Zürich

Aus der Not zur Innovation: Diese zwei Mütter lancieren eine Plattform für Babysitter und Eltern

Die beiden Mütter haben aus eigener Not aus gehandelt.

Die beiden Mütter haben aus eigener Not aus gehandelt.

Auf dem Portal Kidsitt finden Eltern einen Babysitter und Hütende eine Einnahmequelle. Mit der Lancierung der gleichnamigen App im August versuchen die Macherinnen Bénédicte van der Beken und Nadine Moser Balas, die Kinderbetreuung zu vereinfachen. Und das gelingt ihnen offenbar.

Gestartet haben sie mit ihrem Angebot im Raum Zürichsee. Mittlerweile sind Eltern und Babysitter aus dem Zürcher Ober- und Unterland, Winterthur, Zürich und dem Limmattal auf der App registriert. «Momentan verzeichnen wir zwei bis vier Buchungen pro Tag», sagt Moser Balas.

Registriert sind mittlerweile über 700 Eltern und Babysitter. Letztere haben die beiden Mütter persönlich rekrutiert und ein entsprechendes Profil für diese auf der Kidsitt-App angelegt. Wer interessiert ist, sich als Sitter zu melden, muss zuerst einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen und führt mit den beiden Köpfen des Start-ups ein Gespräch im Anschluss. «Erst dann erstellen wir ein Profil der Sitter auf unserer App. Es ist uns wichtig, die Kontrolle über die Registrierungen zu haben. Deshalb überprüfen wir auch die Neuanmeldungen der Eltern täglich», so Moser Balas weiter.

Und sie behalten die Kontrolle auch, nach dem ein Babysitting stattgefunden hat: «Am Tag nach dem Einsatz holen wir beim Sitter und speziell bei neu angemeldeten Familien ein Feedback ein.» Zudem betont die Mitgründerin von Kidsitt, dass es unter den registrierten Babysittern auch professionelles Krippenpersonal gibt, die nach Feierabend oder an Wochenenden noch etwas Hüten gehen. «Bei uns findet man auch Ersatzgrosis», sagt Moser Balas.

Hütegeld gehört Sittern

Was die Babysitter aber selbstständig machen, ist, ihren Hütetarif festzulegen. Das Geld für das Hüten kommt vollumfänglich dem Sitter zugute. Der Stundenansatz wiederum ist abhängig vom Alter, der Ausbildung und der Erfahrung der Babysitter. Jugendlichen empfehlen die beiden Kidsitt-Gründerinnen, den Babysitterkurs des Schweizerischen Roten Kreuzes zu besuchen.

«Natürlich geben wir vorgängig eine Empfehlung für den Stundentarif ab», sagt Moser Balas. Kidsitt selber finanziert sich durch eine Vermittlungsgebühr. «Am Babysitter verdienen wir nichts», so die Unternehmerin weiter. Pro Buchung entschädigen die Eltern Kidsitt mit Fr. 8.50. Man kann auf dem Portal auch unterschiedliche Abonnemente lösen.

Dass es schwierig sein kann, den passenden Babysitter für das eigene Kind zu finden, wissen van der Beken und Moser Balas aus eigener Erfahrung. Die beiden Frauen sind Mütter von drei respektive zwei Kindern. «Wir haben aus unserer eigenen Not heraus versucht, Abhilfe zu schaffen», so Moser Balas.

Viele Eltern kennen das: Wird ein Babysitter benötigt, wird eine Liste von möglichen Babysittern abtelefoniert. Mit der von Moser Balas und van der Beken lancierten App wird das einfacher. Mit einem Klick können mehrere Sitter gleichzeitig angefragt und dann das passendste Angebot ausgesucht werden.

Als weiteren Vorteil bezeichnet Moser Balas, dass die Sitter jeweils in der Region der suchenden Eltern leben. «So wird den Eltern das Bezahlen des Taxis oder das Nachhausefahren des Sitters abgenommen», sagt Moser Balas. Dass die Eltern auch bequem über die App die Babysitter bezahlen können und so nicht noch zusätzlich an genügend Bargeld im Portemonnaie denken müssen, würden viele der App-Benutzer schätzen, wie Moser Balas sagt.

So sieht die Applikation aus, wenn man sie geöffnet hat.

So sieht die Applikation aus, wenn man sie geöffnet hat.

Daten nicht für alle sichtbar

Offenbar haben die Eltern Vertrauen in die Zürcher App – auch im Hinblick darauf, dass sie mit einem Profil sensible Daten über sich freigeben. Moser Balas lenkt bei dieser Frage direkt ein: «Mit Themen wie Pädophilie und Kriminalität haben wir uns im Vorfeld intensiv befasst. Deshalb der Rekrutierungsprozess. Deshalb die tägliche Registrierungskontrolle.»

Die in den Profilen eingetragenen Daten seien deshalb auch nicht für andere Nutzer sichtbar. Von den Sittern sei lediglich der Name, die Wohngemeinde respektive die Distanz zu den nach Hütenden suchenden Eltern, das Alter, die Sprache und die Arbeitserfahrung ersichtlich. «Telefonnummer und Adresse sind geschützt», sagt Moser Balas.

Die Daten der Eltern werden dann für einen Sitter ersichtlich, wenn sie diesem eine Hütedienst-Anfrage zustellen. «Die App bietet von uns geprüfte Sitter an und ist somit auch in einem Notfall beziehungsweise bei kurzfristigen Anfragen vertrauenswürdig.»

Mit den beiden Start-up-Gründerinnen könne zudem immer Kontakt aufgenommen werden, falls Unsicherheiten bestehen würden. Der Reaktion von Moser Balas nach, scheint dies bislang nicht oft vorgekommen zu sein: «Bis jetzt hatten wir keine Probleme, weder mit Sittern, noch mit Eltern.»

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