Eifersucht

Aus Freunden werden Feinde: Ehemann beschimpft Liebhaber der Frau

Bezirksgericht Dietikon.

Bezirksgericht Dietikon.

Wegen Erpressung und wegen Beschimpfung sowie Tätlichkeiten mussten ehemals gute Freunde beim Gericht antraben. Der Grund: Eine Frau und Eifersucht. Das Gericht urteilte differenziert, der Beschuldigte muss jedoch eine Geldstrafe und Busse begleichen

«Wir waren 15 Jahre lang dick befreundet», erklärte der Beschuldigte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dietikon und würdigte dabei den Geschädigten vor den Schranken keines Blickes. Aus guten Freunden waren unversöhnliche Feinde geworden.

Der Grund dafür liegt bei einer heute 42-jährigen Frau, die zuerst mit dem Beschuldigten, einem Buschauffeur, verheiratet war und ihm einen heute neun Jahre alten Sohn schenkte.

Bis sie sich vor über einem Jahr ausgerechnet in den «dicksten Freund» ihres Mannes verliebte und mit ihm ihren ahnungslosen Gatten über mehrere Monate hinweg betrog.

Als die Affäre aufflog, brach die langjährige Ehe auseinander. Erst recht als der Limmattaler Nebenbuhler, ein Pilot, seine neue Freundin und ihr Kind im letzten Februar zu einem Rundflug mit einer Cessna einlud.

Als der Sohn seinem Vater begeistert vom Ausflug berichtete, verlor dieser die Fassung. «Ich war aufgeregt, da mein Kind in die Sache involviert war», sagte der Chauffeur. Er war überzeugt, dass der Liebhaber seine Frau und den Sohn im Zweiplätzer gleichzeitig geflogen und damit illegal gehandelt hatte.

Laut Anklage versuchte er schon am nächsten Tag, seinen Rivalen zu erpressen. Demnach telefonierte er seiner Noch-Frau und liess dem Piloten ausrichten, er solle ihm sofort 1000 Franken bezahlen. Ansonsten werde er den Fall dem Bundesamt für Zivilluftfahrt melden (Bazl).

Nachdem sich der Limmattaler geweigert hatte, etwas zu zahlen, schaltete der Beschuldigte die Behörden ein. Allerdings ohne Erfolg. So zeigten die Flugrapporte auf, dass der Nebenbuhler zwei Mal und somit separat und völlig legal geflogen war. Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der verzeigte Ehemann damit der versuchten Erpressung schuldig gemacht.

Als der Beschuldigte vom Strafverfahren erfuhr, platzte ihm offenbar der Kragen. Am 26. Mai 2015 suchte er seinen Gegner an dessen Wohnort auf und beschimpfte ihn als «Lumpenseckel», «Drecksau» und «himmeltraurigen Dreckhund».

Als der Geschädigte schliessen wollte, trat der Besucher so heftig gegen den Eingang, dass die Türe gegen den Kopf des Piloten prallte und er eine Schnittwunde an der Stirn erlitt. Erst danach setzte sich der gehörnte Ehemann vom Tatort ab.

Alles bestritten

Nun musste sich der betrogene Gatte neben der versuchten Erpressung auch wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten vor Gericht verantworten. Ihm drohten eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 110 Franken sowie eine Busse von 1500 Franken.

Allerdings bestritt er alle Vorwürfe. Er habe niemanden erpresst, erklärte er. Er habe seiner Frau lediglich erklärte, dass er den Flug dem Bazl melden würde. Wobei der Pilot mit dem Entzug seiner Lizenz und Kosten für mehrere tausend Franken rechnen müsse.

Den tätlichen Angriff stellte er gänzlich in Abrede und machte eine reine Erfindung wegen der inzwischen erfolgten Scheidung geltend. «Ich finde es schön für ihn, dass er heute meine Frau hat», teilte der Beschuldigte seinem Prozessgegner ironisch mit.

Das Gericht kam zu einem differenzierten Urteil. So gab es bei der versuchten Erpressung einen Freispruch. Vor allem aufgrund von unterschiedlichen Aussagen der Frau. So sei diese während des Anrufs ihres Mannes sehr aufgeregt gewesen. Dabei sei es möglich, dass sie ihn falsch verstanden habe, führte der Vorsitzende Bruno Amacker aus.

Bei den weiteren Vorwürfen kam das Gericht zu Schuldsprüchen. So habe der Pilot sachlich ausgesagt und lebensnahe Schilderungen zu Protokoll gegeben, erklärte der Richter.

Auch vor Gericht habe der Geschädigte glaubhaft geschildert, wie ihn der Beschuldigte beschimpft habe. Aufgrund des Teilfreispruchs setzte Richter Amacker mit fünf Tagessätzen zu 80 Franken bedingt sowie 1000 Franken Busse eine verhältnismässig milde Strafe fest.

Allerdings muss der Beschuldigte die Hälfte der Gerichtskosten von 1500 Franken tragen. Eine Forderung des Privatklägers nach Schmerzensgeld von 3000 Franken, wies das Gericht ab. Beide Parteien können den Entscheid ans Obergericht weiterziehen.

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