Sengül Haydar steht in seinem neuen Geschäft am Rapidplatz und blickt über die weite Kiesfläche. «Es ist ein guter Platz. Nur etwas sauberer könnte er sein», sagt er. Ende Monat eröffnet Haydar im Herzen des Limmatfelds ein Restaurant. Döner, Pizza und Pouletflügeli wird er dort anbieten. Zunächst muss aber der Innenausbau des Lokals abgeschlossen werden, in dem bis im Sommer das Caffè Limmatfeld eingemietet war. Haydar ist zuversichtlich, dass sich die Investition lohnen und er mit seinem Restaurant Erfolg haben wird. «Es braucht etwas Zeit. Aber Kundschaft gibt es hier genug», ist er überzeugt.

«Es ist ein guter Platz. Nur etwas sauberer könnte er sein und mehr Sitzgelegenheiten haben.» Sengül Haydar, neuer Restaurantbetreiber am Rapidplatz

«Es ist ein guter Platz. Nur etwas sauberer könnte er sein und mehr Sitzgelegenheiten haben.» Sengül Haydar, neuer Restaurantbetreiber am Rapidplatz

Mit seinem Optimismus ist Haydar derzeit im Limmatfeld in der Minderheit. Davon zeugen nicht nur die freistehenden Gewerberäume um den Platz und entlang der Querstrassen des Quartiers: Bei zahlreichen Läden scheint der Geschäftssinn der Resignation gewichen zu sein. Vielerorts hängen Zettel an der Tür, die auf neue, sprich eingeschränkte Öffnungszeiten hinweisen. Oder darauf, dass es Termine nur nach Vereinbarung gibt.

Den eher trostlosen Eindruck, den das im Limmatfeld ansässige (oder eben fehlende) Kleingewerbe hinterlässt, fassen einige der Ladenbesitzer in klare Worte und Gesten. Ali Kömürcü, der in seinem Laden Heimtex Vorhänge verkauft und Textilreinigung anbietet, seufzt bei der Frage, wie sein Geschäft läuft. Und er führt sich die rechte Hand zum Hals. Will heissen: Das Wasser steht im finanziell bis da. «Ohne Online-Werbung und auswärtige Kunden hätten wir nach wenigen Monaten wieder geschlossen», sagt er. Seit drei Jahren hält er sich über Wasser.

Und in dieser Zeit hat er gemerkt: «Die Quartierbewohner fahren am Morgen aus der Tiefgarage nach Zürich zur Arbeit. Und am Abend kommen sie spät zurück.» Einkaufen würden die Bewohner im eigenen Quartier kaum. Ans Aufhören denkt Kömürcü trotzdem nicht. «Wir haben sehr viel Geld in den Innenausbau investiert», sagt er. Er habe deshalb keine andere Wahl, als zu bleiben und zu warten. Hoffnung setzt Kömürcü deshalb in den Limmat Tower und in den Bau der weiteren Wohnhäuser.

Eine Tür weiter fragt Alex Kupfer, Inhaber von Schuhkönig Kupfer, auf die Frage, wie es läuft, zurück: «Wo sind die Leute?» Es gefalle ihm hier, doch fehle die Laufkundschaft. Etwas pointierter formuliert es Vincenzo Serratore, der an der Heimstrasse das gleichnamige italienische Bistro führt: «In der Sahara kann man keine Glace verkaufen. Auch wenn es passen würde – es gibt dort keine Leute.» Er habe zwar über Mittag Kunden, und der Umsatz reiche aus, um keine roten Zahlen zu schreiben. «Aber davon leben kann ich nicht.» Serratore macht die tiefe Zahl an Passanten zu schaffen, die weder in den letzten Jahren zugenommen habe, noch mit dem Limmat Tower zunehmen werde.

«Ohne auswärtige Kunden hätten wir nach wenigen Monaten wieder geschlossen.» Ali Kömürcün, Inhaber von «Heimtextil»

«Ohne auswärtige Kunden hätten wir nach wenigen Monaten wieder geschlossen.» Ali Kömürcün, Inhaber von «Heimtextil»

Platz mit «riesigem Potenzial»

Doch nicht alle Gewerbler im Quartier sehen so schwarz. Für Shahin Dalli, der am Rapidplatz einen Lagerverkauf betreibt, ist das Quartier zwar auch nicht belebt. Es habe aber «ein riesiges Potenzial». Dalli versucht, dieses Potenzial zu nutzen, in dem er sein Angebot mit Haushaltsartikeln, Kleidern und Spielzeug an die Bedürfnisse im Quartier anpasst. «Es wohnen viele junge Familien hier.» Allerdings sei der Kiesplatz wegen der Verletzungsgefahr nicht kinderfreundlich. «Und es könnte einen Spielplatz haben.» Auch ein Markt würde seiner Ansicht nach mehr Kundschaft bringen. «Der Platz wäre ideal dafür.»

Die Migros, die seit vier Jahren am Rapidplatz einen Laden betreibt, zeigt sich zufrieden. «Die Filiale entwickelt sich positiv», schreibt Francesco Laratta, Mediensprecher der Genossenschaft Migros Zürich. Auch die künftige Entwicklung beurteilt er positiv: Das Wachstum im Quartier belebe und führe zu einer höheren Kundenfrequenz. Den Optimismus teilt die Migros mit der Halter AG, welche für die Erstvermietung der Gewerbeflächen und für die Vermarktung des ganzen Limmatfelds zuständig ist.

«Die Angebote der Grundversorgung laufen gut», sagt Roger Rufener, Projektleiter Vermarktung bei Halter. Bei der Entwicklung eines Quartiers dieser Grösse brauche es aber einen langen Atem. Die unvermieteten Gewerbeflächen erklärt Rufener mit den noch andauernden Bauarbeiten im Quartier. «Solange die Baugerüste stehen, zieht das Gewerbe nicht ein.» Die Entwicklung gehe aber in die richtige Richtung.

Man versuche, bei der Ansiedlung neuer Läden «so offen wie möglich zu sein», sagt Rufener. Dabei orientiere sich Halter aber immer an der ursprünglichen Idee «Unsere kleine Stadt»:«Es soll ein guter Branchenmix erreicht werden.» Halter versuche auch, das Quartier zu beleben, indem Aktionen angestossen wurden, wie etwa das Eisfeld, das im Winter wieder auf dem Platz aufgebaut wird. Rufener appelliert aber auch an die Eigeninitiative der Ladenbesitzer, daran, dass diese «gemeinsam etwas auf die Beine stellen» sollen. «Etwa einen Adventsmarkt.» Auch Michael Seiler, der städtische Standortförderer, sieht den Ball bei den Gewerblern. «Die Stadt unterstützt sehr gerne Ideen», sagt er. Diese müssten aber von den Ladenbesitzern angeschoben werden.