Rund um die beiden markanten Wohnhochhäuser an der Zürcherstrasse, gleich vis-à-vis der NZZ-Druckerei, wird sich in den kommenden Jahren einiges verändern. Wie die Besitzerin der rund 16 000 Quadratmeter grossen Parzelle, die Schindler Pensionskasse, gestern mitteilte, sollen sechs Gebäude aus den 1930er-Jahren abgerissen und durch drei Wohnbauten und einen Gewerbebau mit vier bis fünf Geschossen ersetzt werden. Aktuell bieten die Gebäude 50 Wohnungen. Dereinst sollen 145 Wohnungen im mittleren Preissegment angeboten werden.

In diesem Gebiet sei eine städtebauliche Verdichtung und Aufwertung prädestiniert und von der Stadt auch erwünscht, wie die Schindler Pensionskasse in der Mitteilung schreibt. So werden bald das Tram 2, das bis nach Schlieren verlängert wird, und die Limmattalbahn an der Haltestelle Wagonsfabrik unmittelbar vor dem Areal verkehren. Gleich auf der gegenüberliegenden Strassenseite befasst sich die Swiss Prime Site derzeit mit der Umnutzung der ehemaligen NZZ-Druckerei. Wenige Meter weiter östlich davon wurde erst vor wenigen Wochen das Baugesuch für das dritte der insgesamt vier Hochhäuser des Bio-Technoparks eingereicht. Das zweite steht kurz vor der Fertigstellung. «Das Quartier wird sich zu einem lebendigen Wohn- und Arbeitsschwerpunkt entwickeln», so Schindler.

Von 110 auf 330 Einwohner

Geplant ist, drei «filigrane» vier- bis fünfgeschossige Blockrand-Wohnbauten sowie ein viergeschossiges Gewerbehaus zu erstellen. Es solle ein vielfältiger Mix an Mietwohnungstypen entstehen mit – von Atelierwohnungen bis zu kleinen Studios und 5,5-Zimmer-Wohnungen. Der Schwerpunkt solle jedoch auf Wohnungen mit zwischen 2,5 und 4,5 Zimmern liegen. Die Stadt rechnet mit einer Verdreifachung der Bewohner des Areals auf dereinst rund 300.

Entlang der Zürcherstrasse seien in den Erdgeschossen Raum für gewerbliche Nutzung vorgesehen. Zudem soll zwischen den Blockrand-Bauten «grosszügiger» Frei- und Grünraum für die Bewohner der Überbauung und jene des restlichen Quartiers entstehen. Angrenzend an die Zürcher- und die Schulstrasse erhält die Stadt zwei neue öffentliche Plätze.

Die zwei Wohnhochhäuser auf dem Schindler-Areal werden bestehen bleiben. Die beiden Bauten mit Jahrgang 1968 stammen aus der der Feder des Zürcher Architekten Werner Stücheli und wurden Mitte der 1990er-Jahre saniert. Sie bieten zusammen 92 Wohnungen. Die restlichen Bauten des Areals weisen laut Medienmitteilung grosse Defizite in Sachen alters- und behindertengereichte Erschliessung, Energiehaushalt sowie bei Grundrissen und Ausbaustandard auf.

Stadtrat wuchs hier auf

Zehn Planungsteams nahmen im vergangenen Jahr an einem Studienauftrag teil, um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das Areal entwickelt werden könnte. Vorgaben waren gemäss Schindler Pensionskasse, dass die beiden Wohnhochhäuser stehen bleiben müssen und dass Wohnungen im mittleren Preissegment entstehen. Zudem war eine altersgerechte und barrierefreie Gestaltung erwünscht. Siegreich war das Projekt von Adrian Streich Architekten und Ganz Landschaftsarchitekten. Zuletzt sorgten diese Architekten mit der Planung der Hochhäuser auf dem SBB-Areal Letzibach C gleich beim Bahnhof Altstetten für Aufsehen.

Mit Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) und der Stadtplanerin Barbara Meyer hatten auch Vertreter Schlierens in der Jury Einsitz. Für Bärtschiger dürfte es sich um ein ganz spezielles Projekt gehandelt haben, da er in einem der beiden Hochhäuser aufgewachsen ist. «Noch viel spezieller ist jedoch, dass es das erste Projekt in der Stadt Schlieren ist, bei dem im Bestand verdichtet und nicht ein brachliegendes Areal neu bebaut wird», sagt er auf Anfrage. Denn genau dies sei eines der aktuellsten Probleme, mit welchem Städte sowie Agglomerationsgemeinden konfrontiert seien. «An diesem Projekt ist genau dies hervorragend gelungen», unterstreicht Meyer.

So füge sich das Projekt von Adrian Streich Architekten sehr gut in das bestehende Quartier ein und bringe trotzdem eine 50 Prozent höhere bauliche Dichte zustande, als sie aktuell bestehe. «Zudem nimmt es eine klar städtebauliche Haltung ein. Nichts daran ist Agglo», so Meyer weiter. Dabei handle es sich um eine sehr gewünschte Entwicklung, wie es im Stadtentwicklungskonzept Schlierens festgeschrieben ist.

Als Nächstes soll bis Ende dieses Jahres in Zusammenarbeit mit der Stadt ein privater Gestaltungsplan erstellt werden, der noch durch das Gemeindeparlament und den Kanton abgesegnet werden muss. Dann folgt die Erarbeitung des detaillierten Bauprojekts. «Wir gehen davon aus, dass die Baubewilligung frühestens im Sommer 2019 vorliegt. Bis wann das Projekt aber fertig realisiert sein wird, hängt davon ab, ob man etappiert oder alles zeitgleich baut», sagt Felix Müller, Sprecher der Schindler Pensionskasse auf Anfrage. Bereits vorgängig über diese Pläne informiert wurden die 50 Mietparteien der sechs Wohnhäuser sowie die fünf Gewerbemieter.