Uitikon
Auseinandersetzung zwischen Fussball-Eltern endet vor Gericht

Wie ein einfacher Streit wegen Fussball zwei Strafprozesse auslöste, die letztlich in einem Freispruch endeten

Attila Szenogrady
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Auch die Eltern von Fussballern neigen zuweilen zu Handgreiflichkeiten.

Auch die Eltern von Fussballern neigen zuweilen zu Handgreiflichkeiten.

Keystone

Der Prozess mit mehreren Wendungen nahm seinen Lauf, als ein Unternehmer aus Uitikon auf dem Posten der Kantonspolizei Schlieren erschien. Der Kaufmann erstattete Strafanzeige gegen eine ebenfalls in Uitikon wohnhafte Frau und schilderte dramatische Ereignisse, die wenige Tage zuvor auf dem Sportplatz Moos in Wettswil passiert sein sollen. Während eines Junioren-Fussballspiels habe ihn die verzeigte Frau im Rahmen eines Streits körperlich attackiert und ihm dabei von hinten einen Handkantenschlag gegen das Genick verpasst. Es sei ihm schwarz vor den Augen geworden, und er sei zu Boden gegangen, berichtete er. Er habe eine Quetschung am Halswirbel sowie ein Schleudertrauma erlitten. Das war im November 2012.

Freispruch für Schlägerin

Die Polizei leitete die Anzeige an die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis weiter. Worauf diese gegen die mutmassliche Schlägerin eine Strafuntersuchung wegen vorsätzlicher Körperverletzung eröffnete. Im September 2013 erhoben die Untersuchungsbehörden trotz massiver Bestreitungen der mutmasslichen Täterin Anklage. Die heute etwa 50-jährige Frau musste sich danach am Bezirksgericht Affoltern verantworten. Dabei wurde sie nach dem Grundsatz im Zweifel für die Angeklagte freigesprochen.

Nun erlebte der Privatkläger eine böse Überraschung. So eröffnete die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis nach einer Gegenanzeige auch gegen ihn eine Strafuntersuchung und klagte ihn nicht nur wegen falscher Anschuldigung, sondern auch wegen versuchten Betrugs ein. Laut Anklage hatte er vor den Behörden wahrheitswidrig ausgesagt und seine Prozessgegnerin zu Unrecht eines Genickschlags bezichtigt. Zudem habe er versucht, infolge seiner angeblichen «Verletzung» und Arbeitsunfähigkeit Versicherungsgelder für über 54 300 Franken betrügerisch zu erlangen.

Horrende Geldstrafe gefordert

Kürzlich musste sich der Kaufmann vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Die Anklagebehörde verlangte dabei eine horrende Sanktion von 300 Tagessätzen zu 530 Franken. Was insgesamt eine bedingte Geldstrafe von 159 000 Franken bedeutete. Hinzu kam eine happige Busse von 10 000 Franken. Sollte er die Busse nicht bezahlen, drohte eine Ersatzfreiheitsstrafe von 19 Tagen.

Freispruch auf der ganzen Linie

Wie nun das Bezirksgericht Dietikon mitteilte, hat es den Beschuldigten von allen Vorwürfen umfassend freigesprochen. Der zuständige Richter führte dazu aus, dass bereits das Bezirksgericht Affoltern festgehalten habe, dass ein Genickschlag nicht ausgeschlossen sei. Deshalb seien sowohl eine falsche Anschuldigung als auch ein Betrugsversuch nicht rechtsgenügend erwiesen. Dem Beschuldigten wurde eine Prozessentschädigung von 4000 Franken zugesprochen. Die Zivilklage der Geschädigten wurde abgewiesen. Die beiden Gerichtsfälle, die ursprünglich auf ein einfaches Junioren-Spiel in Wettswil mit einem Streit am Spielfeldrand zurückgingen, endeten damit mit Freisprüchen. Fazit: ausser Spesen nichts gewesen.