«Ich habe im Affekt gehandelt», rechtfertigte der heute 33-Jährige sein brutales Vorgehen. Die Anklage ging auf den 6. April 2013 zurück. Damals fuhr der Sozialhilfeempfänger mit dem Auto seiner Mutter nach Zürich. Der Schweizer war in Begleitung einer Freundin und lenkte sein Fahrzeug kurz nach Mitternacht über die Brauerstrasse, kürzte ab und fuhr aufs Trottoir . Darüber regte sich ein 50-jähriger Passant auf und klopfte mit seiner Hand im Vorbeigehen auf die Heckscheibe des Fahrzeugs.

Fest steht, dass der Beschuldigte wie von der Tarantel gestochen aus seinem Fahrzeug stieg und den Fussgänger von hinten attackierte. Er stiess ihn um und setzte sich auf den Rücken des am Boden liegenden Opfers. Mit beiden Händen hielt er die Haare des Geschädigten fest und schlug dessen Kopf zweimal mit dem Gesicht voran wuchtig auf den Asphalt.

Während der Schläger das Weite suchte, blieb der Kläger für rund fünf Minuten bewusstlos liegen. Der erheblich verletzte Mann hatte Glück im Unglück. So hatte ausgerechnet ein Rettungssanitäter den Angriff aus nächster Nähe beobachtet und leistete ihm erste Hilfe. Der Geschädigte hatte ein Schädelhirntrauma, einen Nasenbeinbruch erlitten und sieben Zähne verloren.

Verteidiger für milde Strafe

Während die Staatsanwaltschaft wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren forderte, sprach sich der Verteidiger für eine milde Strafe aus – sei es in der Form gemeinnütziger Arbeit oder einer Geldstrafe. So liege nur eine einfache Körperverletzung vor, plädierte er. Der Beschuldigte sei nicht davon ausgegangen, dass er das Opfer schwer verletzen könnte. Der Angeklagte selber gab an, dass er seinem Gegner zwar in den Rücken gefallen sei. Er könne sich aber nicht erinnern, dessen Kopf gegen den Boden geschlagen zu haben.

Der Verteidiger machte geltend, dass sein Klient zwar wegen Finanzdelikten vorbestraft sei, jedoch nicht wegen Gewalttaten. Zudem habe er als Angehöriger der Fahrenden eine schwierige Kindheit verbracht.

Das Gericht sah den Beschuldigten als vollständig überführt an. Zwei Zeugen, darunter der Rettungssanitäter, hatten in der Untersuchung unabhängig voneinander den brutalen Angriff gleich geschildert. Die Richter gingen von einer rücksichtslosen Tat aus und kannten kein Pardon. Sie setzten eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren fest. Das Verschuldete stufte das Gericht als erheblich ein. So sei der Geschädigte völlig wehrlos gewesen. Zudem sei der Beschuldigte einfach weggefahren. Er muss dem Opfer noch 10 000 Franken Schmerzensgeld bezahlen.