Spiel des Lebens
Aufstiegskampf: Wie Panenka auf der Dornau

Der Dietiker Reto Hässig erinnert sich an ein denkwürdiges Regionalfussballderby zwischen seinem FC Dietikon und Urdorf. Bis dato noch ohne Niederlage, versprach ein weiterer Sieg den sicheren Aufstieg für die Dietiker.

Raphael Biermayr (Aufzeichnung)
Drucken
Teilen
Reto Hässig auf dem Dietiker Kirchplatz.

Reto Hässig auf dem Dietiker Kirchplatz.

BIER

Im Frühling 2002 trafen wir mit Dietikon in der 3. Liga auf Urdorf. Wir wussten: Wenn wir gewinnen, werden wir aufsteigen. Wir hatten zu dieser Zeit eine Riesentruppe, fussballerisch wie menschlich – auch an der Bar, was immer wichtig ist. Bis zu diesem Spiel hatten wir nie verloren. Ich war absolut überzeugt, dass wir auch dieses Spiel nicht verlieren würden. Ich war damals Captain, meine Rolle war, die Mannschaft aus dem zentralen Mittelfeld zu pushen sowie Gegner abzuräumen. Es war ein schöner Tag, es waren zwischen 200 und 250 Zuschauer auf der Dornau, Trainer Beat Studer musste uns nicht extra heissmachen für dieses Derby.

Es lief lange nicht für uns. Enzo Sileno verschoss einen Penalty wie der Tscheche Panenka in den Siebzigerjahren. Er chippte den Ball, Goalie Philippe Frei lag schon in einer Ecke, hatte aber genug Zeit, aufzustehen, und den Ball auf der anderen Seite zu halten. Das war kurz nach der Pause. Zu diesem Zeitpunkt lagen wir 0:1 zurück, obwohl wir nicht schlecht gespielt hatten. Wir erwarteten eine Standpauke von Studi in der Garderobe. Er sagte: «Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir», und ging hinaus. Das war die ganze Ansprache, eine souveräne Aktion.

Spiel des Lebens

In der Rubrik «Spiel des Lebens» erzählen Persönlichkeiten aus der regionalen Sportszene von ihrem denkwürdigsten Wettkampf. Heute: Reto Hässig (36), Fussballer, früher im FC Dietikon, aktuell in der zweiten Mannschaft des FC Schlieren.

Dani Pejic traf wenig später zum 3:1-Schlussstand. Das Fest nach dem Spiel fiel klein aus, mit zwei, drei Harassen Bier in der Garderobe. Die grosse Feier holten wir nach, als der Aufstieg definitiv feststand. Dass wir das Spiel gedreht hatten, sprach für den Charakter dieser Mannschaft. Mit meiner Art, auch mit schmerzenden Beinen bis zur 95. Minute zu kämpfen, war ich ein Sinnbild dafür.

Aktuelle Nachrichten