Gestern erschien der in einer Limmattaler Gemeinde gemeldete Franzose zumindest nicht vor dem Dietiker Bezirksgericht: Weder dessen amtliche Verteidigerin noch der Staatsanwalt wussten etwas über den Verbleib des Mannes, dem unter anderem eine qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln vorgeworfen wird.

Seit Ende Oktober seien sämtliche Kontaktversuche auf den verschiedensten Kanälen gescheitert, sagte die Verteidigerin. Gemäss Angaben des damaligen Arbeitgebers sei ihr Mandant im November zumindest noch unregelmässig zur Arbeit erschienen, dann aber gar nicht mehr. Seine Therapiestunden liess er spätestens im Dezember ebenfalls sausen.

Aktenkundig sei der Beschuldigte in der Zwischenzeit in der Schweiz auch nicht mehr geworden, führte der Staatsanwalt aus. So zeige ein aktueller Strafregisterauszug keine neuen Einträge. Andere Behörden hätten ebenfalls vergeblich nach dem Mann gesucht: Das Migrationsamt wollte ihm die Chance geben, Stellung zu einer möglichen Aufhebung seiner Niederlassungsbewilligung zu nehmen. Doch die Kontaktversuche der Polizei blieben erfolglos.

Mit Alkohol und ohne Ausweis

Gemäss Anklageschrift war der französische Staatsbürger an einem späten Sonntagabend im April 2018 auf der Zürcherstrasse in Oberengstringen in eine mobile Geschwindigkeitskontrolle geraten: Anstelle des erlaubten Tempo 50 zeigten die Messgeräte – nach Abzug der Messtoleranz – 91 km/h an.

Der 28-Jährige hatte 1,1 Promille Alkohol im Blut und verfügte über keinen Führerausweis. Dieser war ihm schon 2011 für unbestimmte Zeit verweigert worden. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, weshalb der Mann die auf der Strasse stehenden Kantonspolizisten nicht beachtete, die ihn mit ihren Stablampen mit dem roten Leuchtkegel zum Anhalten aufforderten.

Der alkoholisierte Fahrer, der zuvor auch Marihuana konsumiert hatte, lenkte sein Auto stattdessen auf die Gegenfahrbahn, um die Kontrollstelle zu umfahren. Und er drückte aufs Gaspedal. Mit drei Fahrzeugen nahmen die Polizisten sofort die Verfolgung auf.
Auf der Bernstrasse in Schlieren gelang es einem Polizisten, den Flüchtenden zu überholen.

Doch als er ihn ausbremsen und zu einem Stopp zwingen wollte, zwängte sich der 28-Jährige mit seinem ungefragt von einem Freund ausgeliehenen Mercedes auf der Gegenfahrbahn und auf dem Trottoir wieder am Polizeifahrzeug vorbei.

Im Wohnquartier gestoppt

In Richtung Dietikon beschleunigte der Franzose erneut und erreichte gemäss Anklageschrift 130 km/h, also 70 km/h mehr als erlaubt. Trotz Gegenverkehr soll er dabei auf der Überlandstrasse ein Auto überholt haben.

In Dietikon bog der Lenker schliesslich nach der Limmatbrücke links ins Altbergquartier ab. Bei der Verzweigung von Altberg- und Schächlistrasse beim Restaurant Pergola endete das Rennen gegen die Polizisten: Mit ihren drei Wagen hatten sie den Mercedes eingekesselt und so blockiert. Doch noch wollte der 28-Jährige nicht aufgeben – er rannte zu Fuss davon. Weit kam er gemäss Anklage nicht; er wurde geschnappt und landete für drei Tage in Untersuchungshaft.

Die eingeschrieben zugestellte Vorladung für die Gerichtsverhandlung hatte der Beschuldigte Mitte November noch persönlich entgegengenommen. Dies belegt dessen Unterschrift. Weil er nun gestern nicht erschienen ist, hat das Bezirksgericht auf Mitte Februar eine neue Verhandlung angesetzt. Dann werden Staatsanwalt und Verteidigerin ihre Plädoyers halten und ihre Anträge stellen – und das Gericht wird ein Urteil fällen, ob nun der Beschuldigte in der zweiten Runde anwesend sein wird oder nicht.