Markus Egloff und seine Frau Pascale sind wütend. Im Mai teilte die Gemeinde Birmensdorf den Anwohnern der Stationsstrasse mit, dass die seit zwei Jahren im Versuchsbetrieb stehende Buslinie 237 von Stallikon nach Birmensdorf als definitive Linie 227 ins Angebot des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) aufgenommen wird, und zwar ab Ende diesen Jahres.

Das Problem für das Ehepaar Egloff: Der Bus würde von Stallikon her kommend den Bahnhof nicht mehr wie bisher durch das Dorfzentrum anfahren, sondern direkt über die Stationsstrasse. Der Grund für diese Änderung: Die Fahrzeit zum Bahnhof verkürzt sich dadurch um etwa zwei Minuten. So will die ZVV die Fahrplansicherheit der Buslinie erhöhen, um auch bei Verspätungen die Anschlüsse an die S-Bahnen zu sichern.

IG will den Bus verhindern

Pascale Egloff gründete mit ihrem Mann und zwei weiteren Anwohnern nun die Interessengemeinschaft «Fussgängersicherheit Stationsstrasse». Ihr Ziel: Die neue Buslinie zu verhindern. In ihrem Kampf gegen die Behörden vertritt die IG ein Anwalt. Sie stellt dem Argument der Fahrplansicherheit die Gefährdung des Langsamverkehrs entgegen: «Diese Linienführung durch die enge und in Stosszeiten viel genutzte Strasse ohne Trottoir ist für Fussgänger und Velofahrer viel zu gefährlich», sagt Egloff.

Zwar handelt es sich bei der Stationsstrasse um eine auf Tempo 30 limitierte Einbahnstrasse, doch dürfen Automobilisten, die ihr Fahrzeug auf den Parkplätzen der SBB beim Bahnhof parkiert haben auch in der Gegenrichtung durch die Stationsstrasse fahren. Dazu komme, dass die Strasse sehr steil und unübersichtlich sei und Velofahrer teilweise in hohem Tempo ebenfalls dem Einbahnverkehr entgegen in Richtung Stallikonerstrasse fahren würden, so Egloff. Um die Verkehrssicherheit an dieser Stelle gewährleisten zu können, musste die Gemeinde in der Vergangenheit bereits mehrere bauliche Massnahmen ergreifen.

Information folgte nach Auflage

Die Anwohner wurden erst über die Änderung der Route informiert, als die öffentliche Auflage des Verbundfahrplanprojekts abgelaufen war. Deshalb blieb der IG nur ein Rekurs gegen die mit der neuen Linienführung verbundene Aufhebung eines temporären morgendlichen Fahrverbots. Dieses richtete die Gemeinde vor der Errichtung des Üetlibergtunnels ein, um Schleichverkehr durch die Stationsstrasse verhindern. «Mit dem Rekurs wollen wir Zeit gewinnen, um eine Lösung finden zu können», so Egloff.

In mehreren Schreiben wies die IG die Behörden darauf hin, dass die Strasse durch die bevorstehende Änderung der Linienführung weniger sicher werde. «Wir wollten die Situation deshalb bei einer Testfahrt mit den Behörden, der Kantonspolizei, der Betreiberin Postauto AG Region Zürich und einem Vertreter der Beratungsstelle für Unfallverhütung besprechen», so Egloff. Die Gemeinde sei auf diese Forderung aber nicht eingegangen. «Wir fühlen uns schlicht nicht erst genommen», sagt sie.

Polizei findet Bus verantwortbar

Die Behörden erklären diese Reaktion dadurch, dass bereits eine Testfahrt mit Vertretern der Kantonspolizei und der Postauto AG stattgefunden habe. Das Ergebnis der Testfahrt war die Erkenntnis, dass Busverkehr auf der Stationsstrasse aus sicherheitstechnischer Sicht verantwortbar ist, wie der Birmensdorfer Sicherheitsvorstand Reto Derungs (parteilos) erklärt. «Wir boten der IG an, sich mit uns an einen runden Tisch zu setzen, um alle Bedenken und Argumente zu besprechen. Bisher erhielten wir darauf noch keine Antwort.»

Auch die Behörden hätten es lieber gesehen, wenn der Bus weiterhin durch das Dorfzentrum zum Bahnhof gefahren wäre. «Wir sind auch nicht glücklich», sagt Derungs. Der Gemeinderat habe der neuen Variante aber zugestimmt, weil die verkürzte Linienführung den direkten Anschluss an die S-Bahnen ermöglicht und weil das Resultat der Testfahrten positiv gewesen sei. «Falls es allerdings nach dem Linienwechsel zu sicherheitsrelevanten Problemen kommt, werden wir uns dafür einsetzen, dass der Bus wieder auf der alten Strecke fährt», so Derungs.

Es gib zwei Möglichkeiten, wie die Gemeinde eine Rückkehr zur alten Linienführung erreichen könnte, wie der Mediensprecher des Verkehrsverbundes, Thomas Kellenberger, sagt: «Entweder die Behörden finden mit der Postauto AG einvernehmlich eine Lösung oder sie beantragen eine Änderung der Route im Rahmen des nächsten Fahrplanverfahrens in zwei Jahren.»