Der Austauschstudent lernte während der Party eine 15-jährige Austausch-Schülerin kennen. Unbestritten ist, dass die beiden Jugendlichen bald miteinander tanzten. Laut Anklage küsste er sie, wobei sie ihn aber von sich wegschob.

Gemäss Staatsanwaltschaft rannte die Schülerin darauf auf der Suche nach zwei Freundinnen in ein nahes Waldstück. Gefolgt vom jungen Mann, der sich erneut an die Geschädigte heranmachte und sie zu begrapschen begann.

Die Anklageschrift schilderte, wie das Mädchen «Nein» sagte und Widerstand leistete. Allerdings vergebens, da sie der körperlich überlegene Student nicht nur zum Oralverkehr zwang, sondern sie auch auf dem Waldboden vergewaltigte, wie es laut Anklage heisst.

Um zum Ziel zu kommen, hatte er ihr zuvor die Strümpfe im Intimbereich zerrissen. Nach dem Vorfall kehrten beide zum Fest zurück. Worauf die Schülerin zu weinen begann und über eine Woche später Strafanzeige erstattete.

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis leitete eine Strafuntersuchung ein und liess den beschuldigten Studenten am 11. Mai 2015 festnehmen. Nach einer Untersuchungshaft von 219 Tagen musste sich der junge Mann gestern wegen Vergewaltigung sowie sexueller Nötigung am Bezirksgericht Dietikon verantworten. Ihm drohte eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Verteidigung verlangte Freispruch

Vor Gericht wies der Beschuldigte die Vorwürfe zurück. Einen erzwungenen Geschlechtsverkehr stellte er gänzlich in Abrede. Er sei lediglich mit einem Finger in sie eingedrungen, erklärt er und sprach auch von einvernehmlichem Oralverkehr.

Die Privatklägerin habe alles freiwillig mitgemacht, zeigte er sich überzeugt. Die Verteidigung verlangte mangels Beweisen umfassende Freisprüche und führte aus, dass die Geschädigte während der Untersuchung unsicher sowie uneinheitlich ausgesagt habe.

Der Rechtsanwalt fügte hinzu, dass die angebliche Vergewaltigung in der Nähe des Rastplatzes stattgefunden habe. Dies sei aber nicht möglich, da die anderen Gäste die von der Anklage geltend gemachten Schreie des Opfers mitbekommen hätten. Zudem seien keine medizinischen Berichte über die Geschädigte vorhanden. Aussage stehe gegen Aussage.

Das Gericht schlug zum Schluss den Mittelweg ein. So sah es die eingeklagte Vergewaltigung als nicht erwiesen an. Auch aufgrund der variierenden sowie uneinheitlichen Darstellungen der Schülerin während der Untersuchung. Hinzu kam eine Whats-app-Nachricht des Beschuldigten an einen Kollegen, wo er diesem mitteilte, dass er mit seinen «magischen Fingern» in die Geschädigte eingedrungen sei.

Das Gericht sah dagegen die sexuelle Nötigung als erwiesen an. In diesem Punkt habe die Privatklägerin im Kern klar ausgesagt, sagte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher. Zudem sei nachgewiesen, dass die Strumpfhose der Geschädigten im Schrittbereich zerrissen gewesen sei.

Nicht zuletzt sei die Schülerin nach dem Vorfall aufgrund ihres Schockzustandes aufgefallen. Das Gericht sprach von einem nicht leichten Verschulden, da sich der Student an einer sexuell unerfahrenen, jungen Frau vergangen habe. Im Sinne einer Eroberung. Allerdings habe er auch kein grosses Mass an Gewalt angewendet, sagte Aeschbacher.

Das Gericht setzte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren fest. Bei einer Probezeit von zwei Jahren. Es ordnete die sofortige Haftentlassung des Studenten an. Er wurde verpflichtet, der Privatklägerin einen noch zu ermittelnden Schadenersatz sowie eine Genugtuung von 10 000 Franken zu bezahlen.

Zudem eine Prozessentschädigung von 6 951 Franken. Gemäss seinen Angaben will der Beschuldigte in seine Heimat zurückkehren und an einer Elite-Universität studieren.