Oetwil/Geroldswil
Auftauchen des Limmattaler Bibers ist kein Zufall

An der Limmat in Oetwil ist nach 20 Jahren Abwesenheit wieder ein Biber aufgetaucht. Seine Spuren sind unübersehbar. Der Neuzuzüger ist in vielerlei Hinsicht Grund zur Freude: Er schafft Lebensraum für andere Tiere.

Sandro Zimmerli
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Biber in der Limmat
7 Bilder
Sanddorn trifft man in den Geroldswiler Auen ebenfalls an
Die kleine Zangenlibelle zeigt sich auf Kiesbänken
Der kantige Lauch entfaltet seine Farbenpracht
Auch Schwanenblume gehört zu den Auenpflanzen
Am bewachsenen Limmatufer kann man ab Mai die gebänderte Prachtflügellibelle beobachten
Eisvögel jagen gerne am Binzerliweiher

Biber in der Limmat

mzm

Lange braucht man nicht zu suchen, bis man auf die ersten Spuren stösst. Direkt am Fussweg entlang des Oetwiler Binzerliweihers findet sich ein abgenagter Strauch. Einige Äste wurden abgebissen, an anderen die Rinde gefressen. Auch wenige Hundert Meter flussaufwärts in den Geroldswiler Auen sind Baumstämme angenagt worden. Ein untrügliches Zeichen, dass sich der Biber im renaturierten Gebiet wohl fühlt.

Erstmals gesichtet wurde der Nager letzte Woche von Mitarbeitern der Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ). Es ist das erste Mal seit rund 20 Jahren, dass sich wieder ein Biber im zürcherischen Teil der Limmat niedergelassen hat. Vermutlich handelt es sich um ein Einzeltier. «Darauf lassen die Spuren, die wir bislang gefunden haben, schliessen», sagt Tobias Liechti vom Büro für Umweltplanung creato.

Biber sind im Kanton Zürich vor allem im Norden, im Thurtal, im Weinland und entlang des Rheins, verbreitet. Dennoch dürfte es kein Zufall sein, dass nun auch ein Biber den Weg ins Limmattal gefunden hat. «Biber bringen jeweils im Mai bis zu vier Junge zur Welt. Sobald diese geschlechtsreif sind, also etwa nach drei Jahren, werden sie von den Eltern aus dem Revier vertrieben», hält Liechti fest. So dürfte es auch dem Limmattaler Biber ergangen sein. Denn an der Aare und der Limmat bis Baden seien bereits alle geeigneten Plätze besetzt. Es sei daher wahrscheinlich, dass der Biber hier ein neues Revier bezogen hat. Sollte auch er eine Familie gründen, sei es gut vorstellbar, dass die Jungen später weiter flussaufwärts Richtung Auenpark Werdhölzli zögen.

Schlüsselart der Feuchtgebiete

Wo genau der Biber seinen Unterschlupf hat und möglicherweise Junge aufziehen könnte, weiss Liechti nicht. Er freut sich aber über den jüngsten Neuzuzüger in den Auen - aus verschiedenen Gründen. «Der Biber ist eines der wenigen Tiere, das seinen Lebensraum selber gestaltet. Wenn Äste für ihn unerreichbar sind, fällt er den Baum kurzerhand oder staut Flüsse zum Flössen auf», so Liechti. Der Nager hat daher auch einen ganz praktischen Nutzen für Forstingenieur Liechti. «Der Biber übernimmt für uns quasi die Feinpflege der Auen. Er gilt daher als Schlüsselart der Feuchtgebiete», sagt Liechti. Amphibien, Libellen und viele weitere Organismen hätten sich in der Evolution an die durch den Biber geprägten Feuchtgebiete angepasst und bräuchten seine Aktivitäten.

Die Geroldswiler Auen wurden 2004 als ökologische Ersatz- und Ausgleichsmassnahme bei der Neukonzessionierung des Kraftwerkes Wettingen realisiert. Liechti ist mit der Entwicklung in der Auenlandschaft zufrieden. «Im Wasser leben seltene Fischarten, wie die vom Aussterben bedrohte Nase», sagt er. Erst am Dienstag hat er zum ersten Mal überhaupt einen Silberreiher in den Auen gesehen. «Es handelt sich um einen seltenen Durchzügler, der auf dem Weg nach Norden einen Halt im Limmattal einlegt», so Liechti. Einzig bei den Amphibien habe die Entwicklung nicht den erhofften Verlauf genommen. «In den Auen lebt praktisch nur der Seefrosch. Diese aus Osteuropa stammende Art wurde vermutlich ausgesetzt», hält er fest. Der Seefrosch verdränge andere Froscharten. Zudem könnten andere Amphibien wegen der vielen Strassen kaum einwandern.

Ein nachtaktives Tier

Auch rund um den Binzerliweiher, der 2010 ökologisch aufgewertet und grösstenteils durch den naturemade star-Fonds von ewz finanziert wurde, lassen sich spannende Beobachtungen machen. «Im Winter sind viele Entenarten auf dem Weiher. Auch der Eisvogel jagt hier häufig», so Liechti. Zudem würden auch die Spaziergänger das Gebiet enorm schätzen. «Viele Leute nutzen die kleine Insel in der Limmat, um sich zu erholen», sagt Liechti. Die Anwohner wiederum freuten sich darüber, dass das Gebiet nicht mehr so düster sei.

Ob die Erholungssuchenden auch den Biber bei der Nahrungssuche beobachten können, wird sich erst noch zeigen. Das nachtaktive Tier verhält sich generell diskret und verschläft den Tag in einem unterirdischen Bau, der nur über einen unter Wasser gelegenen Eingang zugänglich ist. «Am Morgen oder gegen Abend ist es dennoch möglich den Biber zu Gesicht zu bekommen», hält Liechti fest. Angst müsse man vor dem Tier keine haben, trotz seiner Grösse. «Ein ausgewachsener Biber kann gegen 30 Kilogramm schwer werden. Doch wenn er auf Menschen trifft, wird er sich normalerweise ins Wasser zurückziehen.»

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