Big-Band-Festival
Aus für das Dietiker Big-Band-Festival: Die Stadt lässt den Vorhang fallen

Das Dietiker Big-Band-Festival wird nach fünf Ausgaben aus finanziellen Gründen nicht weitergeführt. Mit Ticketverkauf und Sponsoring liessen sich keine schwarzen Zahlen erzielen. Für eine Fortführung hätten die Billette massiv teurer werden müssen.

Sandro Zimmerli
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2009 gewann die Kantonsschule Wattwil den Nachwuchswettbewerb.
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Big-Band-Festival Dietikon
Die Dietiker Sängerin Bernarda Brunovic wurde 2011 von Pepe Lienhard und seiner Swiss Army Big Band begleitet .
Das Glenn Miller Orchestra trat 2010 in der Stadthalle auf.
Bill Ramsey und und Sängerin Crystal Night sorgten dieses Jahr für Stimmung.
Paul Kuhn und Hazy Osterwald beehrten das erste Big-Band-Festival.
Otto Müller, René Gubelmann, Peppe Lienhard. Stadpräsident Otto Müller fungierte als OK-Präsident, vom Dietiker Musiker René Gubelmann stammte die Idee zum Festival. Peppe Lienhard war Patron.

2009 gewann die Kantonsschule Wattwil den Nachwuchswettbewerb.

Christian Murer

Nach fünf Ausgaben ist Schluss - das Dietiker Big-Band-Festival wird nicht mehr weitergeführt. Es sind vor allem finanzielle Gründe, die den Stadtrat zu diesem Entscheid bewegen. «Unser Ziel war es, mit dem Ticketverkauf und dem Sponsoring mittelfristig schwarze Zahlen zu schreiben. Mit dem Billettverkauf geht das nicht. Wir müssten die Preise zu stark erhöhen», sagt Otto Müller, Stadtpräsident und OK-Präsident des Festivals. Das Sponsoring habe sich zahlenmässig zwar gut entwickelt, trotzdem sei es aber zunehmend schwierig, zusätzliche Unterstützung zu erhalten. «Bei Big Band Musik handelt es sich um ein Nischenprodukt. Das macht es schwierig, weitere Sponsoren zu gewinnen», so Müller.

Erstmals 2008

Das Big Band Festival wurde erstmals 2008 durchgeführt. Der Anstoss dazu kam vom Dietiker Maler und Musiker René Gubelmann. Organisiert wurde es von der Stadt Dietikon, Mitorganisator war Radio DRS, Pate stand Pepe Lienhard.

Anfänglich ging das Festival an zwei Tagen über die Bühne. Am Samstag stand traditionell der Galaabend mit Genregrössen auf dem Programm. Der Sonntag war dem Nachwuchs gewidmet. Mit dem Jugendwettbewerb für Nachwuchs-Big-Bands aus dem ganzen Land wurde den jungen Talenten eine Plattform geboten. Letztes Jahr wurde das Programm gestrafft und der Jugendwettbewerb ebenfalls auf den Samstag verlegt. Er fand auf dem Kirchplatz und nicht mehr in der Stadthalle statt. Damit wollten die Organisatoren das Festival näher zur Bevölkerung bringen.

Trotz dieser Anstrengungen ist das Aus nicht mehr abwendbar. Otto Müller bedauert diesen Schritt. «Als Stadtrat haben wir aber auch eine finanzielle Verantwortung zu tragen», so Müller. Den Hauptgrund für das unter den Erwartungen gebliebene Publikumsaufkommen sieht der Stadtpräsident in der grossen Konkurrenz. «Jedes Wochenende findet in der Region, aber auch in der gesamten Schweiz irgendwo ein Grossanlass statt», sagt er.

«Wir haben Mut bewiesen»

Auch Patronatsgeber Pepe Lienhard bedauert das Aus des Festivals. «Ich kann aber den Entscheid der Stadt nachvollziehen. Sie hat eine Vielzahl von finanziellen Verpflichtungen. Ein Festival hat dabei nicht erste Priorität», so der Bandleader. Besonders schade sei das Ende des Festivals für den Nachwuchs. Die etablierten Bands hätten genügend Gelegenheiten für Auftritte.

«Die Jugendförderung liegt mir sehr am Herzen. Der Nachwuchswettbewerb war eine gute Idee», so Lienhard. Als er jung gewesen sei, habe es das Amateur-Jazz-Festival gegeben. «Das war für junge Bands immer eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Formationen zu messen und zu schauen, wo man steht», hält er fest.

Bei allem Bedauern über das Ende, für Müller war das Festival dennoch ein Erfolg. «Mit Hazy Osterwald, Paul Kuhn oder Bill Ramsey standen die ganz Grossen des Genres in Dietikon auf der Bühne. Darauf kann das engagierte OK stolz sein», so Müller. Man habe etwas gewagt, sei innovativ gewesen. «Wir haben Mut bewiesen, ein solches Festival zu organisieren», sagt Müller.
Aus diesem Grund blickt der Stadtpräsident auch zuversichtlich in die Zukunft. «Das Ende des Festivals bietet Platz für neue Ideen», hält er fest. Um über konkrete Pläne für eine Nachfolgeveranstaltung zu sprechen, sei es jedoch noch zu früh. «Wir werden uns auf jeden Fall mit der Kulturkommission zusammensetzen, um über mögliche neue Projekte zu diskutieren», so Müller. «Es ist unser Ziel, in Dietikon weiterhin hochkarätige Musik und Kunst anzubieten.»