug, das Astra, das Bundesamt für Strassen, die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons und die Gemeinde Weiningen haben sich geeinigt: Das Gubrist-Westportal soll um 100 Meter in Richtung Limmattaler Kreuz verschoben werden. Ist das ein Weihnachtsgeschenk für Sie?

Hanspeter Haug: Das als Weihnachtsgeschenk zu bezeichnen, ist etwas übertrieben. Es ist das, was man als Ergebnis aus dieser Verhandlung erwarten konnte. Aber der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.

Sie hätten natürlich immer noch lieber die 270-Meter-Abdeckung. Doch die Plangenehmigung des Bundes für den Ausbau der Nordumfahrung sah gar keine Überdeckung vor. Weiningen reichte im Februar Beschwerde dagegen ein. Nun wissen Sie immerhin, dass Sie zumindest eine 100 Meter lange Überdeckung bekommen werden.

Der Kampf der Weininger

Am 1. Februar hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) die Plangenehmigung für den Ausbau der Nordumfahrung erteilt. Es hat damit grünes Licht gegeben für den Bau der dritten Gubriströhre und die Autobahnerweiterung von vier auf sechs Spuren. Gleichzeitig wies es die Forderung Weiningens nach einer 270 Meter langen Überdeckung des Tunnelportals ab. Weiningen wehrte sich gegen diesen Entscheid mit einer Einsprache beim Bundesverwaltungsgericht. Gleichzeitig führte der Gemeinderat auch die laufenden Verhandlungen am runden Tisch mit Bund und Kanton weiter. (BHI)

Es kommt immer drauf an, wie man es sieht. Wenn man es von null betrachtet, dann haben wir etwas erreicht. Wenn man es im Vergleich zu der 270-Meter-Abdeckung sieht, dann ist die Ausbeute eher mager. Andererseits bietet uns diese Variante auch die Verlegung unseres Halbanschlusses. Als Paket betrachtet haben wir also auf jeden Fall etwas erreicht.

Der Zürcher Regierungsrat teilt mit, somit sei die Motion der Verkehrskommission des Nationalrates erfüllt. Sie forderte eine Lösung für Weiningens Bedürfnis nach besserem Lärmschutz. Sehen auch Sie die Motion damit erfüllt?

Mehr konnte man aus diesen Verhandlungen nicht herausholen.

Die Nachricht kam am Samstagmorgen für die Limmattaler Bevölkerung relativ überraschend. Haben Sie noch damit gerechnet, so kurz vor Weihnachten?

Der Regierungsrat Ernst Stocker hat mit Hochdruck an diesem Thema gearbeitet. Es ging darum, dass man nun entweder eine Einigung findet oder die Verhandlungen abbricht. Das Resultat liegt nun in Form einer Absichtserklärung vor. Wir hätten auch stur sein können, in der Hoffnung, dass wir mit dem Rechtsweg noch zu unserer 270-Meter-Variante kommen – mit dem Risiko, dass man dort verliert.

Dauerten die Verhandlungen am runden Tisch lange?

Es waren vor allem langwierige Verhandlungen. Aber am Schluss, als es um des Pudels Kern ging, ist man die Sache recht forsch angegangen.

Gingen trotzdem alle zufrieden aus den Verhandlungen?

Wir haben das Optimum herausgeholt. Der Auftrag des Parlaments war, nochmals zu verhandeln. Wir haben mehr herausgeholt, als wir mit der Amtsvariante bekommen hätten.

Die Kosten sind noch unklar. Der Bund will den Anteil übernehmen, den er für die üblichen Lärmschutzmassnahmen aufwenden würde. Den Rest müssen Kanton und Gemeinde übernehmen. Können Sie abschätzen, welche Kosten auf Sie zukommen werden?

In Sachen Kosten hat sich das Astra sehr bedeckt gehalten. Wir wissen nicht, womit wir rechnen müssen.

Das Astra wird ein Projekt ausarbeiten, über welches die Gemeindeversammlung entscheiden muss. Was raten Sie der Bevölkerung?

Die Gemeindeversammlung muss entscheiden, ob man zufrieden mit dem Inhalt der Absichtserklärung ist oder nicht. Wenn nicht, bedeutet das, wir schlagen den Rechtsweg ein. Bei einem Ja könnte man sich überlegen, die Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht zurückzuziehen.

Das würden Sie aber nicht empfehlen?

Wir können nicht abschätzen, wann das Bundesverwaltungsgericht über unsere hängige Beschwerde gegen die Amtsvariante, also gegen die 270-Meter-Überdeckung, entscheiden wird. Es ist möglich, dass hier bereits ein negativer Entscheid gefällt wird, bevor wir die Absichtserklärung der Gemeindeversammlung vorlegen. Dann hätten wir immer noch die 100-Meter-Variante mit der Anpassung des Halbanschlusses. Würde sich das Bundesverwaltungsgericht nun für die 270-Meter-Variante entscheiden, dann müssen wir überlegen, wie wir uns zur Absichtserklärung stellen. Das ist die Gratwanderung, die wir machen müssen.

Kann man abschätzen, was zuerst kommen wird, der Entscheid des Gerichts oder die Gemeindeversammlung?

Das ist überhaupt nicht abzuschätzen. Wir müssen es nehmen, wie es kommt.