Wahlen
Aussergewöhnlicher Wahlkampf um Notarposten im Kreis 2

Im Notariat des Kreises 2, das für die Quartiere Enge, Wollishofen und Leimbach zuständig ist, will der Dietiker Notarstellvertreter Marco Lucchinetti seinen Vorgesetzten demokratisch aus dem Amt verdrängen.

Florian Schmitz
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Konzentriert Blick in die Zukunft: Marco Lucchinetti fühlt sich bereit für den Wahlkampf.

Konzentriert Blick in die Zukunft: Marco Lucchinetti fühlt sich bereit für den Wahlkampf.

ZVG

Wahlkampf ist allgegenwärtig, denn am 9. Februar steht für ganz Zürich der Gang zur Urne an. Dabei können die Bewohner des Kreises 2 sich nicht nur für ihre bevorzugten Politiker im Stadt- und Gemeinderat entscheiden, sondern haben auch beim zuständigen Notar die Qual der Wahl. Denn der Dietiker Marco Lucchinetti, Stellvertreter des amtierenden Notars, fordert seinen Vorgesetzten, Andreas Bachmann, zur Wahl heraus.

Dies ist eine ungewöhnliche Situation, schliesslich werden Notare abgesehen von Rücktritten fast immer in Stiller Wahl eingesetzt. «Meines Wissens ist dies in der Geschichte der Zürcher Notariate noch nie passiert», erzählt Jürg Schmid, der Notariatsinspektor des Kantons von 1974 bis 2008, dem «Tages-Anzeiger».

Eine echte Alternative für die Stimmbürger

Lucchinetti ist sich bewusst, dass sein Vorgehen ungewöhnlich ist. Aber seine Ziele sind klar und seine Entscheidung wohlüberlegt: «Ich möchte gerne Notar des Kreises Enge-Zürich werden, und dieses Ziel kann ich nur über eine Volkswahl erreichen.» Er gibt sich nicht zuletzt mit seinem Slogan «Ich bin da, wo Sie sind» betont volksnah und ist überzeugt, dass er mit seiner Kandidatur den Stimmberechtigten eine echte Alternative bietet. Nach vier Jahren als Stellvertreter fühlt er sich für höhere Aufgaben bereit: «Es ist mir wichtig, etwas bewirken zu können.» Folglich zieht der 36-jährige Limmattaler engagiert in den Wahlkampf mit aktiver Onlinepräsenz und einer breitangelegten Flyerverteilung.

Sein Kontrahent Andreas Bachmann nahm die Herausforderung zurückhaltend an. Er verstehe sich zwar nicht als Wahlkämpfer, sehe das Ganze aber sportlich und begrüsse die Gelegenheit, mal eine Wahl als Involvierter mitzuerleben. Wie sein Gegenüber findet er es gut, dass die Stimmbürger nun eine echte Auswahl haben.

Der Wahlkampf stört den Arbeitsalltag nicht

Gerüchte, dass eine schlechte Stimmung und interne Differenzen für diese aussergewöhnliche Wahl verantwortlich seien, kanzelten beide Kandidaten ab. Bachmann räumt zwar ein, dass es zwischen den beiden durchaus Meinungsverschiedenheiten gibt. Für ihn gehören diese jedoch zu einem gesunden Arbeitsklima dazu. Auch Marco Lucchinetti sieht keine grundlegenden Unstimmigkeiten gegenüber seinem Chef und ist sich sicher, dass beide trotz Konkurrenz weiterhin gut zusammen arbeiten werden, wie er gegenüber dem «Tages-Anzeiger» versichert.

Lucchinetti glaubt an seine Wahlchancen. Aber er ist sich bewusst, dass ihm ohne Amtsinhaber-Bonus eine fordernde Kampagne bevorsteht, um an der Urne ein absolutes Mehr zu erreichen. Demnach erwartet er ein knappes Resultat oder einen zweiten Wahlgang. Sollte er die Wahl verlieren, will er das Notariat Enge verlassen und sich neuen Herausforderungen innerhalb des Notariatswesens stellen.

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