Dietikon
Ausstieg aus der Kernenergie: Die Stadthalle stand unter Strom

Am 16. Wirtschaftspodium Limmattal war die Energiestrategie 2050 des Bundesrates Thema. Die Meinungen über Sinn und Unsinn der bundesrätlichen Stratgie gingen weit auseinander.

Sandro Zimmerli
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16. Wirtschaftspodium Limmattal
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Daniel Issler (Gesamtprojektleiter Limmattalbahn), Michael Seiler (Standortförderung Dietikon), Sandra Frauenfelder (Standortförderung Wettingen), Markus Dieth (Grossratspräsident Aargau) und Sabine Billeter (Vereinigung Zentrum Dietikon).
Daniel Zürrer (Infanger Consulting AG), Stefan Stübi (Energie 360 Grad AG), Rolf Meier (Hans Kohler AG) und Benno Kündig (Hans Kohler AG).
Andreas Lakats, Bycg Consulting, und Barbara Angelsberger, Präsidentin FDP Schlieren.
Brigitta Johner (ehemalige FDP-Kantonsratspräsidentin aus Urdorf) und Hanspeter Haug, ehemaliger Kantonsrat und Weininger Gemeindepräsident.
Herbert Jung (Allianz Suisse Versicherungen), Marcel Signer (Bau und Partner AG), Corinne Jung (Allianz Suisse Versicherungen) und Walter Berchtold (Präsident SVP Zufikon).
Patrick Stäuble (Leiter Shoppi Tivoli).
Jasmina Ritz (Ex-Dietiker Standortförderin) von der Limmatstadt AG.
Urs Jenny (IG Silbern) und Sohn Dominik Jenny (M-Z Entsorgungs-Management AG).
Rolf Stiefel (Maneth AG) und Roger Maneth (Maneth AG).
Susanne Molteni (Bürgerlich liberale Frauen BLF) und Furio Molteni (HEV).

16. Wirtschaftspodium Limmattal

Alex Spichale

Es wäre die berauschendste Party geworden, die Dietikon je erlebt hat. Da war sich die Slam-Poetin Hazel Brugger sicher. Nur leider habe sie es verpasst aus ihrem Auftritt ein Trinkspiel zu machen.

«Eigentlich hätte jeder im Saal einen Shot trinken müssen, sobald das Wort absurd an der vorangegangen Diskussion gefallen ist», sagte sie.

Brugger wurde gestern die Aufgabe zuteil, im Anschluss an die Podiumsdiskussion des diesjährigen Wirtschaftspodiums Limmattal in der Dietiker Stadthalle das Gehörte zusammenzufassen. Und das vor über 800 Teilnehmern, was einem neuen Besucherrekord entspricht.

Unter der Leitung von Moderator Reto Brennwald hatten dort Nationalrätin Regula Rytz (Grüne), Nationalrat Adrian Amstutz (SVP), Ständerat Urs Schwaller (CVP) sowie der emeritierte Wirtschaftsprofessor Silvio Borner über die Energiestrategie 2050 des Bundes diskutiert.

Also den vom Bundesrat beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie. Demnach sollen die bestehenden fünf Kernkraftwerke am Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebsdauer stillgelegt werden.

Wie angesichts der Zusammensetzung des Podiums zu erwarten war, gingen die Meinungen über Sinn und Unsinn der Energiestrategie weit auseinander.

So waren sowohl Borner als auch Amstutz der Ansicht, dass es falsch sei, wenn der Staat ein Technologieverbot erlasse. Denn nichts anderes bedeute der beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie.Dem widersprach Rytz. Aus ihrer Sicht gebe es keine Alternative zum Atomausstieg: «Es macht keinen Sinn auf eine neue Atomkraftwerk-Technologie zu warten. Am Horizont ist keine in Sicht.»

Auch Schwaller verneinte, dass es sich bei der Energiestrategie um ein Technologieverbot handle. «Es geht darum, dass keine neuen AKW der heutigen Generation mehr gebaut werden dürfen.»

Befehl von oben ist nicht nötig

Uneinigkeit herrschte auch darüber, ob die fünf Kernkraftwerke adäquat ersetzt werden könnten.

«Solaranlagen liefern nur zu gewissen Zeiten Strom. Wenn es neblig ist, produzieren sie nichts», merkte Amstutz an. Er sehe daher mit der Energiestrategie die Versorgungssicherheit des Landes in Gefahr.

Ähnlich argumentierte zuvor auch Hans Hess, Präsident von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie, in seinem Eintretensreferat. Er forderte unter anderem in diesem Bereich eine Verbesserung der bestehenden Strategie.

«Wir Unternehmer nehmen unsere Verantwortung wahr», so Hess. Borner war da gleicher Meinung.

Die Industrie versuche jetzt schon, Energie zu sparen, wenn es sich rechne. «Ein Innovationsprozess braucht daher nicht politisch befohlen zu werden», hielt er fest.