Dietikon
Aus Plastiksäcken und Clown-Nasen entstand ein Theater

Die Theateria übt mit 23 Kindern Kurzperformances für den Freilufttheatertag am Samstag ein. Drei Performances haben die Kinder in der letzten Woche einstudiert.

Kathrin Schneider
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Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.
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KiJuku 2013 Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.
KiJuku 2013 Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.
KiJuku 2013 Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.
KiJuku 2013 Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.
KiJuku 2013 Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.
KiJuku 2013 Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.
KiJuku 2013 Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.

Proben des KiJuku 2013 (Kinder- und Jugendtheaterkurs) Theateria Dietikon probt für den 23. Freilufttheatertag in Dietikon.

Limmattaler Zeitung

Freilufttheatertag Dietikon

Der Freilufttheatertag Dietikon findet diesen Samstag schon zum 23. Mal statt. Die Festwirtschaft auf dem Stadthausplatz beginnt um 12 Uhr. Das Kindertheater «Blickfang & Ohrwurm» eröffnet das Programm um 14.30 Uhr. Danach folgen bis 21 Uhr weitere Bühnenperformances. Das von der Kindertheatergruppe einstudierte Stück wird ausserdem im Rahmen des 50-Jahres-Jubiläums der Dietiker Freizeitanlage Chrüzacher am 31. August gezeigt. Dann werden drei Performances (um 14, 16.15 und 18 Uhr) aufgeführt.

In Reih und Glied stehen sie da - Kinder mit runden, roten Nasen und zerzausten Haaren. Manche von ihnen haben einen ernsten Ausdruck im Gesicht, andere versuchen gequält, sich das Kichern zu verkneifen. «Wütend müsst ihr sein», sagt Stefan Baier, Leiter der Theateria Dietikon. Mit grossen Schritten läuft er stampfend durch den Raum, schnaubt und brummelt vor sich hin. Die 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kinder- und Jugendtheaterkurses schauen aufmerksam zu.

Vielen von ihnen sind zum ersten Mal dabei. «Wir sind eine neue Crew», sagt Baier. Dieses Jahr sind von den 13 «alteingesessenen» Schauspielern nur noch 6 dabei. Dafür sind umso mehr neue Mitglieder dazugestossen. Obwohl die Kleinsten gut zehn Jahre jünger sind als die Grössten, habe die aktuelle Gruppe sofort zusammengefunden, freut sich der Theaterleiter.

Drei Performances haben die Kinder in der letzten Woche einstudiert. Der Sommerkurs, den Baier alljährlich mit seiner Frau Heidi Christen anbietet, findet jeweils morgens statt. «Diese Wochen haben wir noch zwei Abendproben. Am Samstag gilt es dann ernst», sagt Baier. Bis jetzt liege man gut in der Zeit. Theater machen sei jedoch immer ein Risiko, sagt Baier schmunzelnd. Man wisse nie, b man rechtzeitig fertig wird und das Stück dem Publikum gefällt.

Kinder sollen sich kreativ ausleben

Mit dem Theater «Blickfang & Ohren» möchte Baier die Sinnesorgane des Publikums ansprechen. Es werden nicht etwa Geschichten erzählt, sondern sogenannte Kurzperformances gezeigt.

Die Ideen dazu hat das Künstlerpaar zusammen mit den Kindern im vorangehenden Frühlingskurs erarbeitet. Als Improvisationsübung hätten sie den Kindern Gegenstände wie Absperrbänder, Plastiksäcke oder rote Clown-Nasen gegeben. «Was sie damit machten, war ihnen überlassen», sagt Christen. Ab und zu hätten sie ihnen zwar ein paar Inputs gegeben. Das Ziel sei aber gewesen, dass sich die Kinder kreativ ausleben konnten.

Aus all diesen Ideen haben Baier und Christen das endgültige Konzept erarbeitet. Das erste Stück beschreibt Baier als Aufeinandertreffen zweier Welten. Darin prallt der Zirkus auf militärische Umgangsformen. «Das ist ein Widerspruch in sich», so der Theaterschaffende.

Im zweiten Stück gehe es um die Erhaltung von genügend Freiraum für Kinder und Jugendliche. Das Finale bildet ein Flaggentanz. Damit möchte das Künstlerpaar die kulturelle Vielfalt der Gemeinde Dietikon darstellen. «Wir sehen die bunte Durchmischung verschiedener Kulturen als eine Bereicherung», so Christen.

Dies zeigt sich nun auch im Raum. «Ich bin Serbien», ruft ein Mädchen und rennt durch die Turnhalle. «Ich bin Jamaika», sagt ein anderes Kind, und «ich die Schweiz» ein drittes. Alle haben sie eine Flagge in den Händen, wirbeln damit durch die Halle - ein farbenfrohes Bild.

Die Luft ist stickig, die Köpfe sind erhitzt. Trotzdem sind alle immer noch motiviert. Während sie den Flaggentanz probt, gibt Baier der Clown-Gruppe den letzten Schliff: «Tempo, Tempo. Das muss schneller gehen», spornt er seine Nachwuchsschauspieler an.

Und siehe da, nach der kurzen Instruktion geht das Umziehen schon schneller. Nachdem sich das Geraschel gelegt hat, erklingen leise Gitarren- und Klarinettenklänge. Die Kinder stimmen ein Lied an.

Ein Stück Kindheit bewahren

«Wir machen Theater mit und für Menschen», sagt Baier. Es liege ihm am Herzen, auch Erwachsene wieder mit Spielfreude anzustecken. Mit einem Lächeln auf den Lippen zitiert er dazu den österreichischen Theaterregisseur Max Reinhard: «Das Theater ist seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.» Genau diese Spielfreude solle jeder in seinem Alltag ab und zu hervorkommen lassen, sagt Baier. «Das ist gut für die Seele und hält jung.»