Der spendenfinanzierte Fonds der Regiospitex Limmattal hatte 2017 nur eine einzige Ausgabe: Beiträge an die Abos für Mitarbeiter im Dietiker Frei- und Hallenbad Fondli. 160 Franken gibt es pro Angestellten für das Jahresabo. Das entspricht bis zu 70 Prozent der Abokosten. 8 der 79 Regiospitex-Mitarbeiter nutzten das Angebot. Die Gesamtkosten betrugen also 800 Franken.

Elsbeth Liechti, Geschäftsleiterin der Regiospitex, die unter anderem durch die Gemeinden Dietikon, Schlieren und Urdorf finanziert wird, sagt zu den Badi-Beiträgen: «Als Arbeitgeber sind wir dazu verpflichtet, dem Wohl unserer Mitarbeiter Sorge zu tragen.» Schwimmen sei bei der harten körperlichen Arbeit und der Rückenbelastung wichtig. Auf die Frage, warum man dies mit Spendengeldern bezahle, verweist Liechti auf das Fonds-Reglement. Dort steht unter «Zweck» unter anderem: «Durchführung von Projekten und Massnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung.» Laut Liechti beziehe sich das nicht nur auf die Kunden, also pflegebedürftige Menschen, sondern auch auf die Spitex-Mitarbeiter.

Andreas Herren (SP), Vorstandsmitglied der Regiospitex und Urdorfer Gemeinderat, fügt an: «Viele Kunden möchten sich mit Spenden oder Legaten für das Engagement der Mitarbeiter bei der Pflege bedanken. Insofern sollen in erster Linie auch die Mitarbeiter profitieren.»

Stadt-Mitarbeiter haben auch Rabatt

Geschäftsleiterin Liechti erklärt, wie es zur Einführung der Badi-Beiträge gekommen ist: «Weil die Mitarbeiter der Stadt Dietikon vergünstigte Abos für das Fondli beziehen, haben unsere Mitarbeiter gefragt, ob wir das auch finanzieren würden.» Als Stadt-Mitarbeiter kommt man sogar noch günstiger zu einem Fondli-Abo. Es kostet 49 statt 230 Franken pro Jahr. Die Spitex stellte laut Liechti zuhanden der Stadt Dietikon einen Antrag, damit auch ihre Mitarbeiter Rabatt erhalten. Er sei abgelehnt worden. «Also hat der Vorstand beschlossen, den Zustupf selbst zu bezahlen», so Liechti.

Eine Umfrage der Limmattaler Zeitung bei allen regionalen Spitex-Organisationen zeigt: Die Badi-Beiträge der Regiospitex Limmattal sind aussergewöhnlich. Keine andere Spitex zahlt Gelder an ihre Mitarbeiter für ähnliche Zwecke.

Die Spitex Birmensdorf-Aesch entnimmt für Mitarbeiter nur Geld aus dem Fonds, wenn ein direkter Zusammenhang mit dem Betrieb besteht. Das war letztes Jahr zum Beispiel eine Team-Weiterbildung. Andreas Grieshaber, Leiter des Alterszentrums am Bach, zu dem die Spitex gehört, sagt, 2018 finanziere der Fonds einen Teamevent. «Badi-Beiträge wären mit unserem Fonds-Reglement wohl konform. Aber es ist nicht unser Stil», so Grieshaber.

Die Spitex rechtes Limmattal zahlte laut ihrem Präsidenten René Rey (FDP), der auch Gemeindepräsident von Unterengstringen ist, unter anderem ebenfalls Geld für Weiterbildungen. Es floss ausserdem Geld für die Anschaffung eines Defibrillators sowie für die Renovation der Küche. Es wurden zudem Beiträge für Kunden entnommen.

Auch in der Uitiker Spitex gibt es keine Badi-Beiträge. Das Geld des Fonds wird für Härtefälle bei Kunden oder Weiterbildungen ausgegeben. Das Gleiche gilt auch für die Spitex Mutschellen, die in Bergdietikon tätig ist.

Antrag wurde deutlich abgelehnt

Dass die Regiospitex Limmattal aus ihrem Fonds kein Geld für die Kunden lockermacht, sondern nur für die Mitarbeiter, stört die Schlieremerin Claire-Lise Rüst. Sie ist Ersatz-Bezirksrätin, Parteimitglied der Grünen und sass früher im Vorstand der Spitex Schlieren. Als einfaches Regiospitex-Mitglied stellte sie an der Generalversammlung (GV) vom Mittwoch letzter Woche einen Antrag, «damit endlich auch den Kunden Geld aus dem Fonds zukommt.» Sie beobachte die Spitex seit 18 Jahren. «Und bei den Kunden ist nie direkt etwas angekommen», sagt Rüst. Stattdessen finanzierte man zum Beispiel im Jahr 2013 mit etwa 37 000 Franken ergonomische Arbeitsplätze. Rüst betont, diese und auch die Badi-Beiträge seien sinnvolle Ausgaben. «Aber es geht nicht, dass immer nur für die Mitarbeiter Geld fliesst und nie für die Kunden.»

Rüsts konkreter Antrag lautete, dass der Vorstand ein Projekt ausarbeiten muss, wie Fonds-Geld direkt den Kunden zugutekommen kann. Sie unterlag an der GV mit ihrem Antrag mit fast drei Viertel der Stimmen. Das erklärt sie sich so: «Die Versammlung wollte dem Präsidenten folgen, der dem Antrag ablehnend gegenüberstand.»

Währenddessen sitzt der Fonds auf über 90 000 Franken an Spenden. Rüst hätte Ideen, wie man das Fonds-Geld verwenden kann. Man solle Angehörigen eine Freude machen, die seit Jahren ihre Familienmitglieder pflegen. «Das lange, intensive Pflegen zehrt», sagt Rüst. «Oder man könnte mit dem Geld etwas gegen die Einsamkeit vieler alter Menschen tun.»

Der Vorstand stellt sich auf den Standpunkt, die Spitex sei in erster Linie eine Gesundheitsversorgerin und erst in zweiter Linie eine Sozialinstitution. Unterstützung für Menschen, die die Spitex nicht bezahlen können, käme von Behörden und anderen Organisationen, die nicht konkurrenziert werden sollten.

«Hatten noch nie ein Gesuch»

Andreas Herren, Vorstandsmitglied und Urdorfer Gemeinderat, sagt: «Wir hatten noch nie ein Gesuch von jemandem, der seine Spitex-Rechnungen nicht bezahlen kann.» Die Spitex plant, dieses Jahr 50 000 Franken aus dem Fonds für die Einrichtung neuer Büros zu verwenden, weil der alte Standort zu klein wird. Auch sollen 10 000 Franken für Weiterbildungen von Mitarbeitern aus dem Fonds entnommen werden.

Was bleiben wird, ist der 160-Franken-Badi-Beitrag pro Mitarbeiter. Herren sagt: «Der Beitrag lohnt sich. Für uns ist es kein Thema, ihn abzu- schaffen.»