Limmattal

Aushebung soll auch Feuerwehr nützen

Ist die Feuerwehr bald selber Patient? Im Kanton ist die Zahl der Feuerwehrleute in den letzten 10 Jahren von 10 000 auf 8000 zurückgegangen.

Ist die Feuerwehr bald selber Patient? Im Kanton ist die Zahl der Feuerwehrleute in den letzten 10 Jahren von 10 000 auf 8000 zurückgegangen.

Feuerwehren klagen über Nachwuchsprobleme. Damit der Bestand auch in Zukunft gesichert ist, rührt die Gebäudeversicherung die Werbetrommel. Systemwechsel bei der Rekrutierung könnte helfen, das Nachwuchsproblem zu lösen

Die freiwilligen Feuerwehren im Kanton Zürich plagen Nachwuchssorgen. Erst vor kurzem hat beispielsweise die Feuerwehr Geroldswil-Oetwil einen Aufruf gestartet, um neue Kameraden zu gewinnen (az Limmattaler Zeitung vom 31. August). Die Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ) lancierte vorige Woche das Projekt «Feuerwehr - Talente gesucht» (siehe Kontext). Den Auftakt macht eine Plakatkampagne.

In den Gemeinden begrüsst man die Kampagne der GVZ, sagt aber auch, dass man grundsätzlich einen Systemwechsel bei der Rekrutierung von Feuerwehrleuten ins Auge fassen sollte. «Dem Militär und dem Zivilschutz wird das Personal durch die Aushebung zugewiesen», sagt Geroldswils Sicherheitsvorstand Martin Conrad. Es sei unverständlich, dass die Feuerwehr selber für ihren Sollbestand sorgen müsse. Zumal von ihr eine 100-prozentige Einsatzbereitschaft verlangt werde. «Die Feuerwehr rückt regelmässig bei Ernstfällen aus und hat einen Übungsintervall, der denjenigen von Militär und Zivilschutz bei weitem übertrifft», hält Conrad fest. Dies alles würde überdies freiwillig und gratis - mit Ausnahme des Soldes - geschehen.

Kein finanzieller Reiz mehr

Zudem sei den Feuerwehrleuten bis vor einigen Jahren ihr Einsatz an die Militärdienstpflichtersatz-Zahlung angerechnet worden, so Conrad. Es habe zumindest ein finanzieller Reiz bestanden, in der freiwilligen Feuerwehr mitzumachen. Für ihn ist es deshalb unverständlich, dass es in der Konzeption «Feuerwehr 2015» der «Feuerwehr Koordination Schweiz» heisst: «Eine - auch nur eingeschränkte - Wahlmöglichkeit bei der Rekrutierung im Rahmen einer allgemeinen Dienstpflicht steht nicht im Interesse der Feuerwehren, da der Feuerwehrdienst auf die spezifischen Bedürfnisse vor Ort ausgerichtet sein muss.» Das finde er falsch. «Es wäre wünschenswert, wenn auch die Feuerwehren von der Aushebung profitieren könnten.»

Damit spricht der Geroldswiler Sicherheitsvorstand ein Thema an, das schon lange kontrovers diskutiert wird. «Im Rahmen der neuen Strategie des Bundes für den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz wird die Frage nach der Dienstpflicht in einer Arbeitsgruppe mit Bundesbehörden und Kantonsvertretern, verhandelt», sagt Kurt Steiner, Leiter der Abteilung Feuerwehr bei der GVZ. Auch in der «Feuerwehr Koordination Schweiz», wo sämtliche Kantone zusammengeschlossen sind, werde die Diskussion geführt. Daraus sei die Konzeption «Feuerwehr 2015» hervorgegangen. Eine Mehrheit der Kantone lehne eine Dienstpflicht ab. Deshalb werde sie im Rahmen der Konzeption nicht angestrebt.

«Gesellschaftsdienst» als Lösung?

«Einige hegen die Befürchtung, dass gewisse Leute die Feuerwehr als angenehme Möglichkeit zur Umgehung des Militärdienstes betrachten werden», so Steiner. Andere seien generell gegen eine Dienstpflicht in der Feuerwehr. Denn auch in Kantonen, wo es heute eine Dienstpflicht gebe, seien es im Endeffekt Freiwillige, die Feuerwehrdienst leisteten. Feuerwehrleute, die zu einem Dienst verpflichtet würden, seien wenig motiviert, fehlten an den Übungen und den Einsätzen. «Sie zahlen lieber eine Busse und gehen den Weg des geringsten Widerstandes», sagt Steiner. Die Ortsfeuerwehren brauchten motivierte Mitglieder, die aus eigenem Antrieb mitmachen.

«Eine Reihe von Kantonen wird deshalb betreffend der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ziemlich provokative Ideen in die Diskussion einbringen», so Steiner. Gut vorstellen könne man sich eine Art «Gesellschaftsdienst», der nicht nur in der Armee und im Zivilschutz, sondern auch bei anderen Institutionen wie der Feuerwehr oder im Pflegebereich absolviert werden könnte. «Mit diesem System könnten wir das Problem lösen, dass es in immer mehr Bereichen schwierig wird, das nötige Personal zu finden», hält er fest. Es werde aber noch einige Jahre dauern, bis auf nationaler Ebene eine Lösung gefunden sei.

Eine Rückkehr zum System, dass Diensttage in der Feuerwehr am Wehrdienstersatz abgezogen werden können, wie das bis zur Armeereform 2004 möglich war, sieht Steiner ebenfalls nicht als Lösung. «Nur wenige Feuerwehrleute haben davon Gebrauch gemacht. Der administrative Aufwand für den Kanton war jedoch enorm.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1