Mein Ding: Tambourenverein
Aus wild wird konzentriert

In der Rubrik «Mein Ding» stellen Limmattalerinnen und Limmattaler ihre Leidenschaft vor. Diese Woche bringt uns Valentin Ehrengruber aus Unterengstringen seine Leidenschaft fürs Trommeln näher.

Zoé Iten
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Schon im Alter von fünf Jahren war Valentin Ehrengruber Tambouren-Fan.

Schon im Alter von fünf Jahren war Valentin Ehrengruber Tambouren-Fan.

zvg

Wenn Valentin Ehrengruber zu trommeln beginnt, erschrickt man zuerst einmal. Irrsinnig laut ist sein Instrument und gleichzeitig kann man den Blick nicht abwenden von diesem konzentrierten Kind mit den flinken Händen. Bis vor wenigen Augenblicken ist der Achtjährige aus Unterengstringen noch herumgehüpft oder hat sich mitten im Gespräch eine Schüssel mit Flocken zubereitet, weil er plötzlich Hunger hatte. Doch wenn Valentin trommelt, ist von Unruhe nichts mehr zu spüren. Hochkonzentriert spielt er und beweist ein beeindruckendes Taktgefühl.

Seit bald zwei Jahren übt Valentin auf der Trommel, die ihn zuvor schon fasziniert hat. Seine Mutter, Franziska Ehrengruber, erzählt, wie er bei einem Räbeliechtliumzug den grossen Tambouren von der Kreismusik Limmattal «am Füdli» geklebt sei, ganz fasziniert von deren Spiel. Nach der Feier erkundigte sie sich beim Leiter Raffael Hotz nach einer Einstiegsmöglichkeit für Valentin. Etwas Geduld müsse er noch haben, denn mit fünf Jahren die Trommelstöcke in die Hand zu nehmen, sei noch etwas zu früh. Also geduldete sich Valentin noch eine Weile und stieg mit sechs Jahren ein. Sein Vater begleitete ihn die ersten neun Monate und trommelte etwas mit. «Damit er sich nicht so schnell ablenken liess», sagt Markus Ehrengruber.

Höchstes Gebot: Konzentration

Diese Sorge ist mittlerweile völlig unbegründet. Wenn jeweils am Donnerstagabend im Schulhaus Kalktarren in Schlieren die Trommelschläge einsetzen, ist Valentin voll bei der Sache. «Sieben Lieder kann ich schon auswendig und ich hatte auch schon ein paar Auftritte», sagt er. Er zeigt ein Video, das ihn mit zwei anderen Jungtambouren zeigt, wie sie ein Lied namens «Zwergenaufstand» spielen. «Jetzt passiert dann gleich ein Fehler», warnt Valentin. Wenige Sekunden später sieht man auf dem Bildschirm, wie er aus dem Takt fällt. Er verzieht keine Miene, schaut links und rechts und setzt schliesslich an der richtigen Stelle wieder ein.

Als guter Tambour muss man viel mehr können, als bloss gut zu trommeln. «Das Ganze ist keine Egonummer, sondern ein Miteinander», sagt sein Vater. Man müsse aufeinander hören und benötige viel Konzentration. «Zudem ist das Spiel dynamisch und rhythmisch», sagt er. «Das kommt Valentins wildem Charakter sehr entgegen.»

Und wie sieht es mit dem Üben aus? «Das mache ich etwa zweimal in der Woche. Ich übe ziemlich viel», sagt Valentin. Seine Schwester widerspricht lautstark: «So en Seich!» Worauf Valentin nur den Kopf schüttelt und wiederholt, er übe genug.

Das Alpamare als Belohnung

Weil die Tambourengruppe der Kreismusik eine der wenigen im Limmattal ist, wird sie oft für Auftritte an Feiern angefragt. Mit den gesammelten Einnahmen wird vor allem das Vereinsleben zelebriert. Jedes Jahr im Mai findet eine grosse Wanderung statt, bei der die Musiker sowie deren Angehörige eingeladen sind. «Und im September gehen wir in den Europa-Park auf die Blue-Fire-Achterbahn», sagt Valentin. «Da können dank dem musikalischen Engagement alle Tambouren gratis mit.» Zu den Ausflügen kommt einmal jährlich ein Probewochenende dazu. Meist wird es in Jona im Kanton St. Gallen verbracht. Der Höhepunkt dieses Wochenendes sei jeweils ein Besuch im Alpamare, sagt Valentin.

Das Trommeln ist nicht Valentins einziges Hobby: Er geht auch noch in den Cevi. Doch wenn er sich entscheiden müsste, sagt er, so bliebe er bei der Tambourengruppe.

Sind auch Sie «besessen» von einer Sache? Wollen Sie zeigen, was Ihr Ding ist? Dann schreiben Sie uns ein E-Mail an redaktion@limmattalerzeitung.ch oder einen Brief an Limmattaler Zeitung, Redaktion, Heimstrasse 1, 8953 Dietikon.