Schlieren
Ausbau der Goldschlägistrasse: Das Stimmvolk ist an der Reihe

Das Parlament sagte am Montagabend Ja zum Ausbau der Goldschlägistrasse – doch es gab auch Widerstand gegen das kleine Stück Strasse.

Bettina Hamilton-Irvine
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Heute steht die Goldschlägistrasse als Verbindung von Badenerstrasse und Bernstrasse erst Fussgängern und Velofahrern offen. Das soll sich nun ändern.

Heute steht die Goldschlägistrasse als Verbindung von Badenerstrasse und Bernstrasse erst Fussgängern und Velofahrern offen. Das soll sich nun ändern.

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Von diesem kleinen Stück Strasse hängt ganz viel ab: Kann es nicht ausgebaut werden, hat dies einen Einfluss auf den Verkehrsfluss an diversen Orten in Schlieren, wie der Stadtrat betont – und möglicherweise auch auf weitere Verkehrsprojekte.

Doch im Moment sieht es aus, als würde alles nach Plan des Stadtrates funktionieren. Das Schlieremer Parlament sagte gestern Abend mit 26 zu 5 Stimmen Ja zu einem Kredit über 6,5 Millionen Franken für den Ausbau der Goldschlägistrasse. Nun ist das Stimmvolk an der Reihe – voraussichtlich am 30. November. Stimmt es dem Projekt an der Urne ebenfalls zu, ist der Stadtrat auf der Zielgeraden.

Dann soll so schnell wie möglich die Goldschlägistrasse so ausgebaut und in nördlicher Richtung verlängert werden, dass sie eine neue Verbindungsachse zwischen Badenerstrasse und Bernstrasse bildet. Heute ist sie erst für Fussgänger und Velofahrer durchgängig nutzbar. So würde in Zukunft nicht nur die Engstringerbrücke beim Schlieremer Bahnhof vom Verkehr entlastet, sondern dereinst auch der geplante Zentrumskreisel. Und weil auch bei der Einmündung der Brandstrasse in die Engstringerstrasse mit weniger Verkehr zu rechnen ist, würde letztlich auch die Engstringerkreuzung entlastet.

Die Zeit drängt

Bei der Umsetzung des Projekts darf der Stadtrat nun keine Zeit verlieren. Denn der Ausbau der Goldschlägistrasse ist der erste Schritt auf dem Weg zur neuen Schlieremer Verkehrsführung und muss sich deshalb in einen grösseren Zeitplan einfügen. Und dieser wird vor allem vom Baustart der Limmattalbahn und des Zentrumskreisels bestimmt – beides ist auf Frühling 2017 terminiert. Vorher plant der Kanton aber noch zwei grössere Projekte entlang der Bernstrasse: einerseits den Neubau der Schönenwerdbrücke, andererseits die Sanierung der Hallerkreuzung (Bern-/Überlandstrasse). Weil der Kanton dies im Herbst 2015 in Angriff nehmen will, muss die Goldschlägistrasse schon vorher ausgebaut sein – denn während der Bauarbeiten soll sie als Verkehrsverlagerung genutzt werden.

Grundstücke sind schon gekauft

Um den Ausbau zu ermöglichen, war es nötig, drei Grundstücke zu erwerben, was der Stadtrat bereits getan hat. Diese kosteten 3,8 Millionen Franken, die im Kredit von 6,5 Millionen Franken enthalten sind. Weil die Goldschlägistrasse eine kommunale Strasse ist, muss Schlieren den grössten Teil der Kosten tragen. Der Kanton beteiligt sich mit 1,1 Millionen Franken. Und weil der Stadtrat zudem Grundstücke für 2,2 Millionen Franken verkaufen will, belaufen sich die Kosten für Schlieren letztlich auf 3,2 Millionen.

Widerstand kam am Montag vom Quartierverein (QV): «Je mehr und je grössere Strassen es gibt, desto mehr Verkehr wird angezogen und desto mehr Engpässe gibt es auch wieder», sagte Thomas Widmer. Es sei eine «absolute Illusion» dass man mit dem Ausbau der Goldschlägistrasse ein Verkehrschaos verhindern könne, sagte er. Staus aufgrund der Grossbaustellen könnten nur durch eine grossräumige Umfahrung reduziert werden. Er sehe den Wert dieses Projektes nicht, so Widmer.

Einstimmig für den Ausbau war die FDP. Man befürchte jedoch, sagte John Daniels, dass die Brandstrasse zu einem «attraktiven Schleichweg» werden könnte. Auch die Fraktion SP/GP stellte sich hinter die Vorlage, obwohl Walter Jucker (SP) betonte, Strassenausbau gehöre nicht zu deren Kernthemen. Doch befürworte man dieses Projekt, «weil es das Zentrum von Durchgangsverkehr entlasten und damit aufwerten» solle.

Kritik am Stadtrat

Thomas Grädel (SVP) sagte, das Projekt sei im Sinne der SVP, die einen funktionierenden Verkehr wolle. Er kritisierte aber auch das Verhalten des Stadtrats als widersprüchlich, weil dieser Strassenausbau propagiere, während er sich der Förderung von öV und Langsamverkehr verschrieben habe.

Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) wehrte sich gegen diesen Vorwurf. Der Stadtrat sei immer dazu gestanden, dass er den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr fördern wolle. Doch entspreche man mit dem Ausbau der Goldschlägistrasse einer alten Forderung.

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