Eine schmale Treppe führt in das Verlies. Der Gang ist dunkel, die Luft kühl. Hinter einer robusten Tür sind sie eingesperrt: drei Jugendliche, an denen sich Manuel rächen will.

Was nach bitterem Ernst klingt, ist in Wirklichkeit nur die Handlung eines Films. Beteiligt daran sind sieben junge Nachwuchsschauspieler von der Filmjugendgruppe Wädiwood – der Name ist eine Anspielung auf Hollywood.

Wädiwood ist ein Angebot für Filmliebhaber, unterstützt von der der reformierten Kirche Wädenswil.

Die Freude am Filmen

Dietikon ist zum wiederholten Mal Filmkulisse der Gruppe. Dieses Jahr dient das Kellergewölbe des Bahnhof Dietikons als Gefängnis. Sogar der stellvertretende Geschäftsleiter des Bahnhofs, René Blaser, ist vor Ort.

Hier aber in der nebenberuflichen Rolle als Schauspielcoach von Wädiwood. Innerhalb einer Woche drehen die Jugendlichen zusammen mit ihren Leitern von acht Uhr morgens bis spät abends.

«Die Freude am Filmen ist gross, anstrengend ist es aber auch», so Blaser. «Das Wichtigste beim Dreh ist, dass die Jugendlichen in der Szene drin bleiben.» Alle anderen Bedürfnisse müssten während Stunden in den Hintergrund gestellt werden. Das verlange viel Konzentration.

Die Schlussszene wird bereits zum siebten Mal gespielt. 15 Einstellungen müssen gemacht werden. Da kommen Versprecher schon einmal vor.

Aufgezogen werde deshalb aber niemand, sagt Blaser. Die Gruppe nehme es mit Humor. Nebst der Konzentration findet der vierzehnjährige Urdorfer Daniel Rahal die Authentizität am schwierigsten:

«Emotionen echt wirken zu lassen, ist eine Herausforderung.» Tipps dafür kommen die Jugendlichen von Coach Blaser, der selber 13 Jahre lang Schauspielerfahrung in einer Wädenswiler Laientheatergruppe sammelte.

«Der Blick muss immer synchron zur Aktion sein, sonst passt es nicht», erklärt Blaser.

Den Leuten zeigen, dass er keine Grenze kennt, ist das Ziel von Daniel Rahal. Im Film spielt er die Rolle des Racheengels, der sich für die Entführung seiner Freundin revanchiert. Doch der Racheakt läuft aus dem Ruder, es geht um Leben und Tod.

Am ganzen Prozess beteiligt

«Die Ideen zum Skript haben die Jugendlichen selbst entworfen», sagt Wädiwood-Gründer Volker Maiwald. Früher lag die ganze Vor- und Nachbereitung bei den Leitern. Das Konzept hätten sie vor zwei Jahren geändert.

«Heute binden wir die Jugendlichen stärker ein.» Vom Anfang bis zum Ende begleiten die Nachwuchstalente nun den Prozess des Films. «Wir möchten sie auf unser Level heben.

Sodass sie eines Tages, vielleicht auch selbst mal einen Film drehen können», sagt Volker. Lagerleiter Matthias Hunn ergänzt: «Wir empfehlen allen Jugendlichen einmal alles auszuprobieren: von Regie über Technik bis zum Schauspiel.

So sitzt nun auch Fabio Rothlin das erste Mal hinter dem Regiemonitor. Auf die Frage, was ihm nun besser gefalle, das Schauspielern oder die Arbeit hinter den Kulissen weiss er keine bestimmte Antwort: «Das kommt ganz auf die Geschichte an.»

Nach dem Dreh ist nicht Schluss

Motiviert sind sie alle – und das trotz harter, langer Arbeitstage. «Als Ziel hat man den fertigen Film», sagt Nick Weber, seit einem Jahr bei Wädiwood dabei. Doch bis es so weit ist, liegt noch ein langer Weg vor den Jugendlichen.

«Nach dem Dreh ist es noch lange nicht getan», sagt Maiwald. «Das Schneiden und das Sounddesign nehmen nochmals viele Stunden in Anspruch», erklärt der erfahrene Filmer. Der Film wird erst im Frühling 2014 fertiggestellt.

Um acht Uhr abends ist die letzte Szene im Kasten. Auch das vom Pizzablitz Dietikon ausgeliehene Messerset wird wieder ordentlich zurückgegeben.

Die Gruppe verabschiedet sich. Erschöpft, aber zufrieden wird zusammen das letzte Mal bei Daniel zu Hause gegessen. «Wir freuen uns auf das Bonusmaterial», so die Gruppe. Das gebe immer viel zu lachen.

«Das war heute eine gute schauspielerische Leistung», lobt der Coach die Gruppe.