Birmensdorf
Ausbau: Kläranlage muss für 33000 Personen reichen

Die Kläranlage Birmensdorf stösst wegen des Bevölkerungswachstums in der Region bald an ihre Grenzen. Deshalb soll sie für rund 25,6 Millionen Franken ausgebaut werden. Der Zweckverband informierte im Gemeindezentrum Brüelmatt über das Projekt.

Florian Niedermann
Merken
Drucken
Teilen
Der Birmensdorfer Gesundheitsvorstand Ringo Keller (SVP) (links) und Samuel Twerenbold vom Ingenieurbüro Hunziker Betatech AG (3.v.l.) diskutieren mit einem Besucher der Informationsveranstaltung zur Kläranlage Birmensdorf über technische Details.

Der Birmensdorfer Gesundheitsvorstand Ringo Keller (SVP) (links) und Samuel Twerenbold vom Ingenieurbüro Hunziker Betatech AG (3.v.l.) diskutieren mit einem Besucher der Informationsveranstaltung zur Kläranlage Birmensdorf über technische Details.

Der Birmensdorfer Gesundheitsvorstand und Präsident des Zweckverbands ARA Birmensdorf, Ringo Keller (SVP), betonte, dass über die Notwendigkeit des Ausbaus kein Zweifel bestehe – auch aus ökologischen Gründen: «Das gereinigte Wasser aus der Kläranlage fliesst in die Reppisch. Mit der Erweiterung und der Modernisierung der Anlage sorgen wir dafür, dass das Gewässer trotz des Bevölkerungswachstums sauber gehalten werden kann.»

Alex Benz vom Ingenieurbüro Hunziker Betatech AG skizzierte die Ausgangslage und den geplanten Ausbau. Man habe 2010 bei allen Verbandsgemeinden angefragt, wie stark ihre Bevölkerung in den nächsten 25 Jahren wachsen erwartungsgemäss werde. «Gemäss diesen Schätzungen wohnen 2035 rund 33000 Einwohner im Einzugsgebiet der Kläranlage», sagte er.

Die Anlagen der biologischen Reinigung haben heute noch rund 5 Prozent zusätzliche Kapazität. Um ihr Volumen zu erhöhen, soll der Rand um die Klärbecken um einen Meter erhöht und ein neuer Leitungsgang erstellt werden. Gleichzeitig werden einzelne Bestandteile der Kläranlage verdoppelt, um den Betrieb auch bei Ausfall eines Teils jederzeit zu garantieren. Schliesslich sollen das vierzig Jahre alte Betriebsgebäude durch einen Neubau ersetzt und die gesamte Infrastruktur im Sinne der Effizienzsteigerung umstrukturiert werden.

Durch die Umstrukturierungen entsteht anstelle des heutigen Betriebsgebäudes ein grosser Vorplatz, der Wendemanöver für Lastwagen erleichtert und Raum für Parkplätze bietet. Nicht vom Ausbau betroffen ist der Schlammbehandlungs-Bereich der Anlage: Dieser sei bereits zwischen 1999 und 2001 ausgebaut worden und verfüge über ausreichend zusätzliche Kapazität, sagte Benz.

Das Publikum interessierten nach den Ausführungen insbesondere die Kosten des Ausbauprojekts. Eine Votantin wollte wissen, ob der Ausbau angesichts der Investitionssumme nicht etwas grosszügig geplant worden sei. «25,6 Millionen sind finanziell sicher ein grosser Brocken», erwiderte Keller. Die hohen Kosten seien auch dadurch bedingt, dass viele Gerätschaften und Bauteile nur in sehr kleinen Mengen produziert würden, oder gar Einzelanfertigungen seien. Auf die Frage, was es hiesse, wenn das Projekt an der Urne abgelehnt würde, gab Keller eine klare Antwort: «Das wäre das Worst-Case-Szenario. Die Folge wäre Pflästerlipolitik. Wir müssten unter Druck des Kantons laufend Teile der Anlage ausbauen.»

Der Birmensdorfer Finanzvorstand Werner Haab (SVP) erläuterte den Finanzplan. Die Kosten sollen nicht über den Steuerhaushalt, sondern über die Abwassergebühren finanziert werden. Mittelfristig würden deshalb die Kosten für einen Kubikmeter Abwasser etwa um 1.26 Franken steigen, erklärte Haab. Ausserdem müsse zusätzlich ein Kredit über 18 Millionen Franken aufgenommen werden. «Innert 10 Jahren nach Bauvollendung kann das zusätzlich aufgenommene Fremdkapital wieder zurückbezahlt werden», so Haab.

Das Projekt ist organisatorisch eine grosse Herausforderung. Während der ganzen Bautätigkeit muss die Anlage in Betrieb bleiben. Deshalb erfolgt der Ausbau in vier Etappen: Bestandteile der Anlage, die ersetzt, verschoben oder ausgebaut werden müssen, reisst man erst dann ab, wenn die Ersatzinstallation fertiggestellt ist.

Im Rahmen der vierten Etappe soll eine neue Anlage entstehen, die das Wasser von Mikroverunreinigungen wie Medikamentenrückständen reinigt. Allerdings will man damit auf eine Gesetzesverordnung des Bundes warten, um die derzeit gerungen wird. Das Teilprojekt ist deshalb im Kredit nicht enthalten. Allerdings schreibt die Vorlage die Freihaltung der benötigten Landreserve fest.

Am 3. März befindet das Stimmvolk der Zweckverbandsgemeinden Aesch, Birmensdorf, Bonstetten, Stallikon, Uitikon und Wettswil in einer Urnenwahl über den Kredit für den Ausbau der Kläranlage.