Urdorf

Auftreten, aber anders: Tabea Vogel macht ihr Fotostudio zur Konzertbühne

Tabea Vogel singt ihren Song "D'Sunne" live in ihrem Fotostudio

Tabea Vogel singt ihren Song «D'Sunne» live in ihrem Fotostudio.

Weil viele Konzerte wegen Corona ausfallen, entschloss sich die Urdorfer Fotografin und Sängerin für einen neuen Weg. Sie tritt im Rahmen ihrer Studio-Sessions nun an ihrem Arbeitsort auf.

Die Musik ist für Tabea Vogel ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Denn die ausgebildete Fotografin ist auch als Sängerin tätig. Dieses Jahr fielen wegen Corona aber viele Auftritte aus. Die Urdorferin entschied sich deshalb, in ihrem Fotostudio in Zürich Altstetten Studio-Sessions durchzuführen. «Ich habe gedacht, das Studio habe ich sowieso. Ich kann auch hier auftreten», meint Vogel. Zuerst sei die Idee auf sehr viel Euphorie gestossen. «Viele Leute haben nun aber Angst», sagt Vogel. Sie habe aber auch positives Feedback erhalten, die Premiere heute Samstag werde darum sicher durchgeführt.

Ihre Vielseitigkeit bedingt eine gute Organisation

Tabea Vogel ist hauptberuflich Fotografin, macht Musik und hat zwei Kinder. Wie bringt sie alles unter einen Hut? «Es ist alles eine Frage der Organisation», meint sie. Wenn sie keine Kundentermine habe, könne sie ihre beiden Kinder gut ins Fotostudio mitnehmen. «Aber ich will das klar abgrenzen. Im Studio arbeite ich, zu Hause bin ich für die Familie da.» Dieses Jahr habe sie mehr Zeit fürs Songschreiben gehabt, da viele musikalische Engagements abgesagt worden seien.

Vogel hätte in Deutschland auf einem Schiff auftreten sollen, zudem waren Charity- und Galaanlässe geplant gewesen. «Die Fotografie hält mich zum Glück über Wasser», sagt sie. Als Musikerin sehe es da anders aus. «Die Kulturszene leidet», sagt sie. Sänger Seven habe es in seinem Schreiben an den Bundesrat auf den Punkt gebracht.

Begonnen hat Tabea Vogel ihre musikalische Ausbildung mit klassischem Gesangsunterricht. «Das Umfeld war mir aber damals zu stier», erinnert sie sich. «Ich war 14 Jahre alt und wollte das alles nicht.» Sie begeisterte sich für Blues. «Ich hatte einen coolen Lehrer. Er hat uns die Ur-Blues-Lieder beigebracht, die Lieder von den Feldern», erzählt sie. Das habe sie fasziniert. Danach gelangte sie so zur Academy of Contemporary Music und später zur FeMale-Funk-Project-Gesangsschule von Tanya Birri. Vogel hat ausserdem Klavier und Querflöte gespielt. «Ich habe klassische Querflöte gelernt und wollte später auf Jazz umsteigen», sagt sie. Sie entschied sich aber aus Zeitgründen dagegen. «Ich möchte mich auch wieder mehr aufs Piano konzentrieren.» Im Moment reiche es fürs Songschreiben. «Dabei sitze ich oft einfach am Klavier, spiele ein paar Akkorde und lasse mich treiben», erklärt sie.

Die Songs müssten aus dem Bauch kommen, künstlich könne das nicht erzwungen werden. «Das sind die Lieder, die die Leute berühren», sagt Vogel. Das Songschreiben sei ein Prozess, der mit einer Idee beginne. «Ich nehme etwas auf mit dem Klavier und arbeite diese Idee dann aus.» Vorbilder sind verschiedene Blues- und Popsängerinnen und -sänger. Adele begeistere sie immer wieder, aber auch Pink. In der Schweiz sind es Sängerinnen wie Sina, Natacha oder Gigi Moto.

Vogel singt auf Englisch und Deutsch. Auf eine Sprache festlegen, wolle sie sich nicht. «Wenn mir jemand sagt, ich müsse mich entscheiden, dann mache ich genau das Gegenteil», sagt sie und lacht. «Das habe ich von meinem Vater.» Er war Hotelier und musste berufsbedingt einige Mal umziehen. «Er war Gastronom mit Leib und Seele», sagt Vogel. Bis sie elf Jahre alt wurde, wohnte Vogel mit ihrer Familie im Berner Oberland. Danach zügelte die Familie nach Wetzikon. Später folgte der Umzug nach Graubünden, wo sie auch die Schule abschloss. «Für die Ausbildung kam ich dann nach Zürich», sagt Vogel. Sie wohnte für kurze Zeit unter anderem auch im Zürcher Oberland. «Aber dort war es mir zu urchig», meint sie. An ihrem jetzigen Wohnort Urdorf fühlt sie sich dafür sehr wohl.

Das Kapitel «Härz»

Ab 2018 wagte sie sich mit der Mundartpop-Band «Härz» auch musikalisch in neue Gefilde. «Das war eigentlich ein Abschweifer, ein Stilbruch», meint Vogel. Sie sei nicht so der Gruppentyp. Aber bei «Härz» sei eine coole Frauentruppe zusammengekommen. «Wir wurden von den Produzenten ausgewählt», erklärt Vogel. Die Auswahl der Stimmen sei eine grosse Herausforderung, die die Produzenten sehr gut gemeistert hätten. «Härz» gewannen 2019 sogar einen Swiss Music Award.

Allerdings habe sich das Management mit «Härz» wohl ein wenig übernommen. Sie hätten zwar zuerst nach einer anderen Lösung gesucht, sich aber schliesslich doch zur Auflösung der Gruppe entschlossen. «Es braucht wahnsinnig viel Aufwand, die vielen Ideen zu bearbeiten», meint Vogel. Sie seien sechs sehr unterschiedliche Individuen, die auch vom Alter her zum Teil weit auseinander lägen. Darum lassen sie das Projekt nun ruhen. «Wir schreiben uns aber zum Teil noch täglich.» Es sei immer wichtig, dass sich Künstlerinnen und Künstler gegenseitig unterstützten.

An neuen Songs mangelt es nicht

Dieses Jahr sind bereits die Singles «Du Bisch» und «My Love» von Tabea Vogel erschienen. Zudem wäre die Erscheinung der B-Seite «Arabic Night» geplant gewesen. «Sie enthält einen arabischen Teil. Es ist aber sehr schwierig, einen geeigneten arabischen Sänger dafür zu finden. Der restliche Text ist dann auf Schweizerdeutsch und Englisch», sagt Vogel. Es seien viele neue Songs in der Pipeline, eine grössere Veröffentlichung sei aber wohl erst wieder im Februar zu erwarten. Sie wolle sich auch nicht zu viel Druck machen und wieder eher erdiger und souliger werden. Nun freut sie sich zuerst auf die Studio-Session.

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