Am 25. November müssen die Birmensdorferinnen und Birmensdorfer an der Urne eine wichtige Entscheidung treffen. Sie bestimmen, ob die Gemeinde aus dem Spitalverband Limmattal austreten wird oder nicht. So will es der Birmensdorfer Gemeinderat. Er hat den Totalaustritt aus dem Zweckverband beantragt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Damit die Stimmberechtigten sich eine Meinung bilden können, fand am Dienstagabend eine Podiumsdiskussion im Alterszentrum am Bach in Birmensdorf statt.

Das Thema schien die Bevölkerung zu interessieren. «Es erschlägt mich fast, wie zahlreich Sie erschienen sind», sagte Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos) als er die Anwesenden begrüsste. Er freue sich auf einen guten Abend mit guten Diskussionen. Die gab es tatsächlich.

Am Podium nahmen neben Knecht Sozialvorsteherin Annegret Grossen (FDP), der Schlieremer Stadtpräsident und Präsident des Spitalverbands Limmattal Markus Bärtschiger (SP), der Leiter des Alterszentrums am Bach Andreas Grieshaber und der ehemalige Direktor des Spitals Triemli und ehemalige Verwaltungsrat des Spitalverbands Limmattal Markus Müller teil. Moderiert wurde der Anlass von Reporter und Autor Peter Hossli.

Rettungsdienst fällt weg

In der Gesprächsrunde legten die Diskussionsteilnehmer ihre Ansichten dar. Knecht, Grossen und Müller befürworteten den Austritt. Grieshaber gab sich neutral und Bärtschiger setzte sich als einziger für den Verbleib im «Limmi» ein. «Uns könnte es egal sein, dass Birmensdorf aussteigen will. Wir können ohne die Gemeinde weitermachen. Doch wir sind der Meinung, dass die ökonomischen Nachteile für Birmensdorf bei einem Austritt grösser sind als die Vorteile», sagte Bärtschiger. Die ärztliche und pflegerische Versorgung würde durch einen Austritt nämlich nicht besser, sondern tendenziell schlechter. «Wenn es genug Platz hat, nehmen wir Birmensdorfer gerne in unserem Pflegezentrum auf. Es ist aber schon so, dass Eigentümer des Zweckverbands Vorrang haben.» Zu bedenken sei auch, dass im Falle eines Austritts die Ambulanz des «Limmi» nicht mehr nach Birmensdorf fahre. «Die Gemeinde muss dann selber schauen, wem sie diese Aufgabe übertragen will. Und das kostet etwas», sagte Bärtschiger.

Anderer Meinung war Gemeindepräsident Bruno Knecht: «Wir sehen keine Vorteile, wenn wir im Spitalverband bleiben. Denn auch ohne Mitgliedschaft können sich Birmensdorfer im Spital Limmattal und im Pflegezentrum behandeln lassen.» Der Verbleib im Zweckverband bringe eher Nachteile mit sich. «Wir gehen für den geplanten Neubau des Pflegezentrums ein unberechenbares Risiko ein und zahlen über 20 Jahre hinaus jährlich 20 000 Franken Folgekosten», sagte Knecht. Er sehe nicht ein, dass man sich am Neubau beteiligen solle, wenn man im Dorf ein eigenes Alterszentrum habe und auch in der Region ein grosses Angebot herrsche.

Hausaufgaben gemacht

So sah es auch Sozialvorsteherin Annegret Grossen. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und ein Alterszentrum gebaut, nachdem uns Urdorf den Vertrag für das Alters- und Pflegeheim Weihermatt 2003 gekündigt hat.» Man sei mit dem Alterszentrum am Bach gut bedient und brauche sich nun nicht noch am Pflegezentrum Limmattal zu beteiligen. Zusätzliche Leistungen wie den Rettungsdienst könne man einkaufen.
Dem widersprach Bärtschiger. «Das Pflegezentrum Limmattal bietet mehr als das Alterszentrum am Bach. Wir sind spezialisiert auf Demenzkranke. Zudem haben wir ein Hospiz, Ferienbetten und bieten auch Akut- und Übergangspflege an. Die ärztliche Versorgung ist bei uns noch besser, weil wir Experten im Nachbarhaus haben.» Andreas Grieshaber, Leiter des Alterszentrums am Bach, bestätigte dies teilweise. «Wir haben eine Demenzabteilung und können Demenzerkrankte betreuen. Eine Akut- und Übergangspflege gibt es aber nicht.» Für den Durchschnittsbewohner sei das gemeindeeigene Alterszentrum jedoch völlig ausreichend, betonte Grieshaber.

Gleich gut versorgt

Dass die Birmensdorfer schlechter versorgt seien, wenn die Gemeinde nicht mehr dem Spitalverband angehört, verneinte auch Markus Müller. «Für unsere Versorgung ist gesorgt. Seit der neuen Spitalfinanzierung 2010 können wir uns überall im Kanton in einem Spital oder Pflegeheim behandeln und betreuen lassen. Die Zugehörigkeit zu einem Spitalverband ist daher nicht mehr zeitgemäss.» Heiss debattiert wurde über das Eigenkapital, das die Gemeinde bei einem Austritt abschreiben müsste. Bärtschiger sprach von 4,6 Millionen Franken, die Birmensdorf verlieren würde. Den Gemeindevertretern war jedoch nur die Zahl 1,4 Millionen bekannt. So oder so kriege man weder den einen noch den anderen Betrag zurück, sagte Grossen. «Das ist eine faktische Zahl auf dem Papier.» Knecht pflichtete ihr bei: «Nur wenn das Spital verkauft und privatisiert wird, sehen wir etwas von dem Geld. Und das will doch niemand.»

In der Fragerunde nach der Podiumsdiskussion zeigte sich, dass die Birmensdorfer vor allem interessiert, was sich kostenmässig für den Einzelnen bei einem Austritt verändern wird. «Wie viel betragen dann die Kosten für einen Spitalaufenthalt für uns?», wollte eine Frau im Publikum wissen. Die Antwort darauf lieferte Spitaldirektor Thomas Brack, der ebenso im Publikum sass, gleich selbst: «Pro Tag müssen Sie mit 50 bis 60 Franken mehr Vollkosten für Hotellerie und Betreuung rechnen.» Dagegen wandte Grieshaber ein, dass das viel zu grosszügig kalkuliert sei. «Diese hohe Zahl kann nicht stimmen», sagte er.

Ob der Spitalverband Limmattal bald nur noch zehn Trägergemeinden hat und Birmensdorf den Alleingang wagt oder ob die Birmensdorfer Bevölkerung zum «Limmi» hält wie auch schon die Urdorfer, als deren Gemeinderat 2012 einen Austritt plante, wird sich am 25. November zeigen.