Christina Giovannini-Ungricht findet nicht, dass es in ihrem Laden speziell stark nach Blumen riecht, obwohl es dies tut. «Die Nase gewöhnt sich ziemlich schnell an den Duft», sagt sie und rückt in ihrem Treibhaus einige Töpfe in die richtige Ecke ihres Arbeitstischs. Sie ergänzt, dass wenn sie in den Ferien war und danach wieder in ihren Laden zurückkehre, sie die wunderbaren, facettenreichen Düfte wieder rieche. Bald wird sich die 54-Jährige wieder öfters an neuen Blumendüften erfreuen dürfen, denn auf Ende Mai schliesst sie ihren Laden Blumen Ungricht an der Dietiker Bergstrasse nach 27 Jahren.

Jetzt sei der Moment zum Aufhören gekommen, sagt Christina Giovannini-Ungricht, und betont, dass die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen worden sei. Mit ein Grund für die Schliessung ist die körperliche Anstrengung, der Floristen tagtäglich ausgesetzt sind. «Das schwere Tragen und das ständige Stehen setzen einem nach dreissig Jahren zu», so Giovannini-Ungricht. Sie wolle, dass die Leute wissen, dass sie nicht unter einem akuten Gebrechen leide. «Aber in diesem Alter steckt man körperliche Anstrengung im Beruf nicht mehr so leicht weg wie früher», ergänzt sie schmunzelnd.

Die Trends mache sie nicht mit

Das Blumen-Business hat sich in diesen dreissig Jahren stark verändert. «Immer neue Trends bei den Blumensorten oder in Sachen Accessoires für die Buketts halten die Floristen auf Trab.» Sie habe sich immer für eine qualitative Arbeit entschieden und sei nicht den neusten Modeströmungen nachgerannt. Zudem ist ihr nicht entgangen, dass alle kleinen Blumenläden oft den Preiskampf verlieren. Denn die Grossisten mit ihren angegliederten Floristik-Abteilungen einerseits und andererseits die Grossblumenläden können, so Giovannini-Ungricht, ihre Produkte zu viel tieferen Preisen anbieten.

Da sie eine sehr enge Beziehung zu ihrer Stammkundschaft hat, kam auch der Schritt zu Online-Bestellungen für sie nie infrage: «Ich schätze den persönlichen Kontakt mit den Menschen und will ihnen eine auf sie zugeschnittene Beratung geben.» Sie ist sich aber bewusst, dass die Möglichkeit der Online-Bestellung vielleicht die Zukunft der Branche ist. «Viele Geschäfte im Limmattal arbeiten mit Anbietern wie Fleurop oder Lesfleurs zusammen. Dies hat mich jedoch nie interessiert.» Warum nicht? «Unter anderem, weil die Vorgaben dort sehr streng sind. Kommt eine Bestellung ins Haus, dann muss man diese nach den genauen Vorgaben des Internetdienstes ausführen», so Giovannini-Ungricht. Der Spielraum für die Kreativität bleibe dabei völlig auf der Strecke.

Leben danach gehört Familie

Neben der grossen körperlichen Anstrengung ist für selbstständige Floristen aber auch die schiere Anzahl Stunden, die täglich im Laden gearbeitet werden müssen, eine Belastung. Mit nur einer Angestellten kann Giovannini-Ungricht die Aufträge, die via Buchung oder von der Laufkundschaft ins Haus flattern, gut bewältigen. Schwierig werde es aber, wenn unvorhersehbare Bestellungen, wie für Beerdigungen oder Grossanlässe, kommen. Dann sind Überstunden vorprogrammiert.

Wer nach der Schliessung von Blumen Ungricht in die Lokalität einziehen wird, weiss Giovannini-Ungricht noch nicht. Fest steht jedoch, dass sie kurz vor Schluss noch einen Apéro für ihre Stammkunden veranstalten wird. «Ich will mich schliesslich noch richtig von ihnen verabschieden.»

Ihr Leben danach wird sie völlig frei ausgestalten. «Bereits jetzt freue ich mich auf die Zeit, die ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen kann. Natürlich werde ich auch viel in meinen heimischen Garten investieren», sagt sie. Dort gibt es sicherlich einige Düfte wiederzuentdecken.