Massnahmenzentrum Uitikon

Ausbau verzögert sich und wird teurer

Provisorien erschweren den Alltag im Massnahmenzentrum in Uitikon. Bis Herbst 2014 wird gebaut.  fuo

Provisorien erschweren den Alltag im Massnahmenzentrum in Uitikon. Bis Herbst 2014 wird gebaut. fuo

Der Zürcher Regierungsrat bewilligt zusätzliche 9,4 Millionen für das Massnahmezentrum in Uitikon. Von Seiten der Baudirektion hagelte es Kritik an die Adresse des beauftragen Planer-Teams. Beim Realisieren würde es hapern.

Die Zürcher Regierung trat gestern vor die Medien, um einen Zusatzkredit von 9,4 Millionen Franken für die Sanierung und Erweiterung der geschlossenen Abteilung des Massnahmenzentrums in Uitikon (MZU) zu erklären.

Für Baudirektor Markus Kägi war klar: Es muss Kritik geübt werden, und zwar am beauftragten Generalplanerteam. Dessen Stärke liege beim Gestalten, weniger beim Realisieren. Diverse Fehleinschätzungen bei Kostenvoranschlag, Konstruktions- und Terminplänen hätten den Nachtragskredit notwendig gemacht.

Zudem seien die Bedürfnisse des MZU «teilweise schlicht ignoriert» worden. Als dies alles offenbar geworden war, habe man erst abgemahnt, so Kägi, dann den Generalplanerauftrag im Sommer 2010 gekündigt. Nachdem der Rohbau im November fertig war, wurde gar ein Baustopp verhängt.

Planerteam weist Kritik zurück

Das Generalplanerteam weist die Kritik zurück, schreibt in einer Mitteilung von einer Vielzahl von Änderungswünschen und einer ungenügenden Projektleitung seitens der Bauherrschaft. Das habe die komplexe Projektarbeit «massiv erschwert».

Die beiden Parteien verhandeln derzeit über gegenseitige Entschädigungsforderungen. Über deren Höhe wollte weder Baudirektor Kägi noch der Sprecher des Generalplanerteams, Danni Härry, Stellung nehmen. Kägi sieht Chancen für eine einvernehmliche Lösung, schloss einen Rechtsstreit aber nicht aus. Dafür enthält der Nachtragskredit 575000 Franken.

So sichert das Massnahmenzentrum Uitikon die Sichwerheit während dem Umbau

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Kägi übte auch Selbstkritik. Der eigene Projektleiter habe seine Führungsaufgabe «zu wenig klar und entschlossen wahrgenommen», die Risiken zu wenig im Auge behalten. Er ist ersetzt worden.

Unter der Leitung der Stücheli Architekten wurde das Umbau- und Erweiterungsprojekt überarbeitet und in den Bereichen Haustechnik, Küche oder Sicherheit optimiert. Eine Projektänderung schafft zusätzlich vier Betreuungsplätze. Der neue Kostenvoranschlag weist Gesamtkosten in Höhe von 39 Millionen Franken aus. Das sind 32 Prozent mehr als ursprünglich bewilligt. Der Bund wird voraussichtlich 8 Millionen übernehmen. Der Kostenvoranschlag wurde vom Luzerner Büro für Bauökonomie geprüft.

Planungsteam machte Fehleinschätzung

Den Zusatzkredit hat der Regierungsrat für dringlich erklärt und damit in eigener Kompetenz bewilligt. Er begründet dies mit den Umständen: Das MZU ist das einzige Massnahmenzentrum in der Deutschschweiz für schwerstdelinquierende Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 17 und 30 Jahren. Entsprechend verschärfen die Bauarbeiten den ohnehin grossen Mangel an Massnahmenplätzen.

Hinzu kommt: Verursacht durch eine Fehleinschätzung des Planungsteams und den Baustopp kann das Zentrum erst im Herbst 2014 statt 2012 den normalen Betrieb wieder aufnehmen. Doch dann sollen 30 Plätze im geschlossenen und 24 Plätze im halb offenen Vollzug bereitstehen, sowie 10 Plätze in der Wohngruppe Austritt.

Das MZU muss gestützt auf das 2007 in Kraft getretene neue Jugendstrafgesetz und das revidierte Strafgesetzbuch im geschlossenen Vollzug zusätzliche Aufgaben übernehmen. 2009 und 2010 wurde in Uitikon bereits die halb offene Abteilung saniert. Die Bauarbeiten für die geschlossene Abteilung werden im kommenden Oktober wiederaufgenommen.

Sicherheit gewährleistet

MZU-Direktor Michael Rubertus ist mit dem optimierten Projekt zufrieden. Zusammen mit dem neuen Justizdirektor Martin Graf hofft er auf ein rasches Ende des Umbaus. Den Betrieb unter diesen Bedingungen aufrecht zu halten, sei herausfordernd. Die Sicherheit sei aber «jederzeit gewährleistet», dank zusätzlicher Ressourcen.

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